St. Valentin: Wohnprojekt ist jetzt ganz vom Tisch

Erstellt am 25. Jänner 2023 | 06:21
Lesezeit: 3 Min
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Aufatmen bei den Anrainern und Vertretern der Politik. Der offene Brief, den die Gruppe rund um Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr und Andreas Wagner (3. und 4. von links vorne) sowie die direkten Grundnachbarn Robert Stollnberger und Erich Hinterberger (2. und 3. von links) bereits verfasst hatten, ist nun obsolet.
Foto: Vogl
Die Cardo GmbH nahm nach dem Aufschrei der Bevölkerung und der Gemeindepolitik Abstand von der Schwerpunkteinrichtung für psychisch beeinträchtigte Personen im Wohngebiet von Rems.
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Schlaflose Nächte prägten bei den Bürgern aus Rems die letzten beiden Wochen. Grund für die Aufregung war eine von der Cardo GmbH geplante Schwerpunkteinrichtung für psychisch beeinträchtigte Personen im ehemaligen Gästehaus Gmoana, in der auch geistig abnorme Rechtsbrecher einen Wohnplatz bekommen sollten. Weder die Gemeinde noch die Anrainer waren vorab über Details informiert.

Nicht einmal eine Woche nach Bekanntwerden der Pläne machte die Cardo GmbH nach heftigen Bedenken der Anrainer und Gesprächen mit Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr einen ersten Rückzieher. Personen aus der Forensik werden nun nicht nach Rems kommen, wurde bei einer kurzfristig einberufenen Informationsveranstaltung erklärt.

Jetzt können wir endlich wieder ruhig schlafen.“ Robert Stollnberger Grundnachbar

Eine Woche darauf wendete sich das Blatt erneut. „Am Donnerstag hat mich Cardo-Regionalmanager Auzinger angerufen, dass sich das Projekt erledigt hat und zurückgezogen wird. Das wurde mir auch vom Land bestätigt“, erklärt die Stadtchefin. Auf NÖN-Anfrage bestätigt das auch Cardo-Geschäftsführer Ernst Leidinger. „Es scheint vernünftiger zu sein, das Projekt nicht zu realisieren“, betont er. Für die eine Person, die in Rems bereits eingezogen ist, sucht man noch nach einer individuellen Lösung.

Bürgerversammlung und offener Brief waren hinfällig

Die von besorgten Remser Bürgern organisierte Bürgerversammlung für die gesamte Dorfgemeinschaft am Samstag war somit ebenso hinfällig wie die geplante Veröffentlichung eines offenen Briefes an die Cardo und die für die Bewilligung des Projekts zuständige Abteilung des Landes NÖ. Der harte Kern der Projektgegner, unter denen sich auch Stadt- und Gemeinderäte von SPÖ und ÖVP befinden, traf sich aber dennoch im Gasthof Stolli, um die Thematik noch einmal durchzudiskutieren. Kritisiert wurden vor allem die Vorgangsweise und fehlende Kommunikation seitens des Betreibers. „Bei der Informationsveranstaltung hieß es seitens von Cardo, dass man die verbesserungswürdige Kommunikation bedaure und es sich um ein Versehen gehandelt habe. Ich habe nur fünf Minuten gebraucht, um zu recherchieren, dass das kein Einzelfall, sondern gängige Praxis ist“, weist Andreas Wagner auf Zeitungsberichte aus den Jahren 2014 und 2015 hin. Hier wurden die Gemeindebürger von Molln und Aspach in Oberösterreich ebenfalls nicht offiziell über geplante Projekte informiert.

Dass es derartige Einrichtungen brauche, streitet man nicht ab. „Dass man solche Projekte braucht, wissen wir alle, aber so sind sie zum Scheitern verurteilt“, kritisiert Stadträtin Andrea Prohaska die fehlende Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Außerdem sei die notwendige Infrastruktur am Standort in Rems nicht gegeben gewesen. „Die geplante Unterbringung von 26 Klienten entspricht etwa zehn Prozent der Remser Dorfbevölkerung“, wäre die Projektgröße für Grundnachbar Robert Stollnberger nicht verhältnismäßig gewesen. Dass das Objekt im dicht verbauten Siedlungsgebiet liegt und keine Grün- und Betätigungsflächen im Außenbereich aufweist, habe ebenfalls gegen den Standort in Rems gesprochen.

„Es war fünf vor zwölf“, ist Andreas Wagner froh, dass das Projekt in Rems gestorben ist. Man hofft nun, dass die betroffene Bevölkerung und Lokalpolitik bei künftigen Projekten an anderen Standorten frühzeitig eingebunden wird.

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