Rückblick: Kriegsgerät aus der „Spielwarenfabrik“ St. Valentin

Erstellt am 18. April 2022 | 14:18
Lesezeit: 3 Min
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Panzer des Typs „Jagdtiger“ wurden nur in St. Valentin erzeugt. Sie wogen 70 Tonnen und erreichten eine Geschwindigkeit von 35 Stundenkilometern.
Foto: Stadtarchiv St. Valentin
Unter dem Tarnnamen „Spielwarenfabrik“ wurde in St. Valentin einer der wichtigsten Rüstungsbetriebe des Dritten Reiches aufgebaut. An die 5.000 Panzer wurden im Nibelungenwerk ab 1940 hergestellt.
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Eine der wichtigsten Rüstungsfabriken der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft stand in St. Valentin: das Nibelungenwerk. Es war das größte und modernste Panzer-Montagewerk des Deutschen Reichs, in dem mehr als die Hälfte der Panzerkampfwagen IV, des Standardpanzers der Deutschen Wehrmacht, hergestellt wurden. Die Nähe zu Steyr und Linz mit den Hermann-Göring-Werken, der Bahnanschluss sowie die Energiegewinnung durch die Wasserkraft von Donau und Enns sprachen für den Standort im Westen des Bezirks Amstetten.

Die Bauarbeiten für die „Spielwarenfabrik“ begannen im Jahr 1939, ab September 1940 wurden erste Reparaturen von Panzern übernommen, danach wurde das Werk laufend erweitert. Nach vier Ausbaustufen bestand das Werk aus insgesamt neun Hallen: Sieben Stahlbetonhallen waren 120 Meter lang und 60 Meter breit, die beiden anderen Hallen waren Stahlrohrkonstruktionen und maßen 120 mal 120 Meter. Um die Produktion auch nach Bombenangriffen aufrechterhalten zu können, wurde die Fabrik durch ein unterirdisches Ringsystem mit Strom, Pressluft, Heizung und Wasser versorgt. Das Werk wurde von zwei Eisenbahngleisen umlaufen und jede Halle besaß einen eigenen Gleisanschluss. Der tatsächliche Produktionsbeginn erfolgte im Februar 1941. Dabei wurden zunächst Ersatzteile für Panzer produziert. Der erste komplette Panzer wurde am 8. Oktober 1941 montiert.

Viele KZ-Häftlinge arbeiteten im Werk

Bis zu 8.500 Personen arbeiteten im Nibelungenwerk. Viele von ihnen waren Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter oder KZ-Häftlinge, da sich seit 1944 auch ein Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen mit rund 1.500 Personen in St. Valentin befand.

Ein Bombenangriff am 17. Oktober 1944 hatte massive Auswirkungen auf die Produktion. So musste in Verlagerungsbetrieben und in den Stollen in der Nähe des Werks produziert werden. Bei einem Luftangriff am 23. März 1945 wurde das Werk erneut schwer getroffen, nur zwei der neun Hallen blieben stehen. Trotzdem konnte man die Produktion bis zum Kriegsende aufrechterhalten. Am 22. April 1945 wurde die Produktion dann eingestellt.

Heute sind das ehemalige Nibelungenwerk sowie das dazugehörige Gelände im Besitz des kanadischen Autozulieferkonzerns Magna. Der Landmaschinenhersteller CNH Industrial ist auf dem Areal eingemietet und fertigt hier Traktoren.

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