Flyer zu Mauthausner Donaubrücke: „Das ist ein Affront“

Bürgerplattform ist erbost über Info-Flyer des Landes. Ihre Kritikpunkte wurden nicht berücksichtigt.

Erstellt am 23. Oktober 2021 | 06:49

Quartalsweise informieren die Projektträger in einem Planungs-Jour-fixe zur Neuen Donaubrücke die Standort- und Umlandgemeinden über den aktuellen Planungsstand des Projektes. So auch in der Vorwoche.

Die Vertreter des Landes schilderten den Gemeindevertretern, dass der Sommer intensiv gewesen sei für das Planungsteam. Neben den Arbeiten der einzelnen Fachbereiche für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) sei auch die technische Planung der Brücke weit vorangeschritten. „Der Verkehrsfluss auf der Gesamtstrecke wurde inzwischen simuliert. Im Zuge der Untersuchung zeigte sich, dass der Knoten B1 adaptiert werden muss. Die Überarbeitung erfolgte in den Sommermonaten“, erklärte der Pressereferent des NÖ Straßendienstes, Gerhard Fichtinger.

Derzeit laufen umfassende Luftgüte- und Lärmmessungen im Projektgebiet. Für Dezember sind Bodenerkundungen in den betroffenen Gemeinden geplant. Auch beim projektbegleitenden Verkehrskonzept, bei dem das betriebliche Mobilitätsmanagement, der Radverkehr sowie der Öffentliche Verkehr Thema sind, wurden letzte Details finalisiert.

Landes-SPÖ sagt Unterstützung zu

An den verhärteten Fronten zwischen Ennsdorf und dem Land hat sich durch den Jour-fixe nichts geändert. Im Gegenteil. Nachdem das Land trotz massiver Kritik an der geplanten Verkehrsführung festhält, hat sich die Bürgerplattform Pro Ennsdorf-Windpassing-Pyburg entschlossen, die Oppositionsparteien im NÖ Landtag zu informieren. Bei einem Gespräch mit Landeshauptfrau-Stellvertreter Franz Schnabl schilderte man ihm die Hauptkritikpunkte an diesem Projekt, wie dem Ausbau der Umfahrung Pyburg-Windpassing auf vier Spuren, die Installation von zwei Ampelkreuzungen anstatt des erst 2017 fertiggestellten Kreisverkehrs bei der Ortseinfahrt Windpassing, den Bau einer Eisenbahnunterführung mit wasserdichten Wannen im Hochwasserbereich der Donau und die Vernichtung von 3,5 Hektar Auwald. „Um 140 Millionen Euro soll eine Straße errichtet werden, die kein Ortsgebiet entlastet, sondern zusätzlichen Verkehr in die Orte leitet“, ist sich die Bürgerinitiative einig.

Auch Bürgermeister Daniel Lachmayr lässt kein gutes Haar an den aktuellen Plänen. „Die Länder laufen mit dem Kopf gegen die Wand in ein drohendes Desaster: Dass es keine Bewilligung für die neue Brücke gibt und die alte Brücke nicht mehr nutzbar ist.“ Er kündigt an, dass man alle Rechtsmittel ausschöpfen werde, um die vom Land geplante Variante 12 zu verhindern. Franz Schnabl wird die Anliegen der Plattform unterstützen und eine neuerliche Debatte im Landtag anregen. Auch die FPÖ hat Unterstützung zugesagt.

Unmut zugezogen hat sich das Land zuletzt auch mit einem Infofolder, der an alle Haushalte geschickt wurde. „Der Folder mit dieser die Umwelt und die Bevölkerung belastenden Variante ist ein Affront gegenüber den Bürgern von Pyburg, Windpassing und Ennsdorf! Ohne die Ergebnisse der Umweltverträglichkeitsprüfung abzuwarten, wird hier ein umweltfeindliches Projekt von den Landesbeamten schöngeredet. Wir werden alle Kanäle nutzen, um über die unfaire Bewertung im Variantenentscheidungsverfahren und über die Schwächen des Projektes aufzuklären“, erklärt Herbert Pühringer, einer der Hauptinitiatoren der Plattform. „Ein Projekt wird nicht dadurch besser, dass man in einem Folder Propaganda macht. Das Steuergeld sollte man lieber für Entlastungsmaßnahmen für die Bevölkerung verwenden“, kritisiert auch Ortschef Daniel Lachmayr den Folder.