Der König von Kitzbühel. Am 14. Jänner jährte sich der erste Weltcup-Sieg von Thomas Sykora zum 25. Mal. Der Göstlinger über den Trubel danach und Alberto Tomba. Von Armin Grasberger

Erstellt am 08. Februar 2021 (14:00)

Ob er mit einem derartigen Medieninteresse zum Jubiläum seines ersten Weltcupsieges gerechnet hatte? „Eigentlich überhaupt nicht“, lacht Thomas Sykora. Die Reise in die Vergangenheit genoss er trotzdem. „Eine besondere Freude hat mit der ORF Niederösterreich gemacht. Sie haben einen Laptop zum Interview mitgebracht, auf dem ich die Siegesfahrt von damals nochmals sehen konnte.“

Damals, das war vor mittlerweile 25 Jahren. Sykora feierte am 14. Jänner 1996 seinen ersten Weltcup-Triumph. Mit dem Slalom am Kitzbüheler Ganslernhang hatte sich der gebürtige Göstlinger eines der prestigeträchtigsten Rennen für seinen Premierensieg ausgesucht. Die NÖN Erlauftal berichtete damals umfangreich. In der Riege der Gratulanten wollte sie auch 2021 nicht fehlen.

Wenn Sie heute an den großen Tag zurückdenken, was taucht da als erstes in Ihrer Erinnerung auf?

Thomas Sykora: In Kitzbühel herrschte besonders nach meinem Zieleinlauf ein Riesentrubel. Für eine Strecke, die ich normalerweise in fünf Minuten hinter mich gebracht hätte, brauchte ich damals 40 Minuten. Auch die Unterstützung meines Fanclubs mit Obmann Robert Fahrnberger an der Spitze war sensationell. Sie hatten schon den ganzen Tag über im Ort und an der Strecke für eine super Stimmung gesorgt.

Gefeiert wurde wenig später dann auch in Göstling.

Sykora: Eine wirklich große Feier. Das war ein Wahnsinn. Ich kann mich noch erinnern, dass einige Kinder mit ihrem Mitteilungsheft zu meinem Tisch kamen und eine Entschuldigung für den nächsten Schultag haben wollten, weil sie bei meiner Feier waren. An dem Tisch saß auch der damalige Landeshauptmann Erwin Pröll. Der hat ihnen die Entschuldigung kurzerhand geschrieben. Gebracht hat das aber, soweit ich mich erinnern kann, nichts.

Hat die Kitzbühel-Trophäe einen besonderen Platz bei Ihnen zu Hause?

Sykora: Pokale waren mir nie wichtig. Dementsprechend gibt es zuhause keine einzige Trophäe zu sehen. Meine Olympia-Medaille ist gut aufbewahrt und die zwei Kristallkugeln für den Gesamtsieg im Slalom-Weltcup stehen in der Praxis meiner Frau, weil sie dort einfach gut hinpassen.

Nach derart großen Triumphen hört man immer wieder, dass der Sieger noch Zeit brauche, um alles zu realisieren. Wie lange dauert das bei Ihnen?

Sykora: Das ging eigentlich recht schnell. Mir war schon sehr bewusst, was ich da erreicht hatte. Eine irrsinnige Genugtuung und Bestätigung. Auch für meine Familie. Mein Papa war ja mein Trainer, mit ihm habe ich viel herumgetüftelt. Kurz nach dem Sieg war ich dann bei Nora Frey in der Radiosendung „Freizeichen“ zu Gast. Das ist vergleichbar mit dem heutigen „Frühstück bei mir“ mit Claudia Stöckl. Wenig später fand ich mich dann schon wieder voll im Weltcup-Alltag wieder.

Mit Alberto Tomba verwiesen Sie einen der absoluten Superstars dieser Zeit auf Rang zwei. Hatten Sie abseits der Piste Kontakt zu ihm? Wie war Tomba privat?

Sykora: Der Tomba war damals ein lebenslustiger Mensch und ist das auch heute noch. Er hatte in Italien einen besonderen Status und mobilisierte durch seine vielen Siege ungemein viele Fans. Damals in Kitzbühel waren ja an die 6.000 Italiener nur wegen ihm da. Trotz dieser Ausnahmestellung war er ein super Verlierer. Er hat mir gratuliert und mir Anerkennung gezollt. Diese Größe in der Niederlage zeichnet einen Menschen aus. Er sagte damals aber auch lachend zu mir: „Beim nächsten Mal bin wieder ich an der Reihe.“

Als ORF-Experte sind Sie nach wie vor Teil des alpinen Weltcup-Zirkus. Wie hat der sich im Vergleich zu Ihrer Zeit verändert?

Sykora: Heute ist alles noch viel professioneller. Außerdem gibt es mittlerweile eine viel größere Distanz zwischen Fans und Sportlern. Ich denke, dass 9/11 damals einen neuen Sicherheitsgedanken reingebracht hat. Wir sind nach dem Rennen noch mitten durch die Fans gegangen, das ist heute nicht mehr möglich. Das Material ist natürlich auch nicht mehr vergleichbar. Meine aktive Zeit hat die Basis für meine heutigen Aktivitäten gelegt. Das Aufgabengebiet ist zwar ein gänzlich anderes. Aber mir taugt es, dass alles so passiert ist.