Der Trauer Zeit geben. Christopher Benjamin Aigner von Bestattung Aigner über Bestattungs-Trends, aktuelle Herausforderungen und warum wir letztendlich alle im Sarg gebettet werden.

Erstellt am 27. Oktober 2020 (10:00)
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Christopher Benjamin Aigner in seinem neuen Büro. Das neu gebaute Firmengebäude wurde vor ca. einem Jahr bezogen und beherbergt nun auch einen eigenen Verabschiedungsraum.
Falke Media

Bestattung Aigner ist vor ca. einem Jahr ins neue Firmengebäude übersiedelt. Wie geht es euch am neuen Firmenstandort?

Christopher Benjamin Aigner: Der freundliche und barrierefreie Neubau ist definitiv ein großes Plus für uns und unsere Kunden! Endlich haben wir genug Platz für die Angehörigen, für einen eigenen Verabschiedungsraum und um Särge und Urnen herzeigen zu können. Auch den großzügigen Firmenparkplatz vor dem Haus schätzen wir sehr.

Welche Frage taucht häufig in Ihren Beratungen auf?

Aigner: Das ist definitiv: „Warum benötige ich bei einer Kremation trotzdem einen Sarg?“ Viele Leute sind verwundert, warum sie für die Verbrennung ohne vorherige Verabschiedung auch einen Sarg aussuchen müssen. Jede/r Verstorbene muss laut Gesetz in einem Sarg kremiert werden. Das sichert den ethnisch korrekten Transport und hat auch mit der Würde des Todes etwas zu tun. Natürlich wird jeder Kremationsvorgang einzeln durchgeführt, sodass gesichert ist, dass die Asche von diesem einen Menschen stammt.

Seit September sind Sie im Landesinnungs-Ausschuss und Bezirksvorstand der Bestatter unserer Region. Wie sehen Sie diese Aufgabe?

Aigner: Ich freue mich natürlich über das entgegengebrachte Vertrauen und auf diese neue Herausforderung. Bei Fragen zu jeglichen Belangen bin ich für meine KollegInnen der erste Ansprechpartner. Darüber hinaus möchte ich mich besonders dafür einsetzen, unsere Bestattungstradition aufrecht zu erhalten. Der Trauerzug ist ja vielerorts leider schon abgekommen, da der Weg zwischen Kirche und Friedhof zu lang ist. Aber auch sonst wird oft vieles eingespart, die traditionelle Betstunde zum Beispiel. Solche Rituale sind aber wichtig, um sich Zeit zum Trauern und zum Verarbeiten des Verlusts nehmen zu können. Das Aufbahren am Vortag bietet für alle die Gelegenheit, sich persönlich zu verabschieden und selbst zu entscheiden, wann ich hingehe. Das halte ich für besonders wichtig.

Bestattungen in diesem Corona-Jahr stellen Angehörige vor spezielle Herausforderungen. Wie unterstützen Sie dabei?

Aigner: Ich stehe den Angehörigen als Berater zur Seite – bin rund um die Uhr auf meinem Handy erreichbar. Je nach aktuellem Reglement, das auch auf unserer Website zu finden ist, darf nur eine begrenzte Anzahl an Trauergästen in die Kirche. Einige Familien sehen das als Vorteil, die Bestattung nur im kleinen Rahmen zu organisieren. Für andere, die gerne allen Verwandten, Freunden, Bekannten und so weiter die Teilnahme ermöglich wollen, haben wir die Option einer Live-Übertragung geschaffen. Die Video-Aufzeichnung kann natürlich auch danach immer wieder angesehen werden. Auch die Verwahrung der Urne, um die Beerdigung zu einem späteren Zeitpunkt durchzuführen, gehört zu unseren Leistungen.

Was sind die Trends eurer Branche?

Aigner: Ein Trend ist sicherlich die Bestattungsvorsorge. Viele Menschen wollen für das eigene Begräbnis vorab Entscheidungen treffen und ihre Familie damit entlasten. Diese regeln bereits jetzt mit mir die finanzielle Absicherung mittels Sterbeversicherungen wie auch einzelne Details zur Trauerfeier bis hin zur Wahl des Sarges, der Urne, einzelner Musikstücke oder der Gästeliste. Bei manchen ändern sich die Wünsche alle paar Jahre, aber auch das ist kein Problem. Aktuell sind Fotobücher zur Erinnerung oder eben Video-Aufzeichnungen sehr gefragt. Oft können Angehörige in ihrer Trauer das Begräbnis nicht richtig wahrnehmen und haben später das Bedürfnis, den Abschied aus einem anderen emotionalen Blickwinkel nochmals zu erleben. Einer meiner Sarglieferanten bietet ganz neu schnell verrottbare Särge an, die sich schon innerhalb eines Monats zersetzen. Ob dies auch ein Trend wird, werde ich auf meiner neuen Facebook-Seite in Kürze abfragen.

 www.bestattung-aigner.at