„Die Besucher wollen kein Theatermuseum!“. Christian Dolezal, Intendant und Hauptdarsteller des Haager Theatersommers 2021: „So, wie wir den Zerrissenen von Johann Nestroy zeigen werden, hat ihn noch nie jemand gespielt! Es wird garantiert unterhaltsam.“

Erstellt am 21. Juni 2021 (12:10)

Gut gelaunt – das ist er übrigens immer, wenn er seinen Probentag beendet hat – meldet sich Christian Dolezal zum Hallo Mostviertel-Talk. Der Intendant und Hauptdarsteller des Haager Theatersommers freut sich riesig darauf, endlich die große Freiluftbühne gegen den schmucklosen Wiener Proberaum zu tauschen.

„So, wie wir den Zerrissenen von Johann Nestroy zeigen werden, hat ihn noch nie jemand gespielt“, verrät Dolezal. „Der Switch zwischen der schönen Kunstsprache von Nestroy und der heutigen Sprache des Autors Dominic Oley garantiert einen unterhaltsamen Effekt.“

Dolezal weiter: „Mit den Aufführungen der vergangenen Jahre haben wir in Haag einen Weg eingeschlagen, wie man modernes Sommertheater machen kann. Dass wir damit auch Erfolg haben, ist großartig!“

Als künstlerischer Leiter ist es ihm natürlich wichtig, dass viele Leute zu den Vorstellungen kommen. „Unsere Produktionen sind ein Wagnis, das ich dann als geglückt ansehe, wenn die Leute lachen und ihr Herz aufmachen“, ist Dolezal sehr angetan, wie aufgeschlossen das Haager Publikum ist.

Glücklich stimmt ihn dazu die Tatsache, dass nach den jüngsten Lockerungen der Corona-Maßnahmen von 1. Juli bis 7. August vor vollem Haus gespielt werden darf. „Es wird eine Riesen-Hetz!“

Aller Anfang ist schwer

An seiner Rolle des Herren von Lips arbeitet Dolezal schon seit rund einem dreiviertel Jahr. Für sein Rollen-Studium ist der Absolvent der Schauspielschule am Volkstheater Wien einem erprobten Ritual gefolgt.

„Ich bin stundenlang durch die Wiener Weingärten spazieren gegangen, und hab den Text vor mich hergeplärrt! Für mich ist es ein Muss, die Worte nicht nur gedanklich zu erfassen, sondern sie auch im muskulären Gedächtnis zu verankern!“

Ähnlich verhält es sich laut Dolezal auch beim Proben mit dem Ensemble. „Wenn der Text in den Ohren knallt, kommen wir ins Spiel.“

Für den Theatersommer in Haag hat Regisseur Dominic Oley den Nestroy-Klassiker aktualisiert, ihn lustiger gemacht mit viel mehr Schwung. „Das veraltete Frauenbild von Mitte des 19. Jahrhunderts, kann und will ich so nicht zeigen, drum muss man den Originaltext bearbeiten“, ist Dolezal überzeugt. „Die Besucher wollen ja kein Theatermuseum!“

„Ich hab alle von Jahr zu Jahr lieber“

Drei Saisonen zeichnet der Schauspieler und Kabarettist als Intendant für den Haager Theatersommer verantwortlich. Von ihm aus kann es auch noch lange so weitergehen. „Ich habe hier alle von Jahr zu Jahr lieber!“

Weil er aber kein Freund von Monotonie ist, stehen die nächsten Bühnenabenteuer schon in den Startlöchern: „Im November spiele ich ein Kabarettprogramm mit Christoph Grissemann im Rabenhof und im Jänner ein neues Soloprogramm!“

Was Christian Dolezal irgendwann noch gerne machen würde? Einen Märchen- oder Kinderfilm! Reizen könnte ihn auch eine Filmrolle als Kommissar.

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