Die erste Runde. Das Mostviertler Bläserensemble Ybbstola Blech, Vizeeuropmeister der böhmisch-mährischen Blasmusik, wollen mit neuer CD und einem Jahr Corona-Verspätung durchstarten. Von Hans Schoder

Erstellt am 03. Februar 2021 (10:30)

Was herauskommt, wenn 17 begnadete Blasmusiker (inklusive Schlagzeug, Percussion und Gesang) aus einem Gaudi-Projekt heraus etwas auf die Beine stellen können, beweist das Ensemble „Ybbstola Blech“. Mit ihrem Premierenwerk „Die erste Runde“ wollen die Profi-Musikanten um das Kreativduo Johannes Breiteneder und Alex(ander) Überlacker mit einem Jahr Corona-Verspätung nun endlich die Bühnen erobern!

Dass dem Projekt eine durchaus erfolgreiche Zukunft beschieden sein kann, davon sind die beiden Musikstudenten aus Biberbach bzw. Krenstetten – wie auch viele Blasmusikfreunde in ganz Österreich – überzeugt.

Mit viel Engagement hat sich „Ybbstola Blech“ den Weg vom reinen Spaß-Projekt zur Profitruppe selbst geebnet.

Bereits zwei „Stockerlplätze“ bei den Europameisterschaften für böhmisch-mährische Blasmusik und einen Auftritt beim „Woodstock der Blasmusik“ haben die 17 Mädels und Burschen unter anderem zu Buche stehen.

„Wir wollen ehrliche Musik machen und auf der Bühne extrem gut sein – egal ob mit einer Polka, einem Marsch oder einem Queen-Medley“, sind sich die beiden Köpfe von „Ybbstola Blech“ einig. „Es gibt nämlich keine schlechte Musik, sondern nur schlecht gespielte!“ Dazu komponieren und arrangieren sie mit großer Leidenschaft und wagen sich auch an Kollegen, die sie privat eher nicht auf der Playlist haben. „Hulapalos“ ist so eine Persiflage auf der aktuellen CD, für die bekannte Schlagertitel von Andreas Gabalier und Helene Fischer zum Beispiel einen Rumba-Rythmus übergestülpt bekamen.

Das Markenzeichen der Gruppe sind die meist sehr anspruchsvollen Arrangements, für die vor allem drei Namen verantwortlich zeichnen: Die jazzig-groovigen Parts stammen aus der Feder von Johannes Breiteneder, der beim gebürtigen Erlauftaler Walter Grassmann in Wien Jazz-Schlagzeug studiert und sich nicht zuletzt für seine Arrangeur-Tätigkeit über das Klavier machte.

Die klassisch-traditionelle Blasmusik ist das Liebkind von Alexander Überlacker (studiert das Konzertfach Trompete bei Joseph Bammer in Eisenstadt). Er schreibt Stücke im Stil der großen böhmisch-mährischen Blasmusik.

Als dritter Name scheint auf dem CD-Cover Christian Schick auf. Der Tuba-spielende „Deutsche“ (stammt aus dem Allgäu und studiert an der Bruckner Uni in Linz) komponiert und arrangiert und wurde – wie einige andere Top-Musiker – mit einem listigen Trick zu „Ybbstola Blech“ geholt. „Wir hatten fünf, sechs Wunschkandidaten im Visier. Die kennen sich natürlich meist untereinander. Jedem hab ich am Telefon gesagt, dass der andere mit dabei ist. Das hat gefunkt“, freut sich Breiteneder über die heutige Top-Besetzung, mit der es nun – mit einem Jahr Verspätung – so richtig losgehen soll.

Das erste große Durchstarten hat Corona im vergangenen März verhindert. „Unsere großen CD-Release-Party in der Remise hätten wir zwei Tage nach dem ersten Lockdown gefeiert – vor ausverkauftem Haus mit 700 Freunden und 1.000 frisch gepressten Silberscheiben im Gepäck“, erzählt Breitender. „Das tat schon ordentlich weh. Nicht zuletzt auch, weil wir knapp 15.000 Euro aus eigener Tasche in das Projekt gesteckt hatten.“

Statt dem großen Durchstarten hieß es nun warten. Lange warten. Denn die längste Durststrecke ohne Liveauftritte ist für Österreichs Musiker nach wie vor nicht zu Ende.

Nichtsdestotrotz arbeiteten Breiteneder und Überlacker an ihrem Projekt mit voller Energie weiter. „Nun müssen wir eben über die Online-Musikdienste und den Direktverkauf via Homepage unsere Kosten hereinspielen“, rechnet Breiteneder vor, dass das für Neulinge am Markt alles andere als leicht ist. „Für 1.000 Streams bekommen wir lediglich zwei Euro. Da würde es uns umso mehr freuen, wenn sich der eine oder andere via Website eine echte CD kaufen würde!“

Enorm leid ist den ambitionierten Musikern natürlich um die Auftritte, die in den vergangenen 12 Monaten abgesagt werden mussten oder für heuer an einem seidenen Faden hängen. Ein Highlight wäre sicher das Fläschbänker-Fest gewesen - mit rund 7.000 bis 8.000 Besuchern.

Umso mehr freuen sie sich und hoffen sie auf Gastspiele bei diversen Bezirksmusikfesten, beim Burning Brass Festival in St. Gallen und weiteren großen Festivals in der Schweiz oder anderen Terminen, die sie endlich wieder auf die geliebte Bühne zurück bringen!

Bis es soweit ist, gibt es aber die CD „Die erste Runde“ als Vorgeschmack. Wobei der Titel bewusst mehrere Bedeutungen hat: Er steht für das Premierenwerk, die erste runde Scheibe und die erste von mehreren Produktionen. Material hätten sie dank Corona schon jetzt mehr als genug. Man darf also gespannt bleiben!