Großes Interview mit Absolventinnen & Absolventen. Sylvia Lessiak, Gerald Michelak, Julia Wagner und Julia König haben eine der Wirtschaftsschulen in Amstetten besucht. Im Interview sprechen sie unter anderem über Kompetenzen, die sie hier erworben haben und welche positiven Auswirkungen die Schule für die berufliche Laufbahn hatte.

Erstellt am 04. Februar 2021 (07:50)

Welche schulische und berufliche Laufbahn haben Sie eingeschlagen?

Sylvia Lessiak: Nach der 3-jährigen Fachschule in Amstetten habe ich die Lehre zur Einzelhandelskauffrau gemacht, davon wurden mir zwei Jahre der Lehrzeit angerechnet. Nach der Lehrabschlussprüfung bin ich in den elterlichen Betrieb eingestiegen und habe zuerst 12 Jahre das Ersatzteillager geleitet, anschließend bin ich ins Büro gewechselt und habe dort step by step alle Bereiche erlernt. 2010 habe ich den Betrieb von meinen Eltern übernommen, den ich jetzt mit meinen 12 Mitarbeitern in vierter Generation weiterführe. Ich bin stolz, mich als Frau ohne Matura in einer wahrhaften Männerdomäne behaupten zu können.

Julia Wagner: Nach meinem Abschluss an der dreijährigen Fachschule für wirtschaftliche Berufe der Franziskanerinnen Amstetten habe ich anschließend den Aufbaulehrgang für Wirtschaft besucht. Ich habe mich für den Aufbaulehrgang in Amstetten entschieden, weil ich mich bereits in der Fachschule sehr wohl gefühlt habe und das Ausbildungsniveau der (gesamten) Schule meines Erachtens sehr hoch ist. Besonders beeindruckt hat mich während meiner Schulzeit, dass die Schüler*innen stets im Mittelpunkt der Ausbildung standen. Der schulinterne Leitsatz „Zuerst fördern, dann fordern“ wurde – meiner Meinung nach – jedenfalls erfüllt.

Nach meiner Matura im Jahr 2014 habe ich mich für das Studium der Rechtswissenschaften an der JKU Linz inskribiert. Im Jahr 2019 habe ich mein Studium beendet und anschließend die Gerichtspraxis am Bezirksgericht und Landesgericht Linz absolviert. Im Anschluss daran begann ich meine Berufslaufbahn als Rechtsanwaltsanwärterin bei Haslinger / Nagele in Linz.

Gerald Michelak: Nach der Fachschule für wirtschaftliche Berufe in Weyer habe ich den Aufbaulehrgang Wirtschaft in Amstetten besucht und in späterer Folge das Bachelorstudium für Gesundheits- und Krankenpflege an der FH Campus Wien absolviert. Ab Herbst 2021 werde ich eine Weiterbildung in der Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung beginnen.

Julia König: Nach der Mittelschule habe ich mich für die dreijährige Fachschule für Wirtschaft entschieden, um mein Spektrum in Wirtschaft, IT und sozialen Kompetenzen zu erweitern.

Da ich mich dazu entschlossen hatte, die Matura abzulegen und ich mich an der Fachschule nicht nur sehr wohlfühlte, sondern auch eine gute Ausbildung erworben habe, absolvierte ich den weiterführenden Aufbaulehrgang für wirtschaftliche Berufe.

Die sechsjährige Schullaufbahn bei den Franziskanerinnen bereitete mich optimal auf mein Bachelorstudium „Produktmarketing und Projektmanagement“ und das anschließende Master-Studium in „E-Commerce“ vor. Währenddessen sammelte ich Berufserfahrung in Marketing & Eventmanagement. Seit 1,5 Jahren bin ich an einer Fachhochschule als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig.

Welche Auswirkungen hatte der Besuch des Aufbaulehrganges der Franziskanerinnen Amstetten auf Ihre weitere Ausbildung und Ihr Berufsleben?

Gerald Michelak: Neben der fachspezifischen Ausbildung, der Matura und der damit einhergehenden Berechtigung für ein Studium an einer Universität/Fachhochschule wurden für mich persönlich im Aufbaulehrgang sehr grundlegende Werte vermittelt, welche für meinen späteren Ausbildungs- und Lebensweg entscheidend waren.

Besonders fasziniert war ich im Schulalltag vom Italienischunterricht bzw. infolgedessen von der italienischen Sprache und Kultur. Das hat dazu geführt, dass ich nach der Matura für einige Monate mit meinem Rucksack („work and travel“) quer durch ganz Italien gereist bin, verschiedenste Arbeiten erledigt habe und dabei noch meine sprachlichen Kompetenzen festigen und erweitern konnte.

Julia Wagner: Der wirtschaftliche Schwerpunkt der Schule hat unter anderem dazu beigetragen, dass ich in einer Wirtschaftskanzlei tätig sein wollte.

Welche Kompetenzen haben Sie an dieser Schule erworben, die auch im Privatleben von Bedeutung sind?

Sylvia Lessiak: Ich koche irrsinnig gerne und, was meine Gäste oftmals bestätigt haben, auch ziemlich gut. Der Grundstein dafür wurde in der Schule in Amstetten gelegt. Der Unterricht in der Betriebsküche bei Sr. Christiane war mein Lieblingsgegenstand.

Julia König: Vor allem habe ich wertvolle Soft Skills, wie beispielsweise meine Zielstrebigkeit und Selbstsicherheit auf meinem privaten und beruflichen Lebensweg mitgenommen. Sowohl in der dreijährigen Fachschule, als auch im Aufbaulehrgang, wurden uns die Werte „miteinander und füreinander lernen“ und „sich gegenseitig unterstützen“ vermittelt.

Gerald Michelak: Die Erfahrungen des Zusammenhalts bzw. der Zusammenarbeit damals in der Klasse konnte ich auch in meinen Arbeitsalltag, aber auch in mein Familienleben mitnehmen. Auch das Erlernen der Eigenständigkeit hat mir sowohl im Studium bei der selbstständigen Erarbeitung von Lerninhalten, aber auch im Privatleben, bei der Organisation von Arbeit, Wohnung, Hobbies, etc. geholfen. Außerdem wurde durch das breite Spektrum an Unterrichtsfächern mein Interesse beispielsweise am alltagspolitischen Geschehen gestärkt und mein Blick über den Tellerrand hinaus erweitert.

Julia Wagner: Vor allem soziale Kompetenzen konnte ich aus meiner Schulzeit mitnehmen. Es wurde stets das „Miteinander“ gefördert und vorgelebt. Diese erlangte Kompetenz ist sowohl im Privatleben, als auch im Berufsleben von Vorteil. Weiters empfinde ich die praktische Ausbildung, insbesondere jene in der Fachschule, auch heute noch als eine Bereicherung.

An welche Ereignisse oder Erinnerungen aus Ihrer Schulzeit denken Sie gerne zurück?

Sylvia Lessiak: An die Zeit im Internat bei Schwester Franziska erinnere ich mich sehr gerne zurück. Immer in Erinnerung bleiben wird mir auch, dass wir in Hauswirtschaft das richtige Auswringen eines Aufwischtuches mit den Worten „Wenn ihr in einem Betrieb arbeitet und aufwischen müsst, werden die Chefs sehen, dass ihr das einmal gelernt habt“ gelernt haben.

Ich denke sehr oft und gerne an meine Schulzeit in Amstetten zurück und bin dankbar für die positive Prägung durch Mitschülerinnen, Lehrer*innen und durch unsere damalige Direktorin Sr. Berta.

Gerald Michelak: An die damals entstandenen Freundschaften, die bis heute noch bestehen. An den Maturaball und die Matura, auf die man schlussendlich jahrelang hingearbeitet hat.

Julia Wagner: Besonders gerne erinnere ich mich an die freundliche und hilfsbereite Art der Lehrer*innen zurück. Aber auch die Abschlussprüfung in „Kochen“, in der ich meine Suppe vollkommen „verpfeffert“ habe, wird mir immer in Erinnerung bleiben.

Julia König: Ich denke sehr gerne an die gemeinsame Zeit mit den Schulkamerad*innen und Lehrer*innen zurück. Vor allem sind mir die Stunden in der Übungsfirma in Erinnerung geblieben, in der wir unser theoretisches Wissen in der Praxis angewandt haben.