Hinein ins kalte Nass!. Birgit Kogler-Jandl (42) aus Ardagger ist leidenschaftliche Eisschwimmerin. Für die dreifache Mutter gibt es viele gute Gründe, warum sie mindestens einmal pro Woche mit Freude ins kalte Wasser steigt. Von Hans Schoder

Erstellt am 02. Februar 2021 (12:03)

Während Tochter Mimi am Ufer in der Daunenjacke friert, geht ihre Mutter Birgit Kogler-Jandl (42) eine kurze Runde schwimmen. Mitten im Winter, bei Temperaturen knapp unter null Grad, im teilweise zugefrorenen Altarm der Donau bei Ardagger.

Einmal pro Woche gönnt sich die dreifache Mutter dieses kurze „Vergnügen“, zu dem sie vor erst drei Jahren durch Zufall gefunden hat. „Es ist ein herrliches Gefühl, wenn sich der Körper danach durch Eigenbewegung warm zittert“, erzählt sie im Hallo! Mostviertel-Gespräch.

Die Intitalzündung lieferte ein Podcast des niederländischen Extremsportlers Wim Hof, auch bekannt als „The Iceman“. Der steigt in Shorts auf den Mount Everest, läuft nördlich des Polarkreises Marathons – und steht auch einmal locker knapp zwei Stunden lang bis zum Hals im Eiswasser – alles gestützt auf der von ihm selbst entwickelten Wim-Hof-Methode.

Mindset, Atmen und Kälte 

„Die Praktik basiert auf einem starken Mindset, einer speziellen Atemtechnik und dem regelmäßigen Baden in kaltem Wasser“, weiß Kogler Jandl. Kaltwasserschwimmen hilft demnach, das eigene Nervensystem zu steuern, das Immunsystem anzukurbeln, mehr mentale Stärke zu erlangen und sich körperlich wohler zu fühlen.

Es muss aber nicht immer gleich ein Eisbad sein, wie die Büroleiterin eines Amstettener IT-Unternehmens berichtet: „Ich dusche heute nur mehr kalt. Das ist ebenso effektiv. Das ist extrem belebend, bringt mich am Morgen in Schwung und lässt mich in der Nacht besser schlafen“, so Kogler-Jandl. Einzig fürs Haarewaschen dreht sie das Thermostat von Anschlag-kalt auf warm!

Das erste „coole Bad“ nahm sie vor zwei Jahren beim Dreikönigsschwimmen in der Ybbs. So richtig in die Tiefe ging es vergangenen Sommer im Zuge eines Workshops bei Sonja Flandorfer, der „coolsten Frau Österreichs“ – inklusive einem Bad im Eiswürfelbecken.

„Dort wurde mir noch mehr bewusst, wie das alles funktioniert“, schwärmt die sportliche Mostviertlerin vor allem über die Atemtechnik in höchsten Tönen. „Es ist unglaublich, was ,nur atmen‘ alles bewirken kann. Dreißig- bis vierzigmal tief und ohne Pause ein- und ausatmen. Anschließend die Luft eine oder zwei Minuten lang anhalten. Zu Beginn zwei Runden lang, danach auch öfter“, erklärt sie. Und: „Die Atemübungen lassen sich zum Beispiel auch super mit ein paar Yogaübungen kombinieren.“

Heute ist Birgit Kogler -Jandl so weit, dass sie mit ihrer Atemtechnik auch aufkeimende Verkühlungen oder Erkrankungen abwehren kann. „Das macht den Körper sehr entspannt und stärkt ihn gleichzeitig!“

Die Haut färbt sich rot 

Zurück zum Winter- oder Eisschwimmen – wobei begrifflich nur die Kälte den Unterschied macht: Ab Wassertemperaturen unter 5 Grad wird das Winterbad nämlich zum Eisbad.

Alleine geht Birgit Kogler-Jandl nie ins kalte Wasser. Das schuldet sie ihrem Verantwortungsbewusstsein. Genauso wie das Mitführen einer Boje, an der sich auch ein Thermometer befindet. „Eisschwimmen ist zwar grundsätzlich nicht gefährlich, aber selbst wenn man geübt ist, gilt es vorsichtig zu sein“, empfiehlt sie.

Das wurde ihr erst kürzlich wieder einmal bewusst, als sie nach ca. sieben Minuten im eiskalten Wasser des Donau-Altarms schon leicht damit zu kämpfen hatte, wieder aus dem Wasser zu kommen. „Der Körper kühlt die Extremitäten zum Selbstschutz zuerst ab. Da wird jede Bewegung mit der Zeit schon zur Herausforderung! Das merkt man ganz besonders erst, wenn man sich wieder anzieht“, lächelt Kogler-Jandl beim Gedanken daran, wie das „Zeitlupenbild“ für Zuschauer aussehen könnte.

Für das weitere Aufwärmen hat sie sich ein paar Rezepte zurechtgelegt. Das kann ein lockerer Spaziergang sein, eine ganz entspannte Laufrunde, ein paar Einheiten auf dem Ergometer oder auch eine kalte Dusche.

„Wichtig ist es, den Körper in dieser Situation nicht zu überfordern“, mahnt sie. „Für den Organismus ist es eine Höchstleistung, die er aber mit einem, deutlich gesteigerten Wohlbefinden, einem besseren Immunsystem und mehr Leistungsfähigkeit dankt!“

Detail am Rande: Trotz aller „Coolness“ liebt Birgit Kogler-Jandl auch die Sonne und die Wärme. „Licht und Vitamin D sind für einen gesunden Organismus unentbehrlich“, so die „Eislady“. Dafür muss in den Wintermonaten dann auch schon einmal das altehrwürdige Solarium herhalten!