19-Jähriger: „Ich wehre mich immer!“. Alle Hände voll zu tun hatten Polizisten mit einem 19-Jährigen. „Er hat uns den Mittelfinger gezeigt und wollte in den Oberschenkel beißen“, erzählt ein Exekutivbeamter.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 08. September 2014 (15:04)
NOEN, Erwin Wodicka (Erwin Wodicka)
„Frau Staatsanwältin, ich nehme das heute persönlich. Es ist eine Frechheit, dass ich angeklagt wurde. Eigentlich bin ich das Opfer“, entrüstet sich ein 19-Jähriger im Prozess am Landesgericht St. Pölten. Vier Strafanträge gegen ihn liegen vor.

Auf Herzogenburger Polizeistation ausgerastet

Versuchter Widerstand gegen die Staatsgewalt, Sachbeschädigung und unerlaubter Umgang mit Suchtmitteln werden dem Herzogenburger mit Migrationshintergrund vorgeworfen. Ob er Vorstrafen hat? „Ziemlich viele“, sagt er und erklärt testosterontriefend in Gangsta-Rapper-Manier: „Ich bin ein Schwarzkopf, ich war gewalttätig!“

Heuer im März rastete der 19-Jährige auf der Polizeistation in Herzogenburg aus. Seine Version: „Sie wollten mich am Samstag um sechs Uhr in der Früh mitnehmen, ich habe davor zwei Tage nicht geschlafen und fünf große Bier, acht Tequila, eine halbe Flasche Wodka und einige Mixgetränke getrunken.“ Ob er da noch bei Sinnen war? „Wenn ich das trinke, bin ich es nicht“, so der Richter.

„Wenn Sie dazu Speed ziehen, dann schon“, kontert der Angeklagte und berichtet weiter: „Ich habe dann alles versucht, damit sie mich nicht mitnehmen. Ich habe gelacht, geweint, provoziert, dann wurde ich misshandelt. Ich wurde noch nie in meinem Leben so schikaniert. Ich habe ein extremes Hassgefühl entwickelt und gehofft, so verletzt zu werden, dass die Polizisten angezeigt werden.“ Ob er sich gewehrt hat? „Ich wehre mich immer. Es kommt eine Phase, da denke ich nicht mehr und merke nicht, was ich mache.“

„Wir mussten ihm Fußfesseln anlegen“

Von Eskalation erzählt ein Exekutivbeamter: „Ein Vorführbefehl der Bezirkshauptmannschaft St. Pölten lag vor. Deshalb haben wir ihn angehalten, und dann ist es ist heftig geworden. Er hat sich das Leiberl vom Körper gerissen, uns den Mittelfinger gezeigt. Kampfbereit war er, hat um sich geschlagen und es hat so ausgesehen, als ob er einen Kollegen in den Unterschenkel beißen wollte. Er hat versucht, mit den Handschellen A.C.A.B., die Abkürzung für ,All cops are bastards‘, in die Wand zu ritzen und gegen Wände getreten. Wir mussten ihm Fußfesseln anlegen, damit er sich nicht selbst verletzt. Weil er über Beschwerden geklagt hat, haben wir einen Arzt beigezogen, der konnte aber nichts feststellen.“

Ob der 19-Jährige in Ybbs in einer Diskothek einen Joint geraucht hat und mit Ecstasy in Krems geschnappt wurde? „Wird schon stimmen“, sagt er dazu. Den Verkauf von Cannabis in St. Pölten hingegen leugnet er vehement.

22 Monate bedingt verhängte Strafen sind noch offen

Laut Bericht der Jugendwohlfahrt mangle es dem Angeklagten an „sozialem Einfühlungsvermögen“. Belastend wäre die familiäre Situation, mit 14 Jahren wäre er bereits im Krisenzentrum untergebracht gewesen und versuche vergeblich, sich der kontrollierenden Strenge des Vaters zu entziehen.

Gesiebte Luft setzte es bereits, demnächst muss der 19-Jährige die Strafe antreten. 22 Monate bedingt verhängte Strafen sind noch offen und könnten widerrufen werden. Davon bittet der Angeklagte Abstand zu nehmen und schwört mit der Hand auf dem Koran, sich zu bessern.

Zeugen sollen noch befragt werden, Prozess vertagt.