Mit Feuerwehr-Bus durch ganz Europa. Renate und Wolfgang Herzog möchten auf ihrer Reise ergründen, wie man unabhängig, frei und naturverbunden leben kann.

Von Hans Kopitz. Erstellt am 13. Juni 2015 (05:06)
Von Herzogenburg aus in die weite Welt wollen Wolfgang und Renate Herzog mit ihrem umgebauten Feuerwehrauto.
NOEN, Hans Kopitz

Sie lassen sich nicht schubladisieren - und das wollen sie auch nicht: Wolfgang und Renate Herzog, die seit rund drei Jahren wieder in der „Stadt mit Lebensqualität“ wohnen“. Im „zarten“ Alter von 40 Jahren wurden sie junge Großeltern und haben sich nach ihrem Berufsausstieg - er war nach seiner Matura jahrelang im Business tätig, darunter auch im IT, sie als Einzelhandelskauffrau - eine neue Lebensphilosophie aufgebaut: Sie möchten die herkömmlichen Denkweisen hinterfragen, Bildung und Arbeit neu definieren und neue Lebens- und Wirtschaftsformen entwickeln - und natürlich auch ausprobieren.

Renate Herzog: „Wir gehen dazu erst noch auf eine Reise und werden selbst erleben, wie man einfach, selbstbestimmt, unabhängig und frei, möglichst naturverbunden und glücklich leben kann.“

„Wohnmobil“ stand in Murstetten im Einsatz

Für so eine Reise braucht man natürlich auch ein geeignetes Fahrzeug. Über das Internet kamen sie zu einem 40 Jahre alten Ford-Transit, der früher Feuerwehrfahrzeug in Murstetten war. Er musste dort nur wenige Kilometer laufen und hatte somit einen kleinen Kilometerstand. Von der damaligen Ausrüstung waren nur mehr das Folgetonhorn und der Suchscheinwerfer vorhanden. Der Innenraum war leer und der Dachhimmel runtergerissen. Löcher rundum in der Karosserie und am Dach von diversen Aufbauten.

„Aber wir mochten den Wagen von Anfang an und mit Unterstützung von Freunden, unserem Sohn und den Mitgliedern vom Transit-Stammtisch wurde der Bus restauriert. Der Umbau zum Wohnmobil dauerte zwar lange, denn die Einbauten müssen mit dem Wagen fest verbunden sein, sonst keine Abnahme in Österreich“, erzählt Wolfgang, der bereits seinen 50. Geburtstag gefeiert hat.

Tausche Arbeit gegen Unterkunft

Er hat sich mit seiner Frau dem „upcycling“ verschrieben: „Neues schaffen statt wegwerfen, das ist ein besonderes Anliegen von uns, welches wir seit vielen Jahren konsequent umsetzen. Es begann mit dem Ablaugen und Aufbereiten von alten Möbeln, dem Restaurieren von unseren Autos, Verwertung der Reste von Baumaterialien bis zur Wiederverwendung der leeren Spraydosen oder alter Fahrradschläuche. Fast kein Material oder Gegenstand kann nicht genutzt werden.“

Ja, und Ende des Monats soll es losgehen. Rund ein Jahr wollen Renate und Wolfgang Herzog tausende Kilometer in ganz Europa unterwegs sein und sich mit „workaway“ - tausche Arbeit gegen Unterkunft und Verpflegung - über Wasser halten. Außerdem arbeiten sie mit Riesenseifenblasen bei Veranstaltungen, sind versiert in Airbrushing.

Beide sind sehr zuversichtlich, dass sie auf dieser Reise zu sich selbst finden und vor allem zu Menschen, die bereits Ähnliches umgesetzt haben oder dies gerade tun.