Alkolenker erhielt Portion Extra-Haft. Prozess / Filmreife Verfolgungsjagd lieferte 45-Jähriger, zwei Polizisten wurden verletzt. Er sitzt schon im Gefängnis: Fünf Monate kamen dazu.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 21. Januar 2014 (23:59)
NOEN, Archiv/Franz Higer
Endstation der wilden Verfolgungsjagd war in Großrust: „Wie aus dem Nichts ist der rote Audi plötzlich vor uns aufgetaucht“, schilderte ein Polizist beim Prozess am Landesgericht St. Pölten noch einmal den dramatischen Vorfall.
Von Claudia Stöcklöcker

BEZIRK ST. PÖLTEN / „Ich hätt’ gleich stehen bleiben sollen, dann hätt’ ich mir diesen Schlamassel erspart!“, sagt ein 45-Jähriger im Prozess am Landesgericht St. Pölten. Weil er mit dem Auto zu schnell unterwegs war, geriet der Kremser ins Visier von Ordnungshütern, weil er alkoholisiert und führerscheinlos war, stieg er aufs Gas und kollidierte mit einem Streifenwagen.

Stoppen wollte eine Zivilstreife den 45-Jährigen im Juli des Vorjahres auf der B 1 in Prinzersdorf. Über Pfaffing, Sasendorf, Neidling, Karlstetten, Winzing und Heiningstetten raste er dann nach Großrust, Exekutivbeamte mit Blaulicht und Folgetonhorn ihm nach. Sechs Streifen der Polizeiinspektionen Prinzersdorf, Statzendorf und Herzogenburg sowie des Stadtpolizeikommandos St. Pölten rief er auf den Plan, bevor er in Großrust frontal in den Wagen von St. Pöltner Exekutivbeamten krachte.

Amokfahrer "bedauert" Unfall

Von einer wilden Aktion erzählt einer der beiden Verletzten. „Wie aus dem Nichts ist der rote Audi plötzlich vor uns aufgetaucht, ich bin auf die Bremse, stehen geblieben. Schnurstracks ist er auf uns zu, und schon hat’s gescheppert. Mit gezogener Waffe habe ich mich dann seinem Auto genähert“, so ein Polizist. Er und sein Kollege hatten Glück, mit Prellungen und einer Zerrung kamen sie davon.

NOEN, Archiv/Franz Higer
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Der Amokfahrer bedauert vor Richterin Doris Wais-Pfeffer und meint: „Ich wollte mich einer Anhaltung entziehen, aber in Großrust war die Straße sehr eng und da war eine Kurve. Beim Streifenwagen wollt’ ich vorbeifahren, hab’ aber keine Chance gehabt und meine Bremsen waren überhitzt!“

Ein unbeschriebenes Blatt für Gerichte ist der 45-Jährige nicht, eine Haftstrafe verbüßt er gerade. Die Richterin verlängert nun um fünf Monate wegen fahrlässiger Körperverletzung unter besonders gefährlichen Umständen. 5.750 Euro muss er an die Verletzten berappen. „Der Angeklagte hat Sorgfalt außer Acht gelassen und massiv gefährlich gehandelt“, meint Wais-Pfeffer. Nicht rechtskräftig.