176 Gräber in Traismauer entdeckt

Die archäologischen Arbeiten in Traismauer sind beinahe abgeschlossen und haben einige interessante Funde gebracht.

Günther Schwab Erstellt am 13. Oktober 2021 | 05:15
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Die durchgeführten Ausgrabungen am Areal eines ehemaligen römischen Gräberfeldes in Stollhofen erbrachten neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur kaiserzeitlichen und spätantiken Bestattungskultur: Stadtrat Rudolf Hofmann, Grablungsleiterin Michaela Binder und Stadtrat Christoph Grünstäudl (von links).
Foto: Günther Schwab

In den vergangenen zwölf Monaten sind in Traismauer, am Areal der geplanten Samariterbund-Landeszentrale und eines weiteren GEBÖS-Wohnbaues, sogenannten Rettungsgrabungen durchgeführt worden, die zum Teil sensationelle Fund zutage brachten.

Beide Teilflächen (gesamt über 10.000 Quadratmeter) stehen unter Denkmalschutz. Daher sind archäologische Grabungen unmittelbar vor Baubeginn zwingend erforderlich.

Bestattungen aus dem 1. bis 3. Jahrhundert

„Die zu bebauende Fläche ist ein Teil des bereits bekannten römischen Gräberfeldes entlang der Limesstraße am östlichen Rand des Kastells Augustianis/Traismauer. Bei den archäologischen Ausgrabungen konnten insgesamt 176 Gräber, darunter Brand- und Urnenbestattungen, einfache Körperbestattungen sowie mehrere Ziegelplattengräber dokumentiert werden“, berichtete Grabungsleiterin Michaela Binder.

Wie allgemein in römischer Zeit üblich waren diese zu beiden Seiten einer Ausfallstraße angeordnet, wobei im vorliegenden Fall nur die südliche Straßenseite erforscht werden konnte. Die Urnen- und Brandbestattungen stammen aus dem 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. und weisen für die Region und Zeitstellung typisches Beigabenspektrum wie Münzen, Trachtbestandteile, Lampen und Keramik auf.

Größte Gräberstraße am NÖ Donaulimes

Die Grabungsarbeiten wurden einerseits von der Stadtgemeinde Traismauer als auch vom ASBÖ Landesverband in Auftrag gegeben. Von besonderer Qualität und besonderem Interesse sind zwölf rechteckige, aus Stein errichtete Grabbauten mit Umfassungsmauern aus dem 1. bis 2. Jahrhundert. Innerhalb der Umfassungsmauern befanden sich mehrere Brand- und Urnenbestattungen mit für den Rest des Gräberfeldes eher außergewöhnlichen Funden.

Bei einem Vortrag am Mittwoch, 13. Oktober, ab 18 Uhr mit dem Titel „7.200 Quadratmeter Archäologie – Das römische Gräberfeld von Stollhofen“ im Schloss Traismauer wird ein Teil der Funde präsentiert werden. „Es war spannend mit anzusehen, wie bei den Grabungsarbeiten vorgegangen wurde und auch die gemachten Funde sprechen für sich“, sagt Stadtrat Rudolf Hofmann.

Die archäologischen Grabungen sind weitgehend abgeschlossen und es ist in den nächsten Wochen mit einer Baufreigabe zu rechnen. Insgesamt stellt die untersuchte Fläche den größten zusammenhängenden Bereich einer Gräberstraße entlang des NÖ Donaulimes dar.