Aus 18. Stock in Tod gestürzt. DRAMA / Der Chef des ehemaligen Tanztempels „Fabrik“, Harald Schmidberger, wurde in Thailand nackt und tot vor einem Hotel gefunden. Polizei geht von Selbstmord aus.

Erstellt am 14. Februar 2012 (00:00)
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VON THOMAS WERTH, ALEX ERBER

WÖLBLING, ST. PÖLTEN, PATTAYA / „Ich dachte mir, das gibt‘s nicht, als ich davon im Afrika-Urlaub gehört habe“, ist Dietmar Haslinger von Harald Schmidbergers (60) Tod schockiert. Rund zwei Jahre lang arbeitete Haslinger als Kellner unter „Fabrik“-Gründer Schmidberger in Radlberg. Anfang der Vorwoche wurde Schmidberger in Thailand tot und unbekleidet vor einem Hotel aufgefunden.

Gerüchteküche  hat gebrodelt

Der gebürtige Unterwölblinger ist aus dem 18. Stock gestürzt, die lokale Polizei vermutet Selbstmord. Schmidberger soll an Lungenkrebs gelitten haben, zudem soll er mit dem Wiener „Nachtwerk“, einer Diskothek der Superlative, erhebliche Schulden erwirtschaftet haben. Und die Gerüchteküche brodelte um den einstigen Lebemann. In die eigene Tasche soll er gewirtschaftet haben, Kontakte mit der Russenmafia wurden ihm nachgesagt - verbunden mit massiven Geldverlusten.

Von Kenia nach  Thailand

1997 setzte sich Schmidberger nach Kenia ab, bis 2008 ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen ihn. „Ich habe gehört, dass er gerne wieder nach Österreich gekommen wäre, ihm das aber nicht mehr möglich war“, so Haslinger. Im Vorjahr zog Schmidberger schließlich nach Thailand.

Vielen seiner ehemaligen Wegbegleiter bleibt Schmidberger trotzdem in guter Erinnerung. Haslinger: „Er war ein guter Chef. Und er hat Sachen verwirklicht, die ihm keiner zugetraut hatte.“ So auch seinen Traum vom Londoner Hippodrome in St. Pölten - der „Fabrik“. „Er war ein Sunnyboy, der schnelle Autos, Champagner und schöne Mädchen geliebt hat“, so Haslinger.

Schmidberger, der in Statzendorf mit einer Mechanikerlehre ins Berufsleben eingestiegen und danach kurz bei BMW tätig war, war es zu verdanken, dass alles, was Rang und Namen hatte, in St. Pölten zu Gast war. Falco, Wolfgang Ambros oder Rainhard Fendrich zählten zu den Stammgästen, auch Modern Talking gaben ein Konzert: Dieter Bohlen und Thomas Anders „spielten“ dort mit Gitarren ohne Saiten.

Nach Klassentreffen  in die „Fabrik“

„Ich war schockiert, als ich von seinem Tod gehört habe“, ist auch Wölblings Bürgermeister Gottfried Krammel betroffen. Der Ortschef besuchte gemeinsam mit Schmidberger die Volks- und Hauptschule. Nach dem 20-jährigen Klassentreffen im Jahr 1986 hatte Schmidberger seine ehemaligen Kollegen zu einem Abstecher eingeladen - natürlich in die „Fabrik“: „Ich werde ihn immer in guter Erinnerung behalten“, so Krammel über den Schulfreund.