„Weiße Feder“ wurde in Herzogenburg vergeben. Preise gingen an die „Brücke“, „Hospiz macht Schule“ und Kinderärztin Michaela Fried.

Von Hans Kopitz. Erstellt am 17. September 2020 (03:22)
Nach der Verleihung der „Weißen Feder von Herzogenburg“: Herzogenburgs Bürgermeister Christoph Artner, Propst Petrus Stockinger, Claudia Atzmüller und Elke Kohl von „Hospiz macht Schule“ mit Andreas Kickinger, dem Sprecher des Nökiss-Leitungsteams, Michaela Fried mit Gatten Michael Fried, die Vertreter von „Die Brücke“, Ulrike Lethner, Thomas Zuser, Elisabeth Hönninger und Thomas Weber (hinten, von links) sowie die Jungscharkinder Gabriel Küttner (hinten, rechts) Sophie König, Rosa Dorner, Johanna Hanus, Helene Bauer, Marie Dorner, Simon Hanus und Rosa Völkl (vorne, von links).
Hans Kopitz

 Einer der Höhepunkte bei den NÖ Kindersommerspielen ist die Verleihung der „Weißen Feder von Herzogenburg“. Es ist eine Auszeichnung für Menschen oder Institutionen, die etwas Besonderes für Kinder leisten.

Schon seit mehr als 40 Jahren ermittelt bereits im Juni eine Jury, die hauptsächlich aus Kindern besteht, die drei Preisträger, die die „Weiße Feder“ bekommen werden. Die Liste derer, die bis jetzt den Preis erhalten haben, ist lang und bunt – sie reicht vom lokalen Jungscharleiter bis zur international tätigen Hilfsorganisation und vom Kinderbuchautor über Ärzte bis zum Helfer von Flüchtlingsfamilien.

„Gerade in Krisenzeiten ist es wichtig, dass sich Menschen für die speziellen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen einsetzen, Kinderrechten zur Durchsetzung verhelfen und immer wieder zeigen, dass es auch anders, besser geht“, betont Andreas Kickinger, der Sprecher des Leitungsteams der NÖ Kindersommerspiele. Genau solche Menschen bekamen auch heuer wieder die Auszeichnung, die es seit dem vergangenen Jahr in den drei Kategorien „regional, national und international“ gibt.

„Regional“ wurde heuer „Die Brücke“ in St. Pölten ausgezeichnet. Das Zentrum für Krisenintervention und Klärung bietet für Kinder im Alter von sechs bis 15 Jahren – vorrangig aus dem Mostviertel und dem Zentralraum – auf acht stationären Betreuungsplätzen Schutz und leistet rund um die Uhr sozialpädagogische Betreuung durch ein professionelles Team. Der zeitlich befristete, stationäre Aufenthalt in der „Brücke“ wendet eine akute Gefährdung des Kindeswohls, besonders durch eskalierende Konflikte, Gewalt oder Notsituationen ab.

„National“ darf sich „Hospiz macht Schule“ über die Auszeichnung freuen. Mit diesem Projekt soll unter anderem erreicht werden, dass jungen Menschen bewusst wird, dass Sterbe-, Abschieds- und Trauerprozesse immer wiederkehrende Lebensprozesse sind, dass junge Menschen ermutigt werden, offen mit Tod, Abschied und Trauer umzugehen und sie sensibilisiert werden, für die individuellen Bedürfnisse leidender, sterbender und trauernder Menschen. Das Konzept orientiert sich an den Schülern und wird individuell auf ihr Alter und ihre Bedürfnisse abgestimmt.

Gaza: Ende der Gewaltspirale

„International“ bekam heuer eine Kinderpsychiaterin und Kinderärztin aus Seitenstetten, Michaela Fried, die Auszeichnung. Seit nunmehr 15 Jahren sie ist einige Male im Jahr im Einsatz in Gaza, um die Gewalt au traumatisierten Familien zu bringen. Hoffnungslosigkeit, gepaart mit Hunger und Arbeitslosigkeit, lässt die Menschen in Gaza gewalttätig werden: Der Mann schlägt seine Ehefrau aus Frust, weil er seine Familie nicht mehr ernähren kann, die Frau wiederum lässt ihren Ärger am Kind aus und das schlägt andere Kinder in der Schule. Michaela Fried kommt immer wieder nach Gaza und bildet Trainerinnen und Trainer nach dem Konzept der „Neuen Autorität“ aus. Gemeinsam mit Dolmetschern arbeiten sie mit betroffenen Familien daran, wie sie aus dieser Gewaltspirale aussteigen und wieder selbstkontrolliert handeln können.