Region Herzogenburg: Preise steigen um 40 Prozent. Gründe für Baustoffmangel: Nachfrage in China und den USA ist groß. Manches ist aber auch „hausgemacht“.

Von Beate Steiner, Michael Fusko und Hans Kopitz. Erstellt am 28. April 2021 (04:00)
Eine große Lagerkapazität besitzt die Firma Burger-Holz in Rottersdorf, im Bild Franz Burger mit Junior-Chef Simon Burger. Aber auch hier hofft man natürlich, dass die Lieferengpässe nicht allzu lange anhalten.
Hans Kopitz, Hans Kopitz

„Ja, es stimmt: Es gibt Lieferengpässe bei Baumaterial. Bei Holz, Eisen und Dämmstoffe sind es mindestens zwischen acht und zehn Wochen, bei Eisen auf alle Fälle zehn Wochen. Und dazu gibt es auch eine grassierende Preiserhöhung – bis zu 40 Prozent“, bestätigt Günther Staudenmayer von der Baufirma und Baustoffhandlung Nadlinger in Herzogenburg. „Es ist momentan schwierig, vorauszuplanen, man kann zwar bestellen, aber es gibt keine Preisgarantie. Wo es momentan noch keinen Engpass gibt, ist die Zementindustrie. Man kann nur hoffen, dass hier nichts passiert, denn wenn das eintritt, dann steht alles – und das in der Hauptbauzeit Sommer, wo man die Bauarbeiter in die Arbeitslose schicken müsste“, so Staudenmayer.

„Es ist momentan schwierig, vorauszuplanen, man kann zwar bestellen, aber es gibt keine Preisgarantie"

„Bei Holz gibt es zurzeit dramatisch lange Wartezeiten. Der Markt ist geräumt und die Produktionen stocken wegen Corona. Gerade in China und in den USA ist die Nachfrage sehr groß, das spürt man natürlich bei uns und das zeigen auch die Preissteigerungen. Sehr vorausplanend bestellen wir jetzt schon das Material für unsere Baustellen für Ende Sommer und Herbst“, gibt sich Herbert Heigl vom Traditionsunternehmen Heigl-Bau in Herzogenburg besorgt.

„Wenn es einen Engpass in der Zementindustrie gibt, steht alles.“ Günther Staudenmayer, Baufirma Nadlinger, Herzogenburg

„Besonders bei Leimholz und Platten ist derzeit rund drei Monate Lieferzeit. Nur bei den Brennstoffen gibt es momentan keine Schwierigkeiten. Natürlich wirken sich die extrem langen Lieferzeiten auch auf das Geschäft aus. Aufgrund der großen Lagerkapazität sind wir aber gut bestückt, sodass es zumindest momentan nicht so dramatisch ist. Wie es weitergeht, werden wir sehen“, erklärt Franz Burger von Burger-Holz in Rottersdorf.

„Kleine Handwerker sind die Verlierer“

„Natürlich merken wir das in der Gemeinde auch, darum heißt es, besser heute als morgen bestellen, weil ja auch die Preise anziehen. Beim Kindergarten in St. Andrä ist ja schon alles voll im Laufen und wir hoffen natürlich, dass hier die Preise gehalten werden können“, so Herzogenburgs Bürgermeister Christoph Artner.

Die Baustoffknappheit und die damit verbundenen Preissteigerungen sind nicht nur Ergebnis der Pandemie, sie sind auch hausgemacht“, analysiert Matthias Marchart. Der Geschäftsführer von Wildburger Installationen sieht die Entwicklung in der Baubranche damit etwas anders als Innungsmeister Robert Jägersberger (siehe Seite 2): „Alle Handwerker, die es sich leisten konnten, haben gegengesteuert und Baustoffe noch zu günstigen Preisen geordert. Die großen und liquiden sind die Gewinner, die kleinen die Verlierer“, sagt Matthias Marchart.

Baumeister Harald Schrittwieser, Geschäftsführer bei Kickinger Bau in Böheimkirchen, pflichtet dem Installateur bei, dass die Probleme bei Materiallieferungen in den letzten Monaten zu einem großen Teil hausgemacht sind. „Unkontrollierte Einkäufe haben zu Engpässen geführt. Von einer Krise sind wir aber weit entfernt.“

Speziell bei Schaumstoffen, Dämmmaterial und Glasschaumgranulaten, aber auch bei Baueisen gäbe es Lücken, die nach den Hamsterkäufen nur schwer zu schließen sind. Das Rohmaterial sei zwar da, aber die Hersteller kämen mit der Produktion nicht nach. Absagen von Baustellen sind für die Firma Kickinger aber kein Thema. „Die Vorräte an Eisen und Schaumstoffen reichen bis mindestens Ende August. Wir haben von den Herstellern Lieferzusagen bis Ende des Jahres, womit jeder Auftrag von uns bearbeitet werden kann“, betont Schrittwieser.

Auch bei der Wohnungsgenossenschaft Alpenland sind akut keine Vorhaben gefährdet, bestätigt Alpenland-Obmann Norbert Steiner: „Sowohl im Neubaubereich als auch bei Umbauten und Sanierungen können wir unsere laufenden Projekte derzeit wie geplant umsetzen.“

„Lösungen, um die Teuerung abzufedern“

Indirekt ist die Wohnungsgenossenschaft aber sehr wohl von der Verknappung der Rohstoffe betroffen. „Die Baukosten sind zuletzt rasant gestiegen.“ Die aktuelle Situation treibe die Preise weiter in die Höhe. „Wir merken das vor allem bei den eingehenden Angeboten zu unseren Bauvorhaben“, so Steiner. Als gemeinnütziger Wohnbauträger sei Alpenland verpflichtet, leistbaren und qualitätsvollen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Deshalb werde derzeit intensiv an Lösungen gearbeitet, um die Teuerung für die Kunden und Kundinnen bestmöglich abzufedern. Die Lösungsansätze reichen von einem Tausch der Materialien bis zu einer zeitlichen Verschiebung einzelner Projekte. „Es lässt sich im Moment aber schwer einschätzen, wo und wann es dazu kommt. Das hängt von der weiteren Entwicklung des Marktes ab“, erklärt der Alpenland-Obmann.

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