"Eigentor" eines Anwalts sorgte für höhere Strafen. Einbrüche und Drogen: Advokat entdeckte Formalfehler, es gab eine neuerliche Verhandlung. Ergebnis: Zwei Angeklagte erhielten höhere Strafen als bei der ersten Auflage.

Von Alex Erber. Erstellt am 21. Januar 2020 (03:07)
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Knalleffekt rund um die Nordmazedonier-Bande, die auch das Gasthof Buchsbaum beim Bahnhof heimgesucht hat: Der Prozess wurde wiederholt, für zwei der drei Angeklagten setzte es höhere Strafen.

Der Reihe nach: Ende Juni mussten sich fünf Personen am Landesgericht St. Pölten verantworten. Ein Tschetschene wurde freigesprochen, ein Nordmazedonier kassierte 18 Monate Haft, davon ein Jahr auf Bewährung. Unter Anrechnung der Untersuchungshaft wurde er sofort entlassen.

Blieben drei Angeklagte übrig. Die Nordmazedonier hatten innerhalb kurzer Zeit neun Einbruchsdiebstähle verübt, wobei es teilweise beim Versuch blieb, weil sie auf frischer Tat ertappt wurden. Gleich zwei Mal heimgesucht worden ist beispielsweise das Gasthaus Buchsbaum in Oberndorf/Ebene. Beute: Zigaretten im Wert von über 4.000 Euro, Wechselgeld. In unmittelbarer Nähe stiegen die Täter in ein Einfamilienhaus ein, ihnen fiel Schmuck in die Hände. Pech hatten die Einbrecher in Wagram, dort hatte eine Frau im Haus etwas vergessen, kehrte zurück und ertappte zwei Männer in flagranti in der Küche.

Beim Jüngsten der Angeklagten kam noch schwunghafter Drogenhandel mit Kokain und Heroin dazu.

„Es war einer der längsten Schöffenprozesse, die jemals am Landesgericht St. Pölten über die Bühne gegangen sind“, schrieb die NÖN nach der Verhandlung, die mit mehrjährigen Haftstrafen für die Angeklagten endete.

Tür zu, Öffentlichkeit war ausgeschlossen

Die Länge des Prozesses, acht Stunden, brachte nun ein „Zurück an den Start“. Prinzipiell müssen Gerichtsverhandlungen öffentlich sein. Ein Anwalt eines Angeklagten hatte entdeckt, dass sich nach 15.30 Uhr die Pforten des Gerichts schließen. Man kann aus dem Gebäude, aber nicht in das Gebäude. Und deshalb, so erkannte der Advokat richtig, sei die Öffentlichkeit nach 15.30 Uhr praktisch ausgeschlossen worden: Teilnahme am Prozess unmöglich.

Ein Formalfehler, der die Angeklagten zurück auf die ungeliebte Bank brachte, der neuerlich eine Richterin, eine Dolmetscherin, eine Gerichtsschreiberin, zwei Schöffen, drei Pflichtverteidiger („Verfahrenshelfer“) und vier Justizwachebeamte beschäftigte.

Pech für zwei Angeklagte: Einer (23, gebürtiger St. Pöltner, Vater einer Tochter) hat mehr Drogen in Umlauf gebracht als zunächst angenommen. Und ein zweiter Mann (25) muss sich zusätzlich auch wegen der Fälschung besonders geschützter Urkunden verantworten, weil er versuchte, mit gefälschten bulgarischen Dokumenten zu Führerschein und E-Card zu gelangen.

Diese Fakten berücksichtigt die Richterin in ihrem Urteilsspruch, aufgrund der langen Verfahrensdauer werden dem Trio allerdings auch je zwei Monate quasi „gutgeschrieben“. Anders als im ersten Prozess fielen die Geständnisse nun vollinhaltlich und reuig aus, was die Richterin allerdings wenig beeindruckt: „Ich messe dem Ganzen wenig Bedeutung zu.“

Die nicht rechtskräftigen Urteile: Drei Jahre und zehn Monate Haft für den 23-Jährigen, zwei Jahre und vier Monate für den 25-Jährigen und zwei Jahre und zehn Monate für einen 31-Jährigen.