Dieb (24) bleibt in Freiheit. Mann langte mehrmals bei einem bäuerlichen Regionalladen und bei einer Feuerwehr zu. Richter lässt Milde walten. Der Vorbestrafte kassiert weitere bedingte Strafe: 15 Monate.

Von Alex Erber. Erstellt am 24. Juni 2020 (03:00)
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Was macht ein 24-Jähriger, der seinen Geburtstag mit einer Grillparty feiern möchte? Er kauft Grillgut sowie Getränke und lädt dann Verwandte, Bekannte, Freunde ein.

Es geht aber auch anders, vor allem, wenn man seit über einem Jahr arbeitslos ist und Konsumkredit-Schulden zwischen 15.000 und 20.000 Euro hat. Der Mann suchte im April des Vorjahres den bäuerlichen Selbstbedienungsladen in Pyhra auf, wobei offenbar ein Missverständnis vorlag, denn er bediente sich zwar selbst, zahlte aber nichts. Die Getränke wiederum stammten aus einem Feuerwehrhaus in der Region Wagram.

Der Landeshauptstädter, derzeit in Krems wohnhaft, muss sich nun am Landesgericht St. Pölten wegen gewerbsmäßigen Diebstahls verantworten. Gewerbsmäßig deshalb, weil er den bäuerlichen Regionalladen rund zehn Mal heimgesucht und auch bei den Silberhelmen mehrmals zugelangt hat, um etwa an Treibstoff zu gelangen. Knapp vier Monate war der einschlägig Vorbestrafte Mitglied bei einer FF in der Region Wagram.

Die Florianis wurden frühzeitig stutzig, ein Anruf beim Kommandanten einer Feuerwehr im Bezirk St. Pölten ließ keine Zweifel offen: Auch dort hatte der Angeklagte gestohlen wie ein Rabe. Wiedergutmachung hatte er zugesichert, die Wiedergutmachung unterblieb bis heute. Mit den Vorwürfen vom Kommandanten aus der Region Wagram konfrontiert, gestand der 24-Jährige die Taten und wurde umgehend ausgeschlossen.

Angeklagter ist der „letzte Mohikaner“

Auch beim Regionalladen gab es kein Leugnen: Eine Videokamera hielt einen Diebstahl penibel fest.

Als „letzter Mohikaner“, wie es Richter Markus Grünberger formulierte, saß der junge Mann jetzt auf der Anklagebank. Denn die Diebstähle in Pyhra hatte er nicht alleine verübt. Insgesamt fünf weiteren Personen, zwei Männern (18 und 21) sowie drei Frauen (32, 33 und 59 Jahre) ist bereits zu einem früheren Zeitpunkt der Prozess gemacht worden. Die Palette der Delikte war breit gefächert: nichtbezahlte Taxifahrten, Diebstahl von zwei Kellnerbrieftaschen, Körperverletzung, betrügerischer Datenmissbrauch, Einschlagen einer Tür einer Wohnhausanlage mit einem Feuerlöscher.

Zurück zum 24-Jährigen, der erst Ende September 2017 eine bedingte Haftstrafe im Ausmaß von 15 Monaten ausgefasst hat: Gegen ihn liegt laut eigenen Angaben seit mehr als einem Jahr keine Anzeige vor, überdies soll er einen Job in Aussicht haben, auch die Bewährungshelferin stellt ihm ein gutes Zeugnis aus.

„Daher lasse ich Gnade vor Recht walten, weil ich die scheinbar positive Tendenz nicht gefährden möchte“, erklärte der Richter. Er verurteilte den Angeklagten zu einer weiteren bedingten Haftstrafe im Ausmaß von 15 Monaten, die Bewährungszeit wurde auf fünf Jahre verlängert. Zusätzlich setzte es 960 Euro unbedingte Geldstrafe, die er in Raten abstottern darf. Dem Regionalladen-Betreiber muss der gelernte Elektriker 1.200 Euro ersetzen, das Prozedere machten sich Täter und Opfer unmittelbar im Anschluss an den Prozess aus.

Überdies erteilte der Richter die Weisung zur Absolvierung einer Psychotherapie. Die Betonung liegt auf Weisung, denn nachdem sich im vergangenen November eine psychische Instabilität eingestellt hat, befindet sich der Mann derzeit ohnehin in Behandlung.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig, weil der Staatsanwalt keine Erklärung abgab.