Wohin mit stillem Örtchen in Herzogenburg?. VP bevorzugt als Standort ehemalige Hager-Filiale im Nemschitz-Haus, die SP favorisiert den Rathausplatz.

Von Alex Erber. Erstellt am 06. Januar 2021 (04:23)
Das Modell aus Holz ist mittlerweile abgebaut worden, doch einige Tage lang konnte man Standort und Ausmaß der öffentlichen und barrierefrei zugänglichen WC-Anlage betrachten.
VP

Bis dato verfügt die Gemeinde über keine einzige öffentliche, barrierefrei zugängliche WC-Anlage. Dabei ist das Thema wichtig: Im Ausschuss für Dienstleistungen und Bauwesen ist diese Anlage eigens verankert.

In den vergangenen Wochen ist Dynamik in die Angelegenheit gekommen, der Gemeinderat hat die Budgetmittel zur Errichtung eines stillen Örtchens beschlossen. Kostenpunkt: 90.000 Euro. Uneinigkeit herrscht freilich über den Standort, weshalb die VP jetzt vorgeprescht ist.

Aus ihrer Sicht ist das Nemschitz-Haus mit der ehemaligen Hager-Filiale, das sich im Besitz der Gemeinde befindet, der ideale Standort.

VP-Stadtrat Max Gusel: „Von einem kostspieligen WC-Container, der direkt vor dem Rathaus platziert werden könnte, halten wir nichts. Der Rathausplatz soll ein Ort der Begegnung sein, nicht ein Ort, um dort sein Geschäft zu verrichten. Einem Single-WC können wir ebenso nichts abgewinnen. Hierbei müssten sich Frauen und Männer gemeinsam ein WC teilen und benützen. Wir wollen eine sinnvolle Lösung, keinen kostspieligen Schnellschuss.“

VP-Stadtrat Erich Hauptmann assistiert: „Es ist unsere Verantwortung als Kommunalpolitiker, mit den Steuergeldern der Bürger sorgsam umzugehen. Besonders jetzt, wo die Stadtgemeinde wegen Corona mit Geldproblemen zu kämpfen hat. Es ist aus unserer Sicht verantwortungslos, rund 90.000 Euro für einen Single-WC-Container auszugeben, der direkt vor dem Rathaus hingestellt wird. Noch dazu, wenn sich Frauen und Männer ein WC teilen müssten. Außerdem würden sich die Kosten bei einem Einbau in das bestehende Nemschitz-Haus wesentlich verringern!“

„Benutzung muss gratis möglich sein“

Stadtrat Gusel bringt einen weiteren Aspekt ins Spiel: „Es ist Aufgabe der Gemeinde, dafür zu sorgen, dass für Bürger, Touristen und Gäste der Stadt eine frei zugängliche WC-Anlage zur Verfügung steht. Für uns steht daher außer Frage, dass die Benützung des WCs kostenfrei möglich sein muss. Wir wollen die Leute nicht um ihr Geld bringen, indem sie 50 Cent oder gar einen Euro für die Benützung des WCs einwerfen müssen.“

Es sind gute Argumente, die die VP vorbringt, SP-Bürgermeister Christoph Artner hält mit ebenso guten Argumenten dagegen: „Auch wir haben zunächst das Nemschitz-Haus ins Auge gefasst. Allerdings hat es eine Anfrage eines Unternehmens gegeben, das die ehemalige Hager-Filiale möglicherweise nutzen will. Und die Verwendung der Immobilie als Verkaufslokal ist sicher höherwertiger.“

Der Stadtchef verweist auch auf ein gewisses Sicherheitsrisiko: „Wir würden den Fußgängerverkehr über die stark befahrene Kremser Straße ziehen, in einem Bereich, in dem sich kein Schutzweg befindet. Es befindet sich zwar in der Nähe ein Schutzweg, doch wenn jemand ein dringendes Bedürfnis verspürt, wird er wohl keinen Umweg nehmen.“

Kritik am Single-WC lässt er nicht gelten. „Wir haben auf dem Rathausplatz ein Modell mit einer exakt gleichen Kubatur aufgestellt. Es ist nun eine Frage der Gestaltung, wie man die WC-Anlage optisch ins Bild rückt. Wird sie größer, wirkt sie störend. Außerdem stellt sich die Frage, ob wir uns eine teurere Anlage leisten wollen, zumal bei Veranstaltungen am Rathausplatz ohnehin ein Wagen aufgestellt werden muss. Da reichen kein Single- und auch kein Doppel-WC.“

Letztlich macht der Bürgermeister kein Hehl daraus, dass die Anlage kostenpflichtig sein wird: „Die Benützung muss etwas kosten, auch um solchen Blödheiten wie am Friedhof und am WC im Feuerwehrhaus entgegenzuwirken.“ (Seite 18).

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