„Das Maß ist voll“: Stimmen aus Region Herzogenburg zum 4. Lockdown

Gastronomiebetriebe beklagen Einkommensverluste. Es wird vielfach von einer „Katastrophe“ gesprochen.

Erstellt am 24. November 2021 | 05:07
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Die Tür bleibt verschlossen: Martin und Karin Deutsch mussten „Karins Gaststube“ in Wölbling schon wieder zusperren: „Wir fühlen uns im Stich gelassen.“
Foto: Thomas Heumesser

Gastronomiebetriebe in der Region haben für den neuerlichen Lockdown wenig bis kein Verständnis.

„Die Regierung hat einen weiteren Lockdown ausgeschlossen, jetzt wurde er doch verhängt. Was soll man noch glauben?“Karin und Martin Deutsch aus Wölbling

Thomas Bauer von „Land lebt auf“ in Perschling betreibt eine Tankstelle sowie ein Bistro und verkauft Lebensmittel; „Den Lockdown halte ich für unnötig. Mit den Maßnahmen und dem regelmäßigen Testen sind wir gut durch die Pandemie gekommen. Meiner Meinung nach hätten diese Maßnahmen gereicht. Allerdings hat man im Sommer viel Zeit vergehen lassen und hat vieles verabsäumt. Durch die Schließung des Bistros habe ich wieder einen Einkommensverlust.“

Karin und Martin Deutsch aus Wölbling führen seit zwei Jahren „Karins Gaststube“ beim Waldbad. Bereits mehrmals haben sie ihr Lokal schließen müssen: „Nun ist das Maß voll. Die Weihnachtsfeiern sind beispielsweise alle abgesagt. Es ist eine Katastrophe. Die Regierung hat einen weiteren Lockdown ausgeschlossen, jetzt wurde er doch verhängt. Was soll man noch glauben?“

Das Duo bringt seine derzeitige Stimmung auf den Punkt: „Wir fühlen uns im Stich gelassen.“

„Impfpflicht hätte früher kommen sollen“

„Ich kann nicht sagen, ob der Lockdown jetzt notwendig ist, dafür sind die Experten da, aber das Weihnachtsgeschäft steht vor der Tür und das ist auch für uns Gastronomen wichtig, weil ja das Weihnachtsgeld für die Angestellten zum Auszahlen ist“, erklärt Robert Yaldiz vom Café La Strada am Herzogenburger Rathausplatz. Er hofft, dass der Lockdown für Geimpfte nicht allzu lange dauert und endet, wie es die Regierung versprochen hat. „Und natürlich hoffen wir, dass unsere Gäste gesund bleiben.“

Gastronom Leopold Rauscher aus Traismauer hätte es lieber gesehen, wenn die Impfpflicht früher eingeführt worden wäre: „Bei einer Einführung vor ein paar Monaten hätten wir uns wahrscheinlich die vierte Coronawelle und den neuerlichen Lockdown erspart.“

Wie sehen Einzelhändler die gegenwärtige Situation? Rupert Fischer von Eisenwaren Schinnerl in der Römerstadt: „Wenn die Coronaschutz-Impfung der einzige Ausweg ist, um die Pandemie hinter uns zu lassen, so ist die Impfpflicht gerechtfertigt. Lieber hätte ich es gesehen, wenn es ohne Zwang, sondern nur mit Überzeugungsarbeit, gegangen wäre, um die entsprechende Impfquote zu erreichen.

Händler in der Schuldenfalle

„Wenn es notwendig ist, kann man sich nicht gegen den Lockdown sträuben, nur finde ich, dass es viel zu spät ist. Der Lockdown hätte schon früher kommen sollen. Einige Händler werden später aus der Schuldenfalle nur schwer herauskommen“, so Manuel Figl, Juniorchef von Farben König-Figl in der St. Pöltner Straße in Herzogenburg.

„Für die Händler ist der Lockdown eine Katastrophe, gerade in der Adventzeit, wo viele schon für Weihnachten einkaufen. Ich darf Gott sei Dank offenhalten, denn ich führe auch Reparaturen durch“, sagt Helmut Gelter vom Radservicecenter in Herzogenburg.

Frage der Woche

  • Ist die Corona-Impfpflicht gerechtfertigt?