Region Herzogenburg: Neustart verläuft mühsam. Wirte konstatieren bei den Gästen eine „Hemmschwelle“. Kontrolle der 3-G-Regel funktioniert fast ohne Probleme.

Von Thomas Heumesser, Hans Kopitz, Peter Nussbaumer und Günther Schwab. Erstellt am 28. Juli 2021 (04:00)
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Gastwirt Reinhard Huber (links), im Bild mit Alexander Jorg und Antonia Mayerhofer: „Normalbetrieb sieht ganz anders aus.“
Schwab, Schwab

Die Parallelen einer NÖN-Umfrage unter Gastronomen in der Region sind verblüffend. So hat sich ja die Feuerwehr mit den Wirten solidarisiert und verzichtet nach wie vor auf die Abhaltung der traditionellen Feste. Davon spürt man in der Gastronomie überhaupt nichts: „Das Geschäft läuft langsam an, vor allem die Stammkunden kommen wieder, aber es gibt eine Hemmschwelle, die manche Gäste noch abhält“, berichtet Hannes Kern von der gleichnamigen Gastwirtschaft in Langmannersdorf. Sein Kollege vom Gasthaus zum Schwarzen Ochsen in Murstetten, Walter Kahri, stößt in das gleiche Horn: „Von den abgesagten Feuerwehrfesten profitieren wir nur teilweise, da noch nicht wirklich alle Menschen uneingeschränkt fortgehen.“

„Uns persönlich würde es freuen, wann wieder Feuerwehrfeste abgehalten werden können, das wäre einmal eine Abwechslung, selber ein Feuerwehrfest besuchen zu können“, nehmen es Karin und Martin Deutsch von „Karins Gaststube“ in Oberwölbling mit Humor. Bei ihnen ist das Geschäft zunächst sehr gut angelaufen, ehe ihnen doch das Lachen gefror: Das jüngste Starkregen-Ereignis hat auch das Waldbad betroffen, das geschlossen werden musste.

Die Kontrolle der 3-G-Regel funktioniert nahezu problemlos: „Wir schauen sehr genau, was durchwegs friktionsfrei verläuft. Unsere Gäste sind sehr unkompliziert“, sagt Walter Kahri.

Hannes Kern erzählt: „Die meisten Gäste sind sehr kooperativ und sind mit den Kontrollen und Aufzeichnungen einverstanden. Von unseren Stammgästen kenne ich mittlerweile den 3-G-Status und deren Telefonnummern und Adressen ohnehin. Allerdings gibt es auch Gäste, die das Corona-Management nicht verstehen und ablehnen, sie müssen wir wiederum natürlich ablehnen.“

Gabi Haas, die Chefin von „Haasis Hexenstüberl“ in St. Andrä, findet es „eine Frechheit, dass Wirte kontrollieren müssen, die Stammgäste sind schon richtig genervt. Bei uns im Lokal geht es ja noch, aber am St. Andräer Steg, wo wir einen Stand haben und täglich viele Radfahrer vorbeikommen, die nach einem kurzen Aufenthalt wieder fahren, ist die Kontrolle sehr schwierig!“

„Klassisches Wirtshaus ist Vergangenheit“

Komplikationslos funktioniert die Kontrolle im Landgasthof Huber in Wagram: „Bei den Stammgästen wissen wir mittlerweile, wer geimpft ist, bei den Gästen, wo wir es nicht wissen, wird kontrolliert“, sagt Gastwirt Reinhard Huber.

Und wie geht es mit der Gastronomie nun weiter? Hannes Kern zeichnet ein düsteres Bild von der Zukunft der Landgastronomie und verweist auf einige Gastroschicksale in der Umgebung, bei denen es nicht gelungen ist oder gelingen wird, einen Betrieb weiterzuführen: „Das Wirtshaus, das als ‚Wohnzimmer‘ der Ortes eine breite Plattform für Austausch und Vereinbarungen gedient hatte, gehört der Vergangenheit an.“

Reinhard Huber meint: „Es war zu erwarten angesichts, dass aufgrund der Ausbreitung der Delta- Variante die geplanten Erleichterungen nicht umgesetzt werden. Die bereits im Vorfeld für August getätigten Reservierungen hinsichtlich Hochzeiten und Feiern sind nach wie vor aufrecht. Für den Herbst gibt es noch wenige Reservierungen. Die Zurückhaltung aufgrund der Prognosen ist deutlich verspürbar. Nach wie vor ist in der Bevölkerung eine große Verunsicherung vorhanden. Normalbetrieb sieht jedenfalls ganz anders aus.“

„Das Ganze ist sehr mühsam, denn man weiß nicht, wie es weitergeht“, konstatieren Gabi Haas, Karin und Martin Deutsch unisono. In Oberwölbling gesellt sich aktuell ein weiteres Problem hinzu, das unter den Nägeln brennt: „Wir suchen verbissen Mitarbeiter, können aber niemand für Küche oder Service finden.“

Umfrage beendet

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