„Geht mir um die Musik“. Interview / Neo-Musikschulleiter Alfred Kellner im NÖN-Gespräch über seine Visionen für die St. Pöltner Musikschule, seine Änderungswünsche und die nächsten Ziele.

Von Mario Kern. Erstellt am 29. September 2014 (07:50)
NOEN, Kern
Alfred Kellner war selbst Schüler an der Musikschule: »Ich bin Popularmusiker, aber ich vernachlässige nichts. Ich freue mich sehr darauf, das Haus sowie Lehrer und Schüler kennen zu lernen.«

NÖN: Sie übernehmen mit 1. Oktober die mit 1.400 betreuten Schülern größte Musikschule des Landes. Wie hoch liegt da die Messlatte?
Alfred Kellner: Natürlich ist es eine große Ehre für mich, diese Musikschule auf diesem Level zu übernehmen. Als Leiter der Musikschule Traismauer habe ich diese von 170 Schülern auf mehr als 500 ausgebaut. In St. Pölten ist natürlich alles noch einmal größer. Diese Schule ist sehr gut geführt. Ich möchte aber natürlich meine Vision in die Zukunft dieses Instituts mit einfließen lassen.

Wie sieht diese Vision aus?
Ich möchte das Angebot der Musikklassen für Schulen ausbauen. Ein Pilot-Projekt gibt es bereits an der Daniel-Gran-Schule. Mir schweben viele Projekte vor: Mit Schülern der Traismaurer Musikschule waren wir bei Christian Muthspiel zu Hause, hatten einen Workshop beim Ersten Violinisten der Philharmoniker, haben ein Stück mit einem norwegischen Orchester im Festspielhaus erarbeitet. Ähnliches kann ich mir in St. Pölten vorstellen. Daraus beziehen junge Menschen unglaublich viel Motivation.

Was wollen Sie noch ändern?
Ich würde mir die musikalische Frühförderung für Kindergärten wünschen. Ein fixer Konzert-Event wäre spannend – eine Leistungsschau, die St. Pöltner Musikschüler und Musikvereine zusammenführt und die zeigt, was die Landeshauptstadt musikalisch zu bieten hat. Gleich bleiben wird der doppelte Fokus auf der Breitenförderung und zugleich der Spitzenförderung. Es geht mir um die Musik und ihre elementare Vermittlung. Und gleichzeitig darum, dass Talente gezielt gefördert werden. Für erfolgreiche Ensembles haben wir zusätzlichen geförderten Unterricht durchsetzen können.

Wird der Schlüssel Klassik, Pop und Volksmusik verändert?
Prinzipiell nicht. Klassik und Pop werden von der Nachfrage bestimmt. Würde aber eines zu stark dominieren, müsste man mit Angeboten reagieren.

Im Zuge Ihrer Bestellung sprechen Lehrer in Niederösterreich von „Postenschacherei“. Was sagen Sie dazu?
Ich finde es schlimm, wenn man „bestraft“ wird, wenn man sich für die Musik-Vermittlung engagiert. Das ist nicht fair.

Was sind Ihre nächsten Schritte?
Ich will alle 60 Lehrenden persönlich kennenlernen. Bis Jänner möchte ich mich in die Abläufe einarbeiten.