Ahmad Alsayad: „Will eine Firma gründen“. Ahmad Alsayad kam vor knapp fünf Jahren aus Syrien nach Unterwölbling. Er wird bald an HTL maturieren. Mittlerweile gibt der Jugendliche ehrenamtlich Nachhilfe in Deutsch.

Von Hans Kopitz. Erstellt am 11. November 2020 (03:35)
Während die Eltern und älteren Schwestern eher fotoscheu waren, stellte sich die kleine Layan gemeinsam mit ihrem großen Bruder Ahmad gerne für ein Bild zur Verfügung.
Hans Kopitz

Vor wenigen Tagen sind die erfolgreichen „Start-NÖ“-Maturanten des vergangenen Schuljahres online von VP-Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister verabschiedet worden. Insgesamt wurden 38 Jugendliche von „Start-Stipendien NÖ“ bisher auf ihrem Bildungsweg unterstützt, aktuell sind 25 engagierte Jugendliche aktiv im Stipendienprogramm. Eines haben sie alle gemeinsam: „Ihr Wunsch ist es, diese Bildungschance zu nutzen und mehr aus sich und ihrer Zukunft zu machen“, sagt Projektleiterin Stefanie Moshammer.

Ich bin dankbar, dass ich das alles lernen kann, und ich werde mein Wissen gerne gratis zur Verfügung stellen, wenn es gebraucht wird, denn jeder hat eine Chance verdient, etwas zu lernen

Einer dieser zurzeit aktiv im Stipendienprogramm befindlichen Jugendlichen ist der aus Syrien stammende Ahmad Alsayad, der seit fast fünf Jahren in Österreich lebt und seit zwei Monaten mit seiner Familie in Herzogenburg eine Heimat gefunden hat. Er besucht die HTL in St. Pölten und will nach der Matura im kommenden Jahr studieren – ob Maschinenbau oder Mechatronik, ist noch nicht ganz entschieden. „Ich bin bis zur 9. Klasse in Syrien in die Schule gegangen – und wir kamen als Flüchtlinge nach Österreich. Zuerst mein Vater – und meine Mutter, meine vier Schwestern und ich durften dann nachkommen. Wir wohnten bis jetzt in Unterwölbling und jetzt seit zwei Monaten hier in Herzogenburg“, erzählt Ahmad.

Sein Vater arbeitete in Syrien als Ingenieur und macht jetzt hier seine neue Ausbildung. Nächste Woche hat er die letzten Prüfungen und wenn alles klappt, bekommt er in Wien eine Anstellung. Ahmad weiter: „Meine kleine Schwester hat hier in der 1. Klasse Volksschule angefangen, die beiden Mittleren mit elf und zwölf Jahren gehen in die Neue Mittelschule – und die älteste Schwester, die ein Jahr jünger ist als ich, besucht die HAK St. Pölten. Die Mutter hält die Familie zusammen und macht einen Deutschkurs, um die Sprache besser zu beherrschen.“

Nach der Schule fährt Ahmad mit der Bahn nach Statzendorf und wird dort von einem Freund abgeholt, der in einer Spenglerei in Karlstetten ein Praktikum macht. Eigentlich wollte er als Maschinenbauer arbeiten, aber durch die Corona-Krise ging es nicht, und so hat er dort zugegriffen.

„Stehen bleiben ist nicht gut“

„Das Wichtigste ist die Aus- und Weiterbildung. Stehen bleiben ist nicht gut. Ich will nach vorne blicken, ein großer Ingenieur werden und auch eine Firma gründen“, so Ahmad, dem die Nachhilfe, die er mittlerweile gibt, sehr am Herzen liegt: „Man darf sein Wissen nicht selbst behalten, man muss es weitergeben. Ich bin dankbar, dass ich das alles lernen kann, und ich werde mein Wissen gerne gratis zur Verfügung stellen, wenn es gebraucht wird, denn jeder hat eine Chance verdient, etwas zu lernen. So denkt übrigens meine ganze Familie“.

Natürlich will Ahmad später auch eine Familie gründen – „aber das Studium ist erst einmal das Wichtigste. Schauen wir einmal, was die Zukunft bringen wird.“