SPÖ ist über Vorschläge der ÖVP erbost. Wirbel ist in Traismauer programmiert: ÖVP fordert einen Spielplatz am Badesee und Personenlift im Schloss. Die SPÖ zeigt sich entrüstet.

Von Alex Erber und Günther Schwab. Erstellt am 21. April 2021 (04:02)
Hier soll der neue Spielplatz entstehen: ÖVP-Gemeinderat Markus Wallnberger und ÖVP-Stadträtin Gemeindeparteiobfrau Veronika Haas setzen sich für mehr Attraktivität beim Badesee ein.
ÖVP Traismauer, ÖVP Traismauer

Die kommende Gemeinderatssitzung am Mittwoch, 28. April, findet im Umlaufbeschluss, also erneut ohne Öffentlichkeit, statt. Dabei hätten die Besucher wohl eine harte Konfrontation erlebt, denn der Wirbel bei dieser Sitzung ist programmiert.

Die ÖVP hat zwei Punkte in die Tagesordnung reklamiert, die sie unter das Motto „ÖVP setzt eigene Akzente für Traismauer“ stellt.

Sie schlägt einerseits die Errichtung eines Personenlifts vor, der einen barrierefreien Zugang zu Ausstellungen im Schloss gewährleisten soll.

Klubsprecherin und Gemeinderätin Elisabeth Nadlinger: „Aufgrund der geplanten und Mitte Februar beschlossenen „Adaptierung von Räumlichkeiten im Schloss Traismauer“ für zukünftige Ausstellungsprojekte im zweiten Stock fordern wir den Einbau eines behindertengerechten Personenlifts, der einen barrierefreien Zugang ermöglicht. Eine Modernisierung des bestehenden Liftes (etwa 40 Jahre alt) oder der Einbau eines neuen Liftes soll einen stufenlosen Zugang zu allen Stockwerken ermöglichen.“ Insbesondere der bereits im Herbst 2022 stattfindende Klöppelkongress werde auch viele Senioren anlocken.

Es bleibt nicht bei der Forderung allein, die ÖVP hat auch einen Finanzierungsvorschlag: „Die Stadtgemeinde Traismauer befindet sich im Stadterneuerungsprozess und könnte den ,Einbau eines Personenliftes‘ als nachhaltiges Projekt für eine Förderung des Landes NÖ einreichen. Geschätzte Kosten: etwa 30.000 Euro“, so Nadlinger.

Die zweite Forderung betrifft die Errichtung eines Spielplatzes zur Attraktivierung des Badesees. „Die Naturbadeseen sind ein beliebter Naherholungsort für Familien. Gerade in Zeiten der Corona-Einschränkungen ist es der ÖVP sehr wichtig, attraktive Orte und Plätze zu schaffen, wo sich Jung und Alt wohlfühlen und verweilen können. Für die Kinder soll am Badesee auf Gemeindegrund ein Spielturm mit Rutsche und Schaukeln, Hängematten, eine Sandkiste und ein Wasserspielplatz um etwa 20.000 Euro errichtet werden“, fordert die ÖVP.

„Die Naturbadeseen sind ein beliebter Naherholungsort für Familien. Gerade in Zeiten der Corona-Einschränkungen ist es der ÖVP sehr wichtig, attraktive Orte und Plätze zu schaffen, wo sich Jung und Alt wohlfühlen und verweilen können

Stadträtin und Gemeindeparteiobfrau Veronika Haas ergänzt: „Bis dato gibt es drei Lokale und einen Beachvolleyballplatz, die sehr gut angenommen und besucht werden. Der Spielplatz im Bereich vor dem Restaurant ,Aprico‘ würde die Attraktivität des Liegeplatzes wesentlich steigern.“

Beide Vorschläge beziehungsweise Forderungen stoßen bei der SPÖ auf wenig Gegenliebe.

Bürgermeister Herbert Pfeffer: „Die Naturseen befinden sich inmitten des Europaschutzgebietes ,Natura 2000‘ und sind daher nicht in einer Form zu betreiben wie etwa der Ratzersdorfer Badesee oder das Aubad in Tulln, um nur zwei Beispiele zu nennen. Die Grundstücksflächen, die im Bereich der beiden Seen in sehr schmalen Streifen verlaufen, sind zum Großteil nicht einmal im Eigentum der Stadtgemeinde. Außer, dass die Rasenfläche von der Stadtgemeinde gemäht wird, die Mistkübel geleert werden und ein paar Tische mit Bänken aufgestellt sind, findet seitens der Stadtgemeinde keine Betreuung statt. Nicht, weil wir das nicht wollen, sondern weil wir es schlichtweg nicht dürfen!“

Nutzung der Geräte „nur in kurzer Saison“

Die Saison an den Naturbadeseen dauere je nach Witterung von Mitte/Ende Juni bis Anfang September – also eher sehr kurz. Die restliche Zeit würde der Spielplatz kaum genutzt werden und die Geräte würden wahrscheinlich auch darunter leiden. Der Bedeckungsvorschlag der ÖVP laufe auf Kosten der Pflege des Areals hinaus, die dann nicht zur Verfügung stehen und mit 20.000 Euro Kostenschätzung für den Kinderspielplatz diese Kostenstelle um 13.000 Euro übersteigen würde. Pfeffer: „Somit ist diese Begründung der Bedeckung inhaltlich und sachlich ebenso unkorrekt.“

„Dieser Antrag macht mich fassungslos“

Bei der Forderung nach dem Lift treibt es dem Stadtchef die Zornesröte in Gesicht: „Das Schloss ist leider in allen Ebenen von unterschiedlichen Niveauhöhen und zurzeit mit dem bereits bestehenden Personenaufzug nicht vollkommen barrierefrei. Der Innenhof ist aber ein Juwel und wird sehr vielfältig genutzt. Außerdem wissen wir vom Bundesdenkmalamt, dass bauliche Maßnahmen wirklich sehr eingeschränkt zulässig sind. Der Innenhof muss in seinem Erscheinungsbild unbedingt erhalten bleiben, denn nur so wirkt er auf den Betrachter und beeindruckt. Auch ich persönlich würde es als einen skandalösen Akt finden, diesen mit einem Lift zu versehen!“

Das wäre verantwortungslos und würde das Ambiente für immer verschandeln.

Pfeffer: „Dieser Vorschlag ist der ÖVP scheinbar bei einer illustren Zusammenkunft entsprungen, wo nicht der Verstand, sondern andere – mir nicht nachvollziehbare Triebe – ein derartiges Hirngespinst haben reifen lassen. Ich bin fassungslos über diesen Antrag!“

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