Traismauer im totalen Wahlkampf. VP nahm umstrittenen Video-Ausschnitt aus dem Netz, Liste MIT entdeckt plötzlich die Raumordnung.

Von Alex Erber. Erstellt am 21. Januar 2020 (04:12)
Symbolbild
shutterstock / Anton Sokolov

Auch in der Römerstadt geht der Wahlkampf in die Zielgerade. Für Aufregung hat dabei ein Video der VP gesorgt.

Es handelt sich nicht um das komplette Video, sondern um einen Ausschnitt, das den Wirtschaftspark Campus 33 zeigt. Von einem „drohenden Schandfleck“ ist die Rede.

„Für einen Wohnblock mit 16 Einheiten gibt es 60 Anmeldungen.“ SP-Stadtchef Herbert Pfeffer

Bei den Campus-Unternehmern kam die Sequenz alles andere als gut an. „Die einseitige Darstellung des Campus-Betriebsgebietes hat mich dazu, bewogen, in Form eines Facebook- Eintrags aktiv zu werden. Zusätzlich wurde auch ein Brief, den Josef Faller verfasst hat, an die VP verschickt. Das Schreiben ist von mehreren Firmeninhabern unterzeichnet worden“, sagt Sladjana Engl, die mit ihrem Gatten Markus einen Imbiss betreibt.

Engl weiter: „Die VP behauptet, dass sich das Campus-Betriebsgebiet zu einem ,werdenden Schandfleck‘ entwickelt. Das ist sicherlich nicht der Fall und eine falsche Einschätzung seitens der Videohersteller. Angesichts des Branchenmix, darunter ein Entsorgungsbetrieb oder ein Hackschnitzelerzeuger, ist es klar, dass es optisch gesehen schönere Betriebsgebiete gibt. Dennoch muss man festhalten, dass es sich hier um ein Betriebsgebiet handelt und die ,Außenansicht‘ sekundär ist.“

VP-Spitzenkandidat Stadtrat Georg Kaiser betont: „Ich bin nicht gegen die Wirtschaft und selbst Kunde am Campus. Es ist aber ein Faktum, dass es Aufschüttungen gibt, die dort nichts zu suchen haben. Der Bürgermeister als Baubehörde erster Instanz hätte sie schon räumen lassen können. Außerdem ist uns sauer aufgestoßen, dass seit 2015, als der Stadtchef die Wirtschaftsagenden an sich gerissen hat, nichts passiert ist, außer Grundstücksverkauf, Rückkauf, Verkauf, Rückkauf. Wir haben den Notar beschäftigt, sonst nichts.“

Nach einem Gespräch mit Josef Faller hat sich die VP jedenfalls entschieden, die Passage aus dem Netz zu nehmen.

Eine Forderung der VP stößt wiederum Sladjana Engl sauer auf. Demnach soll der Wochenmarkt auf den Parkplatz hinter das Schloss verlegt werden. Georg Kaiser: „Dort ist wesentlich mehr Platz, mehr Standbetreiber könnten Angebote unterbreiten und außerdem besteht für Autos eine direkte Zufahrt.“

Sladjana und Markus Engl: „Das Campus-Betriebsgebiet ist mit Sicherheit kein ,werdender Schandfleck‘.“
Günther Schwab

Konter von Engl: „Der Wochenmarkt, der jeden Sonntag von 7 bis 11 Uhr vor dem Schloss stattfindet, wird von vielen Bürgern in Anspruch genommen. Eine Standortverlegung wäre für uns Standbetreiber sicherlich kein Vorteil und würde meiner Meinung nach zu Umsatzeinbußen führen.“

Eine geplante Wohnbau-Aktivität sorgt wiederum in Stollhofen für Aufregung und hat auch die Bürgerliste MIT auf den Plan gerufen. Sie fordert ein auf zwölf Monate befristetes Einfrieren aller Bauverfahren für den großvolumigen Wohnbau.

Hintergrund dieser Forderung ist die mögliche Erhöhung der Bauhöhe von elf auf 14 Meter auf einem Grundstück in Stollhofen Richtung Gemeinlebarn. „Stollhofen ist eine ländlich strukturierte Katastralgemeinde, geprägt von Bauernhöfen und Einfamilienhäusern“, sagt MIT-Spitzenkandidat Gemeinderat Günther Brunnthaler. Er spricht sich dafür aus, „Baulücken im bereits besiedelten Gebiet zu schließen anstatt an den Ortsrändern weitere großvolumige Wohnbauten in die grüne Wiese zu stellen.“

SP-Bürgermeister Herbert Pfeffer kann die Forderung nicht nachvollziehen: „Ich habe für einen Wohnblock mit 16 Einheiten, der gerade entsteht, nicht weniger als 60 Anmeldungen. Wie soll man vor allem jüngeren Menschen argumentieren, dass man dem Wunsch nach einer leistbaren Wohnung nicht nachkommen möchte? Es geht auch um den sozialen Wohnbau, nicht jeder kann sich ein Einfamilienhaus leisten.“

Gegen die Erweiterung des „Jungen Wohnens“ in der geplanten Form existiert auch eine Unterschriftenliste, wobei der Stadtchef den Unterzeichnern verspricht, dass „nichts ohne vorherige Information geschehen wird.“ Und: „Gegen einen Widerstand aus der Bevölkerung wird es keine Erhöhung der Bauklasse geben.“

Festhalten möchte der Bürgermeister, dass man entlang der Wiener Straße auf der rechten Seite Richtung Gemeinlebarn nicht von einer „ländlich strukturierten Katastralgemeinde“ sprechen könne: „Diese Bezeichnung trifft auf den linken Teil, auf den Ortskern zu. Auf der rechten Seite gibt es bereits jetzt Wohnblocks.“

Umfrage beendet

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