Herzogenburger hielten Polizisten auf Trab. 20-Jähriger rangelte mit einem Exekutivbeamten und drohte seiner Nachbarin. Deren Ehemann (49) griff zur Luftdruckpistole.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 10. September 2019 (05:53)
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Symbolbild

Am Bahnhof in Herzogenburg rangelte heuer im Mai ein 20-Jähriger im Suff mit einem Polizisten. Tags darauf bedrohte der Bursche seine Nachbarin mit dem Umbringen. Das brachte wiederum deren Ehemann (49) in Rage. Er übte Selbstjustiz und drohte mit einer Luftdruckpistole.

„Schlecht waren wir drauf, wir hatten zu zweit einige große Flaschen Jägermeister getrunken“Der 20-Jährige beim Prozess

Beide Österreicher sitzen nun vor einem Strafrichter. Widerstand gegen die Staatsgewalt, gefährliche Drohung und schwere Körperverletzung wird dem 20-Jährigen vorgeworfen. Wegen schwerer Nötigung muss der 49-Jährige im Prozess am Landesgericht in St. Pölten Rede und Antwort stehen.

Den Abend des 16. Mai verbrachte der 20-Jährige gemeinsam mit einem Freund am Bahnhof in Herzogenburg. „Schlecht waren wir drauf, wir hatten zu zweit einige große Flaschen Jägermeister getrunken“, sagt der 20-Jährige im Prozess. Weil sein Freund einer Bewährungshelferin dann via Handy mitteilte, dass er vorhabe, Suizid zu begehen, rückten Polizisten an, um Schlimmes zu verhindern. Das kam nicht gelegen.

„Die Polizisten wollten meinen Freund mitnehmen, ich habe seine Krücke genommen und damit vor einem Polizisten aufgerieben“, erzählt der 20-Jährige. „Das war zwingend notwendig?, fragt der Richter. Der Angeklagte setzt fort: „Und dann bin ich auch schon am Boden gelegen und habe die Handschellen draufbekommen.“ Ob er einen Polizisten verletzt hat? „Sicher net!“ sagt er.

Ordnungshüter stürzte bei einem Gerangel

Anderes erzählt ein Polizist. „Ich habe ihn aufgefordert, die Krücke wegzugeben, das hat er nicht gemacht. Er hat vor mir eine bedrohliche Haltung eingenommen. Ich habe ihn in die Halsklammer genommen, er wollte mich in den Schwitzkasten nehmen. Wir haben gerangelt, sind beide gestürzt“, erzählt der Ordnungshüter im Prozess. Abschürfungen am Knie erlitt der Beamte dabei. „Und ich hatte Schmerzen in der Hüfte“, sagt er. Alles war das aber noch nicht, am nächsten Tag rückte wegen aggressiven Verhaltens des 20-Jährigen wieder die Exekutive aus. „Weil Polizisten ja sonst nichts zu tun haben“, so der Richter dazu.

Wieso der Bursche wieder die Nerven verloren hat? „Weil unsere Nachbarin meiner Mutter erzählt hat, dass ich bei einer Drogen-Razzia festgenommen wurde“, erklärt er. Gemeinsam mit seiner Mutter stellte er die Nachbarin deswegen zur Rede. „Ich habe an ihre Wohnungstür geklopft, da hat sie dann mit der Faust aufgezielt. Plötzlich ist ihr Mann mit einer Waffe dagestanden. Er hat auf uns gezielt, ich bin durchgedreht und habe rot gesehen“, berichtet der 20-Jährige weiters. Der Nachbarin drohte er dann mit dem Tod.

Angeklagte kommen mit bedingten Strafen davon

„Luftdruckpistole war das gar keine, das war nur ein Feuerzeug“, will der 49-Jährige weismachen. Und er erzählt: „Sie haben gestritten, ich habe mich im Hintergrund und den Hund an der Kette gehalten. Dann hat er in Richtung Hals meiner Frau gegriffen.“ Das habe bei dem 49-Jährigen „eine Kurzschlussreaktion“ ausgelöst. „Aber die Mündung habe ich Richtung Decke gehalten. Ich wollte nur, dass Ruhe ist, habe niemanden attackiert“, erklärt er.

Beide Herzogenburger kommen mit bedingten Strafen davon. Sechs Monate auf Bewährung setzt es für den 20-Jährigen. Weiters muss er 600 Euro Schmerzensgeld an den Polizisten berappen. Zu drei Monaten bedingt verhängter Freiheitsstrafe wird der 49-Jährige verurteilt. Ein Bewährungshelfer wird beiden zur Seite gestellt.

„Weil die Angeklagten bislang unbescholten waren, habe ich Milde walten lassen und habe Strafen unter Mindeststrafen verhängt“, begründet der Richter. Und zum 49-Jährigen sagt er: „Weil der Vorfall an der Grenze zur Notwehr war, konnte außerordentliche Strafmilderung gewährt werden.“ Beide Urteile sind nicht rechtskräftig.