Eskalation am Zebrastreifen: Mann bedrohte Sanitäter. Eskalation am Zebrastreifen: Rettungswagen bremste abrupt ab. 22-Jähriger dachte, er werde überfahren und rastete aus. Der Mann trat gegen das Auto und bedrohte den Lenker.

Von Birgit Kindler. Erstellt am 02. Juli 2019 (12:27)
Symbolbild
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In Handschellen, bewacht von Justizwachebeamten, wartet ein 22-Jähriger am Landesgericht auf seinen Prozess. Sachbeschädigung, Nötigung, gefährliche Drohung und Widerstand gegen die Staatsgewalt werden Herzogenbruger zur Last gelegt. Eine einschlägige Vorstrafe liegt vor.

Was in so in Rage brachte: Ein Rettungswagen des Herzogenburger Samariterbunds war beim Schutzweg beim Kreisverkehr vor dem Spar-Markt abrupt stehen geblieben, während der Angeklagte mit einem Freund den Zebrastreifen überquerte.

„Das Rettungsauto hat uns fast überfahren, stand mit den Vorderreifen schon neben uns. Ich hatte furchtbare Angst“, gibt der 22-Jährige an und ist teilweise geständig. Aus Angst und Wut habe er auf die Fensterscheibe des Rettungsautos gespuckt und mit dem Fuß gegen das Auto getreten. „Wenn Sie Angst haben, dann spucken Sie und treten gegen ein fremdes Fahrzeug. Das ist eine komische Reaktion“, meint Richter Andreas Beneder.

„Muss den Wagen sowieso waschen“

„Ich dachte, man wollte mich totfahren“, antwortet der Angeklagte, der aus einer Großfamilie stammt. Einige ihrer Mitglieder sind durchaus oft vor Gericht anzutreffen.

Der Rettungswagen-Fahrer schildert die Situation anders: „Ich bin sicher noch vor dem Zebrastreifen zum Stehen gekommen. Plötzlich wurde der Mann furchtbar aggressiv und hat den Rettungswagen bespuckt. Ich habe mir noch gedacht, ich muss den Wagen sowieso waschen“, sagt der Zeuge. Dann habe er einen Knaller gehört, weil er gegen das Fahrzeug getreten hat. „‘Ich schlag‘ dich zusammen und lass‘ dich aufklatschen‘ hat der Mann mehrmals in meine Richtung geschrien“, so der Rettungswagen-Fahrer. „Ich dachte, der Angeklagte ist betrunken, weil er wegen einer Lappalie so auszuckt.“

Als die Exekutive eintraf, hat sich der Herzogenburger weiterhin aggressiv verhalten, berichten die Polizisten. Die Beamten haben den Angeklagten gebeten, ins Polizei-Auto zu steigen. „Aber dann hat es eine Diskussion gegeben, warum er im Polizei-Auto mitfahren muss und der Fahrer des Rettungswagens nicht“, so ein Beamter. Daraufhin habe er begonnen zu spucken und zu treten, die Beamten haben ihn am Boden fixiert.

Ein Alkotest ergab 0,0 Promille, ein Gutachter diagnostiziert allerdings eine psychische Erkrankung. Es besteht aber keine geistige oder seelische Abartigkeit. „Eine Einweisung ist nicht notwendig. Wenn die Schizophrenie unbehandelt bleibt, könnten sich Straftaten häufen“, sagt der Gutachter.

Der Richter verhängt 13 Monate teilbedingte Freiheitsstrafe. Drei Monate muss der 22-Jährige im Gefängnis verbüßen, die Vorhaft wird angerechnet. Außerdem ordnet der Richter eine psychologische Behandlung und Bewährungshilfe an. Der Angeklagte nimmt das Urteil an, das somit rechtskräftig ist. Die Justizwache führt den jungen Mann wieder ab. Seine Eltern verabschieden sich vorher noch tränenreich von ihrem Sohn.