Fürnsinn ist 80 Jahre jung. Chorherren und eine Abordnung der Kindersommerspiele gratulierten dem Prälaten zum Wiegenfest.

Von Hans Kopitz. Erstellt am 14. Mai 2020 (03:38)
Maximilian Fürnsinn
NOEN

 Mit „großem Abstand“, wie es die Maßnahmen im Zuge der Coronakrise verlangen, hat am vergangenen Mittwoch-Nachmittag im großen Stiftshof eine Abordnung der NÖ Kindersommerspiele Maximilian Fürnsinn zum 80. Geburtstag gratuliert. Es gab ein gemeinsames Ständchen und ein großartiges Fotobuch, über das sich der Prälat riesig freute.

Die Leberkäsesemmel jedes Jahr beim Herzogenburger Adventmarkt in der Schupfengalerie lässt er sich nicht nehmen.
Hans Kopitz

Bereits am Tag zuvor hatten die Mitbrüder im Rahmen einer feierlichen Maiandacht ihrem ehemaligen Propst herzlich gratuliert.

Maximilian Fürnsinn stand 40 Jahre dem Stift vor und war nach Frigdian Knecht, der es 35 Jahre lang geleitet hatte, der längstdienende Propst in der 900-jährigen Geschichte.

„Einen Ruhestand habe ich nie angestrebt“

„Er versteht es, die Herzen der Menschen aus verschiedenen Schichten anzurühren. Er ist ein ansprechender Redner, Vortragender und Prediger und scheut sich auch nicht, Dinge beim Namen zu nennen, ohne zu moralisieren. Vieles geht auf seine Schaffenskraft und seine Energie zurück“: Mit diesen Worten gratulierte Stiftsdechant Mauritius Lenz im Namen seiner Mitbrüder zum 75. Geburtstag von Maximilian – und an diesen Ausführungen hat sich in den vergangenen fünf Jahren nichts geändert.

Im April des Vorjahres trat Fürnsinn zur Propstwahl nicht mehr an. „Es gibt keinen besonderen Grund, aber meine Amtszeit geht nach vier Jahrzehnten zu Ende und da wird es Zeit, hier einen Wechsel vorzunehmen.“ Aber er ist nicht in den Ruhestand getreten: „Einen Ruhestand habe ich nie angestrebt, deshalb wollte ich auch den Titel ,Altpropst‘ nicht, denn ich bin durchaus in der Lage, noch einiges zu tun. Ich bin für manches noch brauchbar und auch noch zurechnungsfähig. Zudem bin ich von Natur aus kein Ruheständler, aber ich lerne, Freizeit einzuüben.“

Maximilian Fürnsinn wurde am 5. Mai 1940 in Herzogenburg geboren. Er entstammt einer Fleischhauerfamilie, weshalb er nach dem Besuch der Volks- und Hauptschule hier auch eine Fleischerlehre absolvierte – und er war sogar landesbester Lehrling. Nach eigenen Angaben wollte er schon immer Priester werden. Nach der Matura an der Aufbaumittelschule in Horn trat er in das Stift Herzogenburg ein. 1966 begann Fürnsinn ein Philosophie- und Theologiestudium an der Ordenshochschule in Klosterneuburg, 1972 folgte ein Theologiestudium an der Universität Wien.

Drei Mal für zehn Jahre wiedergewählt

Im Stift Herzogenburg war er zunächst als Kaplan, Novizenmeister und Bauamtsdirektor tätig. Am 18. April 1979 wurde er zum 68. Propst des Stiftes Herzogenburg gewählt, am 2. Juni folgte dann die Weihe zum Abt. 1989, 1999 und 2009 wurde er jeweils für zehn Jahre wiedergewählt, von 1998 bis 2013 war er auch Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs.

Wenn es sein musste, äußert(e) sich der Jubilar auch kritisch.
NOEN

Maximilian Fürnsinn nahm sich nie ein Blatt vor dem Mund und meldete sich immer dann zu Wort, wenn er überzeugt war, dass es notwendig sei, wie etwa zum Thema Ökonomie, wobei er 2013 sagte: „Eine Wirtschaft, die ununterbrochen nur auf das Wachsen angelegt ist, ist eine Wirtschaft, die sich selbst zugrunde richtet. Es muss der soziale Aspekt eine ganz große Rolle spielen. Eine Wirtschaft, die sich da abkoppelt, ist eine Wirtschaft, die in den Ruin führt.“ In seinen 2012 erschienenen autobiografischen Betrachtungen „Leben, einfach Leben“ zeichnete er nicht nur seinen Lebensweg nach, sondern lieferte auch Fakten zum „Mikrokosmos“ Kloster, insbesondere zum Leben im Stift, das auch häufig idealisiert werde.

Im vergangenen Jahr bekam er im Rahmen der Nökiss auch die „Weiße Feder von Herzogenburg“ verliehen, eine Auszeichnung, die er bis dahin immer abgelehnt hatte.

Für Altlandeshauptmann Erwin Pröll, der bei der Feier die Laudatio hielt, zeichnet sich Prälat Maximilian durch viele gute Eigenschaften aus. „Zunächst einmal hat er eine unglaubliche Güte, eine Bodenhaftung, er steht mit beiden Beinen in der Gesellschaft. Und er spricht ein offenes Wort, wenn es darum geht, der Gesellschaft klar zu machen, dass sich Irrwege auftun, die auch Gefahren bedeuten“, so Pröll.