Herzogenburg

Erstellt am 10. Juli 2018, 04:44

von Lisa Röhrer

Gedenkdienst: „Müssen gegen Vergessen aktiv bleiben“ . Anton Spevak will als Freiwilliger an Nazi-Verbrechen erinnern. Weil Verein derzeit Geld fehlt, muss er dafür sogar zahlen.

Anton Spevak möchte sich zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit einsetzen. Dafür leistet er ein Jahr lang in einem ehemaligen Konzentrationslager Freiwilligendienst.  |  NOEN, privat

„Wir können nur verhindern, dass sich die Vergangenheit wiederholt und die Verbrechen der Nazis vergessen werden, wenn wir aktiv etwas tun“, ist Anton Spevak überzeugt. Deshalb hat der Herzogenburger beschlossen, sich zwischen Matura und Studium ein Jahr Zeit zu nehmen, um einen Beitrag zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus und des Erinnerns an seine Opfer zu leisten. „Das Thema ist hochaktuell. Man merkt, dass wieder verstärkt rechsextremes Gedankengut aufkommt“, sagt der erst 18-Jährige, der später einmal Geschichte oder Jus studieren möchte.

Seinen Beitrag dazu leisten will Spevak im ehemaligen Frauen-Konzentrationslager in Ravensbrück, etwa 80 Kilometer nördlich von Berlin. „Dazu musste ich ein schwieriges Auswahlverfahren durchlaufen. Ich bin froh, dass ich einen Platz bekommen habe und freue mich auf die Erfahrung und Zeit in einem anderen Land“, so Spevak.

 „Im Moment sieht es so aus, dass die Gedenkdiener sogar für ihre Arbeit zahlen müssen. So wird das Ganze immer mehr zum Eliten-Projekt.“ Michael Spiegl, Obmann Verein Gedenkdienst

Ob der Plan des Herzogenburgers aufgeht und er sich engagieren kann, steht jedoch – auch wenige Wochen vor der geplanten Abreise – noch gar nicht fest. „Der Verein, der uns Gedenkdiener entsendet, hat Probleme.“ Dass der Gedenkdienst unterfinanziert ist und damit vor Schwierigkeiten steht, bestätigt auch Obmann Michael Spiegl: „Im Moment müssen die Gedenkdiener für ihre Arbeit zahlen. Es ist ein Freiwilligendienst, das Ziel ist es nicht, damit Geld zu verdienen. Dass die Jugendlichen mit einem Minus nachhause kommen, ist aber auch nicht Sinn der Sache.“ Zurzeit müssen Spevak und seine Kollegen 1.500 Euro aufbringen, um die Arbeit beginnen zu können. „Damit wird es zum Eliten-Projekt“, bedauert Spiegl, der allen Jugendlichen eine Chance geben möchte, sich einzubringen.

„Für Spevaks Jahrgang stehen die Chancen gut“

Gleichzeitig kämpft der Verein, der früher als Zivildienst galt und nun als Sozialdienst geführt wird, um seine gesetzliche Anerkennung. „Wenn wir keine Verbesserungen erzielen, müssen wir aufhören“, stellt der Obmann klar. Für Spevaks Jahrgang stünden die Chancen aber noch gut: „Es sieht so aus, als könnten wir die Gedenkdiener im Herbst entsenden. Dann müssen wir weiterschauen.“

Bei der Finanzierung, die auch Spevak vor eine Herausforderung stellt, hilft der vom St. Pöltner Lions- Club finanzierte „Mary-Ward-Preis“ (die NÖN berichtete). „Trotzdem fehlt mir noch etwas“, sagt der Maturant.