Wirte wieder offen: „Gäste tasten sich erst heran“. Gastronomen ziehen nach ersten Tagen gemischte Bilanz.

Von Hans Kopitz und Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 20. Mai 2020 (04:24)

Vom gastronomischen Alltag noch weit entfernt ist das Gasthaus zur Sporthalle in Herzogenburg.

„Das Mittagsgeschäft ist so halbwegs gegangen. Aber eben nur halbwegs. Wenn die Sporthalle wieder aufsperrt und das Bad aufmacht, wird es wieder zum Laufen kommen. Die Gäste verstehen, dass mit Maske bedient werden muss, aber normal ist das Ganze sicher nicht“, erklärt Gastronom Franz Dopler.

Und weiter: „Wir Wirte fühlen uns etwas im Stich gelassen, denn es wurden uns zwei Tausender versprochen. Im März gab es 1.000 Euro und jetzt nur 500 Euro. Es hoffen alle Menschen, dass die Lockerungsmaßnahmen beibehalten werden können, aber wenn eine zweite Welle kommt, sind wir tot.“

„Die Gäste reagieren völlig normal“

Gast Willi Weinberger ist froh, dass die Wirte wieder aufsperren durften. „Ich glaube, es war eine vernünftige Entscheidung. Solange der Abstand eingehalten wird, dürfte es keine Probleme geben. Die Maske ist ein sinnvoller Schutz, auch für die anderen Gäste, wenngleich sie für uns Brillenträger lästig ist.“

Einige Kilometer weiter, in Inzersdorf, zeigt man sich zufrieden: „Der Besuch war heute am ersten Tag, an dem wir offen haben, zufriedenstellend – alle Personen, die reserviert haben, sind gekommen und es hat alles gut funktioniert. Die Gäste reagieren völlig normal – aber es sind natürlich weniger, denn sie tasten sich erst heran. Es gibt keine Probleme – weder im Garten, noch im Lokal, die Masken müssen nur beim Ein- und Ausgehen getragen werden. Wir sind natürlich froh, dass wir wieder aufsperren dürfen“, sagt Heurigenwirt Herbert Weissinger.

Traditionslokal Gwercher muss zusperren

Düstere Wolken hingegen in der Landeshauptstadt: Während am Freitag die Gastronomie wieder öffnen durfte, blieb der Gwercher in Stattersdorf zu. „Seit März fehlen mir rund 3.000 Gäste. Das kann ich nicht mehr schaffen“, erklärt Martin Marchetti gegenüber der NÖN.

Bereits im Vorjahr hatte die M.M. Gastronomiebetriebs- GmbH Insolvenz anmelden müssen. Beim Landesgericht wurde ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Die Hoffnung, es noch einmal zu schaffen, war groß. Das Coronavirus versetzte der Familie Marchetti aber einen vernichtenden Schlag. Von einem Tag auf den anderen wurden Hochzeiten, Firmungen, Ehrungen und Geburtstage abgesagt.

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