Landjugend feiert Jubiläum: Zwischen Traktor und Tanz. Landjugend feiert 70-Jahr-Jubiläum. Eine ehemalige Funktionärin blickt im NÖN-Gespräch zurück.

Von Alex Erber. Erstellt am 14. August 2019 (04:02)
NÖN
Theresia Aksoy, vormals Ziegler, blättert gerne in ihren Fotoalben: „Wir hatten damals eine unheimlich schöne Zeit.“ Persönlich feiert sie nicht nur das Landjugend-Jubiläum, vor exakt 40 Jahren verlegte die Hametnerin ihren Lebensmittelpunkt nach Tulln.

Theresia Aksoy, Theresia, wer? Ja, die Nachnamen bei den Damen haben sich geändert, schließlich ist seit dem Jahr 1971 schon viel Zeit vergangen. Damals hieß Theresia Aksoy aus Hameten noch Ziegler und stieß zur Landjugend, die seinerzeit noch unter „Ländliches Fortbildungswerk“ firmierte.

Die Schwester des heutigen VP-Stadtrates Josef Ziegler blickt gerne auf sechsjährige Ära beim Sprengel St. Andrä (Bezirk Herzogenburg) zurück: „Wir hatten eine unheimlich schöne Zeit.“ Und wer ihr heute zuhört, erkennt, dass die Friseur- und Kosmetik-Meisterin trotz ihrer zarten 62 Jahre im Herzen eine „Landjugendliche“ geblieben ist.

Beeindruckt war und ist sie vom vielfältigen Angebot: „Wir hatten Redewettbewerbe, Rhetorik-Schulungen und natürlich Sport. Bei einem Schießwettbewerb bin ich sogar einmal an zweiter Stelle gelandet.“ Unvergessen bleibt auch die Volkstanzgruppe: „Wir hatten damals viele Veranstaltungen im Stift, dessen Räumlichkeiten wir auch für die Proben nutzten. Zuständig für uns waren übrigens die jungen Pfarrer Maximilian Fürnsinn und Wolfgang Payrich.“

Keine Bäuerin und doch im Landesbeirat

Theresia Ziegler kam aufgrund ihres Wissens und ihres fröhlichen Wesens bei ihren Kollegen gut an. Kein Wunder, dass man bald vorschlug, sie in ein Gremium zu entsenden, das heute dem „Landesbeirat Mostviertel“ gleichkommt. Es gab dabei eine Hürde, die die Hametnerin überspringen musste. Eine Lehrerin, die damals noch mitzureden hatte, wollte darin eine Vertreterin sehen, die auf einem Bauernhof arbeitet. Was bei Ziegler nicht der Fall war.

„Die damalige Bezirksleiterin Elfi Nolz hat mich aber unheimlich forciert, sodass ich schlussendlich als erste weibliche Vertreterin des Bezirks Herzogenburg in den Landesbeirat einzog. Das war schon etwas Revolutionäres.“ Ihr Vorgänger, Inzersdorf-Getzersdorfs Altbürgermeister Franz Haslinger, war übrigens der erste männliche Vertreter des Bezirks in diesem Beirat.

Geändert haben sich nicht nur Zeiten und Nachnamen. Zu nächtlicher Stunde gibt es heutzutage auch einen gravierenden Unterschied, was den Inhalt alkoholischer Getränke anbelangt. Trinkt man 2019 beispielsweise gerne Wodka mit Energydrink oder Orangensaft, so war in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts „Rüscherlzeit“ (Anmerkung für jüngere Leser: Cola mit Branntwein). Theresia Aksoy schmunzelnd: „Die Burschen haben immer aufgepasst, dass wir nicht zu viel erwischen.“ Was ihnen, so versichert die lebenslustige Frau, in den allermeisten Fällen auch gelungen ist.