Mehltau rettete Dealer vor Gefängnis. Schädlingsbefall minderte Ertrag, Ernte war überdies von geringer Güte: Herzogenburger (30) blieb das Gefängnis erspart.

Von Alex Erber. Erstellt am 05. September 2019 (02:18)
APA (dpa/Archiv)
Symbolbild

Die Anzeige eines Pensionisten hat einen Mann aus einer kleinen Katastralgemeinde auf die Anklagebank des Landesgerichtes St. Pölten gebracht. Vorgeworfen werden dem 30-Jährigen das Verbrechen des Suchtgifthandels sowie der unerlaubte Umgang mit Suchtgiften.

Der Rentner hat von seinem Sohn vom schwunghaften Drogenhandel erfahren. „Vor vier, fünf Jahren hat es schon Vorfälle in dieser Richtung gegeben. Damals bat mich der jetzt Angeklagte, von einer Anzeige abzusehen, weil ihm sein Vater sonst den Schädel einschlagen würde. Dieses Mal hat es mir aber gereicht“, begründet der 63-Jährige, warum er die Exekutive auf das Tun und Treiben des Dealers aufmerksam gemacht hat.

Angst um seinen Sohn (31), einen Abnehmer, hat der Zeuge: „Jedes Mal, wenn er dieses Zeug nimmt, bekommt er eine Psychose. Da leidet der Bub dann an Wahrnehmungsstörungen und hört sogar Stimmen.“

Der Drogenhändler legt zunächst ein weitgehendes Geständnis ab, bekennt sich zum Verkauf von Cannabiskraut zum Preis von rund acht Euro pro

Gramm an verschiedene Süchtige schuldig. Allerdings: Die Anzahl der Stauden, die er zunächst im Kinderzimmer und später im Keller angepflanzt hat, weicht von der angeklagten Menge ab.

„Da waren die weißen Punkte schon wieder da“

Was wiederum unstrittig ist: Der Ertrag aus den Stauden war vergleichsweise äußerst gering. Denn der Hobbygärtner hatte ein Problem, seine illegal angebauten Pflanzen waren meist von Mehltau und auch anderen Schädlingen befallen: „Ich habe machen können, was ich will. Kaum ist etwas angebaut worden, waren die weißen Punkte auch schon wieder da“, bekennt der Lagerarbeiter, dass er keinen grünen Daumen hat. Ein Glück, bei mehr Ertrag wäre die Strafe bestimmt höher ausgefallen.

Und das angebotene und verkaufte Cannabiskraut war von maximal mittelmäßiger Güte; ein weiterer Umstand, der den Österreicher vor mehr „Schmalz“ bewahrt.

Viel Geld hat der Handel nicht eingebracht, 880 Euro insgesamt. Eine große Menge Suchtgift hat der 30-Jährige zum Eigenkonsum benötigt.

Mildernd wertet der Richter den bisherigen tadellosen Lebenswandel, der Mann ist nicht vorbestraft, und die Tatsache, dass er sich freiwillig einer Suchtberatung und -therapie mit Hilfe der Caritas unterzogen hat, weswegen er jetzt „clean“ ist. Außerdem legt er zur angeklagten Menge nach kurzer Beratung mit seinem Anwalt ein volles Geständnis ab, das auch reumütig klingt. „Für ihn war das Ganze ein heilsamer Schock“, formuliert es der Verteidiger.

Beste Voraussetzungen für ein mildes Urteil: acht Monate bedingt mit dreijähriger Bewährungsfrist, 250 Euro Prozesskosten, Fortsetzung der schon begonnen Therapie - rechtskräftig.