Mieter rächte sich mit Ketchup. Herzogenburg: Um sich für verschwundene Gegenstände in der Garage zu revanchieren, beschmierte ein Mieter (28) die Tür der Hausmeisterin. Er bekommt Diversion auf Probezeit.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 29. Dezember 2020 (10:04)
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Anfang September taucht ein junger Mann bei der Polizeiinspektion auf. Jemand habe ihm eine Menge Sachen von seinem Garagenplatz gestohlen erzählt er der Polizistin und bekommt kurz darauf eine Anzeige wegen falscher Beweisaussage und Vortäuschung einer mit Strafe bedrohten Handlung. Denn die Genossenschaft hat seinen Parkplatz räumen lassen, weil das Lagern von Gegenständen in der Garage aus Brandschutzgründen nicht erlaubt ist. Während der Gerichtsverhandlung zeigt sich, ganz so abwegig war die Angst vor Dieben aber nicht. „In unserer Anlage wird viel gestohlen, auch aus der Garage“, sagt etwa die Hausmeisterin.

Einzig der Parkplatz des Angeklagten war an einem Tag plötzlich wie leer gefegt. Ein Schreiben von der Genossenschaft hatte er danach nicht bekommen und deshalb Diebe vermutet, so der 28 -Jährige. Auch die Hausmeisterin habe er verdächtigt, „die Finger im Spiel zu haben“, weil sie ihn schon länger „geärgert“ habe, sagt er. Einige Tage nach dem Verschwinden der Sachen beschmierte er deshalb ihre Wohnungstüre, den Fußabtreter und einen Blumentopf mit Tomatensauce: zusätzliche Anzeige wegen Sachbeschädigung.

„Lebensmittel haben Ungeziefer angelockt“

Verstehen kann die Hausmeisterin sein Handeln nicht: „Wir sind immer gut miteinander ausgekommen. Ich fand es so gemein von dir, die Sauerei, die du mir da bereitet hast“, sagt sie. Die Sachen des Angeklagten seien schon über ein Jahr auf dem Garagenplatz gelegen, darunter auch Lebensmittel, die Ungeziefer angelockt hätten. Auch einige andere Mieter hätten Sachen dort gelagert, aber: „Mit einem Parkplatz mussten wir eben anfangen und das war seiner.“

Auf den Richter macht der Angeklagte einen eher „einfach gestrickten“ Eindruck. „Ich kann hier keinen Vorsatz erkennen“, sagt er und spricht ihn vom Vorwurf der falschen Beweisaussage und der Vortäuschung einer mit Strafe bedrohten Handlung frei. Weil er unbescholten ist, bekommt der Angeklagte für die Sachbeschädigung eine Diversion mit einem Jahr Probezeit.