Herzogenburg

Erstellt am 27. Februar 2018, 05:27

von Alex Erber

Nazi-Skandal in Herzogenburg: „Einziger brauner Fleck“. Skandal: FP-Mann outete sich mit seinem T-Shirt als Neonazi. Er wurde umgehend ausgeschlossen. Als Konsequenz haben die Blauen ihre Mitgliederliste gründlich durchforstet.

Symbolbild  |  APA (Symbolbild/dpa)

In mediale Schlagzeilen ist Herzogenburg in der Vorwoche geraten; Schlagzeilen, auf die man liebend gern verzichtet hätte.

In einem dreiminütigen Beitrag deckte der private TV-Sender Puls 4 die auf einem T-Shirt offen zur Schau getragene Vorliebe eines Herzogenburger FP-Mitglieds für eine griechische Neonazi-Band auf, die auf der Bühne gerne einmal „Sieg Heil“ brüllt. Auf dem T-Shirt prangt, gut sichtbar, auch ein Symbol, das in Neonazi-Kreisen gerne verwendet wird, die sogenannte „Wolfsangel“. Dieses Symbol ist in Deutschland verboten - nicht in Österreich.

Rupp zog die Notbremse

Mit dem eindeutigen Bild konfrontiert, zog der geschäftsführende FP-Bezirksparteiobmann und Herzogenburger Gemeinderat Thomas Rupp die Notbremse und schloss den Mann mit sofortiger Wirkung aus der Partei aus. Im Interview mit dem TV-Sender sprach sich Rupp auch für eine Verschärfung des NS-Verbotsgesetzes aus.

Bei der FP war nach der Veröffentlichung des TV-Beitrages Feuer am Dach: „Wir sind rechts positioniert, aber nicht rechtsextrem“, erklärte Stadtparteiobmann und Stadtrat Wolfgang Schatzl.

„Wir sind rechts positioniert, aber nicht rechtsextrem“

In einer eilig einberufenen Sitzung der Gemeinderatsfraktion, die am Samstag über die Bühne ging, haben die Freiheitlichen ihre Mitgliederliste durchforstet. „Wir haben sie sozusagen gründlich auf braune Flecken abgeklopft. Ich bin überzeugt, dass der nun Ausgeschlossene der einzige braune Fleck war“, erklärt Schatzl.

Eine ziemlich unglückliche Reaktion auf den TV-Beitrag lieferte die Herzogenburger SP auf ihrer Seite im sozialen Netzwerk Facebook: „Jemand, der sein Gedankengut recht frei präsentiert hat und auch zu Jugendveranstaltungen provokant sein 88er-T-Shirt (88 - Code für Hitlergruß) ausgetragen hat, war jahrelang in der FP Herzogenburg aktiv und stand auch auf der Liste bei der letzten Gemeinderatswahl“, heißt es da.

„Zu wenig feinfühlig“

Wenn ihr die Neonazi-Umtriebe des Mannes bekannt waren, warum hat die SP darauf nicht viel früher reagiert, etwa mit einer Meldung an einen blauen Funktionsträger oder einer Anzeige? „Eine Frage, die gar nicht so leicht zu beantworten ist“, bekennt SP-Vize Christoph Artner. Vielleicht sei man damals „zu wenig feinfühlig“ gewesen.