Impfung für Onkel ohne Internet: "Stadt half mir nicht". Frau wollte Onkel (81) ohne Internet-Zugang zu Impfung anmelden. Sie scheiterte in Herzogenburg und Perschling. Ihr Eindruck: „Als älterer Mensch ist man ein armer Hund.“

Von Alex Erber. Erstellt am 03. März 2021 (04:18)
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Laut eigenen Angaben ist die Plattform „kommunalnet.at“ mit rund 2.100 Gemeinden und Gemeindeverbänden das größte Arbeits- und Informationsportal im Gemeindebereich. Im Zusammenhang mit dem Impfen zum Schutz vor Corona in NÖ steht dort schwarz auf weiß: „Auch die Gemeinden unterstützen bei der Anmeldung und Information für den konkreten Impftermin.“

Mitnichten. Johanna Honeder hat einen Onkel (81), der in Herzogenburg lebt. Die Perschlingerin und er verfügen über keinen Internet-Zugang. Als die Frau hörte, dass man sich bei Problemen an die Gemeinde wenden könne, probierte sie es zunächst in Herzogenburg. Dort beschied man ihr, dass sie einen Internet-Zugang benötige. „Das klang für mich nicht nach einer gescheiten Auskunft, denn weil ich eben keinen Zugang habe und mit dem Computer gar nicht so bewandert bin, habe ich mich ja an die Gemeinde gewandt“, schildert Johanna Honeder.

„Verpflichtende Eingabe von Kontaktdaten“

Herzogenburgs Stadtamtsdirektor Dominik Neuhold antwortet: „Wir bieten im Bürgerservice der Stadtgemeinde Herzogenburg die uns mögliche Unterstützung an. Die Systeme sehen zur Erreichbarkeit der zu impfenden Person die verpflichtende Eingabe von Kontaktdaten vor. Daher ist es notwendig, dass man diese selbst hat oder Daten einer Vertrauensperson angibt. Sofern diese Grundlagen vorliegen, nimmt das Bürgerservice der Stadt gerne die Impfanmeldung vor. Wir haben bei der Stadtgemeinde Herzogenburg entschieden, keine eigene E-Mailadresse für Impfungen einzurichten.“

Damit ist Herzogenburg nicht alleine. Johanna Honeder nahm einen neuerlichen Anlauf, um zu einem Impftermin zu gelangen, dieses Mal in ihrer Heimatgemeinde Perschling. Auch dort gab es für sie eine negative Auskunft: „Das Ganze ist fürchterlich, als älterer Mensch ist man heutzutage wirklich ein armer Hund.“

„Den ,Schwarzen Peter‘ wollen wir nicht“

Bürgermeister Reinhard Breitner erläutert, warum die Gemeinden keine Anmeldungen vornehmen: „Wenn es dann mit der Impfung nicht klappt, haben die Kommunen den ,Schwarzen Peter‘, den wir uns nicht zuspielen lassen wollen. Es könnte sein, dass die Impftermine vergeben sind oder gerade zu wenig Impfstoff zur Verfügung steht oder es auf eine andere Weise Schwierigkeiten gibt. Die Gemeinden wollen nicht Schuld sein.“

Es handelt sich dabei jedenfalls um keine Alleingänge von Herzogenburg oder Perschling: „Diese Vorgangsweise ist bei der Bürgermeister-Konferenz erörtert und fixiert worden“, teilt Ortschef Breitner mit.

Er hat Johanna Honeder via NÖN ein Angebot unterbreitet: „Gemeinderätin Susanne Wieser hat als Privatperson in dankenswerter Weise schon zwei Personen helfen können, die ebenfalls einen Notfall hatten. Ich werde mich dafür einsetzen, dass auch Frau Honeder geholfen werden kann.“

Johanna Honeder wird auf das Angebot zurückgreifen, „wenn alle Stricke reißen. Mittlerweile habe ich die Kinder so weit gebracht, dass sie meinem Onkel helfen. Ich habe aber gerade gehört, dass es derzeit ohnehin keine Impftermine gibt, weil nur noch Impfstoff von Astra Zeneca zur Verfügung steht, der Personen über 65 Jahren ja nicht verabreicht wird. Das Ganze ist einfach ein Kasperltheater.“