Propst Petrus Stockinger: „Ich werde gefordert“. Der neue Propst Petrus Stockinger blickt seiner Aufgabe mit Zuversicht entgegen.

Von Hans Kopitz und Alex Erber. Erstellt am 16. April 2019 (03:52)
Hans Kopitz
Historischer Moment in der Stiftsgeschichte: Der Generalabt der Augustiner- Chorherren, Johann Holzinger (rechts), war der Erste, der dem neuen Propst Petrus zu seinem Amt gratulierte.

Als vergangenen Dienstag, um exakt 10.30 Uhr die Kirchenglocken Sturm läuteten, war es in der Stiftsstadt allen Menschen klar: Wir haben einen neuen Propst!

Das Kapitel des Augustiner-Chorherrenstiftes hat unter der Leitung des Generalabts der Augustiner-Chorherren und Propstes des Stiftes St. Florian, Johann Holzinger, den bisherigen Stiftsdechant und Kaplan Petrus Stockinger zum neuen Propst des Stiftes gewählt.

Er tritt damit ab sofort die Nachfolge von Maximilian Fürnsinn an, der das Haus 40 Jahre lang geleitet hat und aus Altersgründen einer Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung stand. Er war der längstdienende Propst in der 900-jährigen Geschichte des Stiftes und zugleich der längstdienende Abt Österreichs.

„Ich habe die Unterstützung von Maximilian, der bei Fragen mit Rat und Tat zur Verfügung steht.“ Stiftspropst Petrus Stockinger

Petrus Stockinger wurde 1982 in Ried im Innkreis in Oberösterreich geboren, er ist im Jahr 2000 in das Chorherrenstift Reichersberg aufgenommen worden und ist 2005 in das Stift Herzogenburg übergetreten. „Ich habe mich für Herzogenburg entschieden, da Stift Reichersberg Pfarren betreut, die bis zu 300 Kilometer weit entfernt liegen und die Pfarrer, die dort eingesetzt werden, oft sehr wenig Kontakt zum Stift haben – und ich brauche die Klostergemeinschaft und den Kontakt zu den Mitbrüdern“, so Stockinger damals.

69. Propst seit der Gründung des Stiftes

Er hat in Salzburg und St. Pölten Theologie und Religionspädagogik studiert und 2006 die Ewige Profess abgelegt. 2009 empfing er durch den Erzbischof von Salzburg, Alois Kothgasser, das Sakrament der Priesterweihe. Seither war er als Kaplan in der Stadtpfarre Herzogenburg tätig. Propst Petrus bekleidete viele stiftsinterne Ämter, unter anderem leitete er den Tourismusbereich. Seit Frühjahr 2017 hatte er das Amt des Stiftsdechants, des Stellvertreters des Propstes, inne. Und nun wurde er für eine Amtszeit von zehn Jahren zum 69. Propst seit der Gründung des Stiftes Herzogenburg im Jahr 1112 gewählt.

In einem Gespräch mit der NÖN, wie er sich als neuer Propst fühle und wie es nun im Stift weitergehe, erklärte er: „Ich habe ja mein Amt praktisch am gleichen Tag angetreten und werde dabei natürlich auch gefordert. Aber es ist ja keine plötzliche, sondern eine schrittweise Übergabe und ich habe die Unterstützung von Maximilian, der bei Fragen mit Rat und Tat zur Verfügung steht. Natürlich ist es momentan nicht leicht und ich muss mich in manchen Dingen erst einarbeiten.“

"Ich glaube nicht, dass sich jetzt hier viel ändern wird, es wird zwar einige Umbesetzungen geben – und ja, natürlich wird sich manches ändern, wie so manch anderes im Leben auch, es wir aber auch viel so bleiben, wie es ist“

Aber er habe im Grünen Salon sein Büro bereits eingerichtet und bekomm von meinen Mitbrüdern bei den Aufgaben jede Unterstützung. Stockinger ist zuversichtlich: „Sie haben mich ja in den vergangenen Jahren kennengelernt, wie ich mit ,Macht‘ umgehe. Ich glaube nicht, dass sich jetzt hier viel ändern wird, es wird zwar einige Umbesetzungen geben – und ja, natürlich wird sich manches ändern, wie so manch anderes im Leben auch, es wir aber auch viel so bleiben, wie es ist“, so Propst Petrus.

Der Termin für das feierliche Hochamt, in dem der neue Propst die Benediktion – die Segnung - empfängt, wird so bald wie möglich bekannt gegeben. Altpropst Maximilian wird weiterhin die Firmungen halten, zu denen er eingeladen wird – und das sind sicher nicht wenige –, die Pfarrfirmung aber am heurigen Pfingstmontag wird schon Propst Petrus halten.

Dem Stift Herzogenburg gehören derzeit insgesamt 15 Mitbrüder an. Hauptaufgabe des Klosters ist die Pflege des gemeinsamen geistlichen Lebens der Mitbrüder sowie die Seelsorge in vielen Pfarren des Unteren Traisentals.

„Ich freue mich auf gute Zusammenarbeit“

In der Stadtgemeinde hat man die Propstwahl mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen. Das Ergebnis kam, so Bürgermeister Christoph Artner, keineswegs unerwartet: „Hinter den Kulissen ist der Ausgang schon im Vorfeld der Wahl kolportiert worden. Mit Petrus Stockinger steht ein Mann an der Spitze, der ohne jeden Zweifel Führungsqualität besitzt. Und diese ist auch notwendig, weil man das Stift ja durchaus mit einem großen Wirtschaftsbetrieb vergleichen kann. Ich freue mich jedenfalls auf eine gute Zusammenarbeit und gratuliere zur Wahl sehr herzlich. Großer Dank gebührt natürlich auch Altpropst Maximilian Fürnsinn.“