Nach Ammoniak: Fischbesatz im Mühlbach kann erfolgen. Kleinlebewelt blieb vom Ammoniakaustritt verschont, schon bald werden Fische angesiedelt.

Von Alex Erber. Erstellt am 19. Juni 2018 (05:07)
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Teilweise trieben die toten Fische an der Oberfläche, teilweise versanken sie an den Grund.  Fotos: 

Im Mühlbach werden sich schon bald wieder Fische tummeln; viel früher als ursprünglich erwartet. Die NÖN hatte ausführlich berichtet: Ein bei Wartungsarbeiten zu lange geöffnetes Ventil an einem Kälteaggregat hatte bei der Firma Egger Getränke zum Austritt von Ammoniak geführt. Bei der Beseitigung der Dämpfe kam es zu einer Fehleinschätzung.

Mitarbeiter wollten den beißenden Geruch dämpfen und haben Wasser in den Abfluss geleert, wodurch es zu Laugenbildung kam. Im linken Mühlbach löste dieser Vorgang ein Fischsterben auf einer Länge von rund 20 Kilometern aus. In Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur in Wien und zwei allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen ist danach eine detaillierte Schadensaufnahme und Begutachtung des Mühlbaches durchgeführt worden.

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Mit Keschern wurden tausende tote Fische aus dem Mühlbach geborgen.

Die Ergebnisse stehen nun fest. NÖ Landesfischermeister Karl Gravogl: „Wir sind sehr erleichtert, dass das Makrozoobenthos (Kleinlebewesen) des Mühlbaches augenscheinlich keinen nachhaltigen Schaden erlitten hat. Gewässer-Experten haben erhoben, dass Fische und andere Wassertierarten den Mühlbach ab sofort wieder besiedeln können. Der Aufbau eines möglichst gewässertypischen Fischbestandes wird unmittelbar nach Vorliegen eines entsprechenden Fachgutachtens von den Fischereiausübungsberechtigten in Angriff genommen werden.“ Aus gewässerökologischer Sicht ist der sofortige Besatz des Mühlbaches mit Fischen möglich.

Sachverständiger Georg Wolfram erklärt: „Um zu beurteilen, wie es um das Gleichgewicht des Mühlbaches bestellt ist, haben wir den Zustand der Kleinlebewelt im betroffenen Werksbach untersucht. Sie ist essenziell, denn sie stellt die Nahrungsgrundlage der Fische dar. Wir können nach umfangreichen Untersuchungen sagen, dass das vorhandene Nahrungsangebot ausreichend ist und daher der Fischbesatz jederzeit erfolgen kann.“

Fische hatten keine Fluchtmöglichkeit

Wie ist das möglich, dass der Ammoniakaustritt für Fische letale Folgen hat, für Kleinlebewesen oder Pflanzen jedoch nicht? „Fische sind zehn Mal so empfindlich wie wirbellose Tiere“, erklärt Experte Wolfram im NÖN-Exklusivgespräch. Pflanzen könnten das zum unschädlichen Ammonium umgewandelte Ammoniak sogar als Nährstoff nutzen. Ausschlaggebend sei wohl auch gewesen, dass die Kleinlebewelt, dazu zählen etwa Insektenlarven oder Kleinkrebse, Fluchtmöglichkeiten gehabt habe: „Diese Tiere konnten sich in Zwischenräumen unter Steinen verkriechen, die Fische hingegen waren der fließenden Welle ausgesetzt.“

Erleichterung bei Egger

Bei Egger Getränke zeigt man sich jedenfalls erleichtert: „Wir sind sehr froh, dass der Schaden geringer als ursprünglich befürchtet ausgefallen ist. Nichtsdestotrotz ist es natürlich unsere Pflicht, den normalen Fischbesatz wiederherzustellen“, so die beiden Egger-Getränke-Geschäftsführer Bernhard Prosser und Kurt Ziegleder unisono. „Wir bedauern den entstandenen Schaden in aller Form und setzen alles daran, den Vorfall in unserem Betrieb im Detail zu analysieren, damit so etwas nicht noch einmal vorkommt. Unabhängig davon werden wir natürlich wie versprochen den aktuellen Schaden beheben.

„Derzeit erheben Experten, wie viele Fische und welche Fischarten wieder ausgesetzt werden sollen.“ Kurt Ziegleder, Geschäftsführer

„Sobald wir das wissen, starten wir mit dem Fischneubesatz“, so Kurt Ziegleder. Die Maßnahme erfolgt wesentlich früher als angenommen. In ersten Befürchtungen nach dem Unglück war gemutmaßt worden, dass es zwei bis vier Jahre dauern könnte, bis sich der Fischbestand im linken Mühlbach erholt haben werde.