Rudolfine Haiderer: „Schreiben ist ein Genuss“. Herzogenburg: Autorin Rudolfine Haiderer (94) verfasste Buch über „Liebesgeschichten und Scheidungssachen“.

Von Hans Kopitz. Erstellt am 24. Oktober 2020 (03:41)
Rudolfine Haiderer: Fast 95 Jahre – und kein bisschen leise. Ihre Unterlagen verfasst sie selbst am PC.
Hans Kopitz

1926 war geschichtlich ein interessantes Jahr: In der Türkei wurde der Gregorianische Kalender eingeführt, Gertrude Ederle durchschwamm als erste Frau den Ärmelkanal – und die Deutsche Lufthansa wurde gegründet. In Wien wurde eine Frau geboren, die zwar nicht Geschichte, dafür aber Gedichte und Geschichten schrieb – und in einigen Monaten wird sie dann 95 Jahre alt.

Es handelt sich um die Herzogenburgerin Rudolfine Haiderer. Die bescheidene Frau ist begnadete und preisgekrönte Autorin. Sie hat 1993 nicht nur den Anerkennungspreis des Landes NÖ bekommen, sondern im Laufe ihres ausgefüllten Lebens viele Werke produziert: Bücher mit Lyrik und Prosa, Theaterstücke für eine Laiengruppe, die im Schloss Walpersdorf mit Erfolg aufgeführt wurden, Beiträge in Zeitungen – und auch der Rundfunk brachte dramatisierte Funkerzählungen von ihr.

Gründungsmitglied des Literarischen Kreises

Außerdem war sie Gründungsmitglied des Literarischen Kreises Traismauer, der vergangenen Dezember sein 40-jähriges Jubiläum gefeiert hat – und von 1991 bis 2006 war sie dort auch Obfrau. „Sie hat den Verein mit viel Umsicht geleitet“, war damals in der NÖN zu lesen.

„Seit ich einen Bleistift halten kann, interessiere ich mich für das Schreiben, das ich wie auch das Lesen von meiner älteren Schwester gelernt habe, noch bevor ich in die Schule kam, weil mir die Natur neben dem Lesehunger auch jede Menge Fantasie mitgegeben hat. Da wir arme Eltern hatten, gab es natürlich kein Schreibmaterial, und so haben wir die leeren Mehlsackerln geglättet, um darauf schreiben zu können“, erzählt Rudolfine Haiderer. Sie besuchte die Handelsschule in Wien, ehe sie mit ihrem ersten Gatten, von dem sie einen Sohn hat, nach Herzogenburg kam.

35 Jahre arbeitete sie als Sekretärin bei der Firma Grundmann, aber zu dieser Zeit gab es noch keine Computer, den gab es dann erstmals daheim, als sie zu schreiben begann. Damals musste aber noch der Fernseher als Computerbildschirm herhalten. „Ich habe schon immer gerne und viel gelesen und mich davon inspirieren lassen, habe aber – ein bisschen von Stefan Zweig beeinflusst – meinen eigenen Stil entwickelt“, so die Autorin, die zu Beginn ihre Gedanken noch in Stenografie zu Papier brachte; was sie zum Teil auch noch heute gerne macht.

Sie hasst Krimis und schreibt lieber über Liebesgeschichten und Scheidungssachen, wie in ihrem jüngsten Buch, in dem man – vielleicht auch ein bisschen ironisch – aber doch voll aus dem Leben gegriffen unter anderem auch über Muscheln liest, bei deren Betrachtung man als Erwachsener wieder in die Kindheit zurückversetzt wird, über Wünsche, Ängste und Blattschneiderameisen, die zu Ehekupplern werden können – über Geschichten, die man selbst erlebt hat oder vielleicht auch gerne erlebt hätte.

Auf ihre künftigen Arbeiten angesprochen, antwortet Rudolfine Haiderer: „Das jüngste Buch ist sicher nicht mein letztes Werk, in dem Einfälle und Lebenssituationen vorkommen, denn Schreiben ist Genuss, man kann dabei die Sorgen loslassen. Das nächste Buch wird ein Roman. Das ist schwierig, aber ich möchte ihn noch veröffentlichen, ehe ich abtrete.“