St. Andräer Steg: Mit Neubau wird es ernst. Traisen-Übergang ist 1885 errichtet worden. Nun wird er um rund 627.000 Euro ersetzt.

Von Hans Kopitz und Alex Erber. Erstellt am 06. Mai 2021 (03:51)
Was haben der Traisental-Radweg, der Weinbergweg und der Jakobsweg gemeinsam? Sie alle führen über den St. Andräer Steg, weshalb es speziell im Sommer manchmal zu „Kollisionen“ von Radfahrern und Fußgängern kam.
NOEN

Einer der Tagungspunkte der jüngsten Gemeinderatssitzung war auch die Vergabe der Arbeiten für die Neuerrichtung des St. Andräer Steges. Dass der 1885 gebaute Steg erneuert wird, stand bereits seit dem Frühjahr 2019 fest. Zuvor war noch geprüft worden, ob eine Sanierung möglich ist. Diese wäre aber vom Land nicht gefördert worden und hätte fast genauso viel gekostet wie ein neuer Steg. Und da er nicht unter Denkmalschutz steht, obwohl er mehr als 100 Jahre alt ist, gab es auch vom Bundesdenkmalamt keine Einwände.

Warum die Verzögerung?

Es hat bereits einmal eine „funktionale Ausschreibung“ der Arbeiten gegeben. Als die Gemeinderäte sahen, dass dabei Kosten von mehr als 900.000 Euro aufgelaufen wären, zogen sie die Notbremse. Nun gab es ein sogenanntes „offenes Vergabeverfahren“. „Dieses Prozedere hat uns immerhin 300.000 Euro erspart“, zeigte sich Stadträtin Daniela Trauninger erleichtert.

Der neue Steg wird rund 20 Meter südlich der bestehenden Brücke und im 90-Grad-Winkel zur Traisen errichtet. Er kann dadurch so kurz wie möglich gebaut werden, außerdem wird er ohne die beiden Stützpfeiler auskommen und knapp einen Meter höher sein als der jetzige Steg.

„So ist garantiert, dass der Durchfluss bei einem Hochwasser gegeben ist“, begründet dies SPÖ-Bürgermeister Christoph Artner. Um den Höhenunterschied sanft auszugleichen, wird eine rund 20 Meter lange Zufahrtsrampe errichtet, außerdem wird der neue Steg rund doppelt so breit sein als sein Vorgänger. Da er nicht nur ein Teil des Weinberg- und Traisental-Radweges ist, sondern auch ein Teil des österreichischen Jakobsweges und schließlich die kürzeste Verbindung zwischen Herzogenburg und St. Andrä, gab es wegen der geringen Breite des alten Steges ab und zu Auseinandersetzungen, von welcher Seite er zuerst benützt werden darf oder wer bei der Begegnung am Steg vom Rad absteigen muss.

Keine Stützpfeiler, kein Unterspülen

Sieben Firmen haben sich für die Errichtung des neuen Steges beworben. Den Zuschlag bekam schlussendlich die Swietelsky AG, deren Angebot in der Höhe von 627.801 Euro brutto das günstigste war. Vom Bauausschuss gab es die einstimmige Empfehlung, mit dem Bau so schnell als möglich zu beginnen, da die Preise nicht günstiger werden. „Natürlich tut es uns allen um den alten Steg leid. Man muss kein Historiker sein, um zu wissen, dass dieser für die Bevölkerung wertvoll ist. Wir sind stark dafür, dass der Steg – eventuell mit Bürgerbeteiligung – einer Nachnutzung zugeführt wird, sagt Stadträtin Daniela Trauninger. Sie betonte auch, dass bei den Hochwassern, wie sie in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder vorgekommen sind, die Fundamente der beiden Stützpfeiler regelmäßig unterspült wurden. Da der neue Steg ohne Pfeiler auskommt, werden solche Probleme nicht mehr auftreten.

„Den Steg nicht als Alteisen verkaufen“

„Auch wir von der ÖVP finden es schade, dass der alte Steg wegkommt. Wir können uns aber vorstellen, dass er doch noch eine Funktion bekommt und nicht komplett entsorgt und als Alteisen verkauft wird“, erklärte Stadtrat Erich Hauptmann. Beim Stadtchef findet er Gehör: „Es sind schon einige Ideen an die Stadtgemeinde herangetragen worden. Aufgrund der historischen Bedeutung wird eine Verwendung geben.“

So wie vielen Herzogenburgern, die „ihren“ alten Steg lieb gewonnen haben, geht es auch der Historikerin Christine Oppitz, die im Gespräch mit der NÖN sagt: „Da ja keine Wiederverwertung als Brücke angedacht ist, wäre meines Erachtens eine Versteigerung der einzelnen Geländerteile eine Möglichkeit. Der Erlös sollte einer kommunalen Wohltätigkeit zugeführt werden. Müßig zu sagen, dass es mir sehr leid um dieses traditionsreiche Bauwerk tut.“

Laut Bürgermeister Christoph Artner, müssen die Arbeiten bis Ende 2022 abgeschlossen sein, dann bis dahin gibt es auch die Landesförderung in der Höhe von 300.000 Euro.