Elisabeth Heigl: „Werden die Corona-Krise durchtauchen“. Wie dort mit der Krankheit umgegangen wird, erzählt die Herzogenburgerin Elisabeth Heigl der NÖN aus Taiwan.

Von Hans Kopitz. Erstellt am 03. März 2020 (03:01)
Seit elf Jahren lebt und arbeitetdie Herzogenburgerin Elisabeth Heigl in Taiwan. Der NÖN berichtete sie vom Umgang mit dem Coronavirus in ihrer Wahl-Heimat.
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Aufnahme aus einem Lokal in Taiwan: Desinfektionssprays stehen überall parat.
privat

Zurzeit ist das Corona-Virus in Niederösterreich in aller Munde und immer mehr Menschen machen sich Sorgen wegen der Krankheit. Wenn man etwa die Lebensmittelgeschäfte betritt, muss man – obwohl mehrere Kassen offen sind – oft mit langen Warteschlagen rechnen, denn es wird gekauft, gekauft und noch einmal gekauft (siehe auch die Seiten 2 bis 5). „Seit auch bei uns das Coronavirus nicht auszuschließen ist, gibt es Hamsterkäufe noch und noch“, meint das Kassenpersonal zum Beispiel bei der Firma Hofer. Ihre Anfänge genommen hat die Krankheit jedoch tausende Kilometer entfernt von Niederösterreich, in China. Laufend wird deshalb auch über die Situation in Asien berichtet. Eine Herzogenburgerin bekommt die Erfahrungen, die man dort mit der Krankheit macht und gemacht hat, aus nächster Nähe mit.

Die 43-jährige Elisabeth Heigl, Schwester vom Junior-Chef der Heigl-Bau GmbH in Oberndorf, Herbert Heigl, lebt und arbeitet schon seit 2011 in Taiwan – ein kleiner Inselstaat 180 Kilometer östlich von China. Sie berichtete vergangenen Freitag der NÖN, wie zum Beispiel dort mit dem Virus umgegangen wird. 

„Taiwan hat Situation vorbildlich gemeistert“

„Zunächst einmal ist es wichtig klarzustellen, dass Taiwan nicht China ist. Auf politisches Betreiben Chinas hin bleibt Taiwan aus der WHO ausgeschlossen und somit vom direkten Informationsfluss zu Corona abgeschnitten. Gerade angesichts dessen muss ich hervorheben, dass Taiwan die Situation bis jetzt vorbildlich gemeistert hat“, meint Heigl. Trotz geografischer Nähe zu China und einer hohen Bevölkerungsdichte habe Taiwan seit dem ersten Auftreten insgesamt nur 34 Fälle, und die seien zum überwiegenden Teil aus China ,importiert‘. Bis jetzt gebe es, laut Heigl, ein Todesopfer. Virusverbreitung in der Bevölkerung gebe es noch keine, die Informationspolitik der Regierung sei vorbildlich und zu 100 Prozent transparent. Die Maßnahmen seien auch von Anfang an relativ rigoros gewesen, da man an Erfahrungen aus der SARS-Epidemie 2003, die damals viele Opfer gefordert habe, anknüpfen habe können, meint Heigl. „Und weil die Erinnerung an SARS bei den meisten Menschen noch präsent ist, kooperiert die Bevölkerung auch so gut wie reibungslos bei allem“, erzählt die Herzogenburgerin.

Großveranstaltungen werden abgesagt

Taiwan habe schon vor fast einem Monat ein Einreiseverbot für chinesische Staatsbürger verhängt. Außerdem verpflichtende Quarantäne für Reisende aus verschiedenen anderen Ländern wie Südkorea, Singapur, Japan und jetzt Italien beziehungsweise Transferpassagiere von chinesischen Flughäfen. Die Ferien zum chinesischen Neujahr für Schulen und Universitäten wurden bis Ende Februar/Anfang März verlängert.

Veranstaltungen mit vielen Menschen werden abgesagt oder verschoben. Gebäude werden regelmäßig desinfiziert, Handdesinfektionsmittel zur freien Benutzung bereitgestellt und die Bevölkerung zu regelmäßigem Händewaschen angehalten. Mundschutzmasken sind auch in Taiwan schon seit Wochen im normalen Handel vergriffen, deswegen habe die Regierung, so Heigl, ein System entwickelt, mit dem man mit der Krankenversicherungskarte eine limitierte Anzahl Masken in Apotheken bekommen kann. Private App-Entwickler haben dazu unentgeltlich eine App geschrieben, mit der man sehen kann, in welcher Apotheke noch wie viele Masken lagernd sind.

„Ich muss zum Beispiel meine Temperatur messen und die in eine Liste eintragen, wenn ich die Uni betrete.“ Elisabeth Heigl aus Taiwan

Manche Unternehmen und Institutionen implementieren noch zusätzliche Maßnahmen. „Ich persönlich muss zum Beispiel meine Temperatur messen und die in eine Liste eintragen, wenn ich die Uni betrete. Manche Firmen oder Bürogebäude haben zusätzlich außerdem noch eine Masken-Pflicht“,
erzählt Heigl.

Die Bevölkerung unterstütze sämtliche Maßnahmen, und das Leben laufe mehr oder weniger völlig normal weiter. „Es gibt keine Panik, einfach nur erhöhte Aufmerksamkeit. Und ich bin der Meinung, dass Taiwan mit dieser Vorgehensweise diese Krise ohne große Probleme durchtauchen wird“, zeigt sich Elisabeth Heigl zuversichtlich.

Hygiene hat überall oberste Priorität

Dass trotzdem überall im öffentlichen Raum stark auf Hygiene und Sicherheit geachtet wird, zeigt auch ein Foto, das die Herzogenburgerin der NÖN aus einem Lokal in ihrer Wahl-Heimat schickte (siehe rechts): Es zeigt ein Handdesinfektionsspray und ein Schild bei der Kassa, auf dem in Schriftzeichen steht: „Bitte auf dem WC Hände waschen oder hier desinfizieren, bevor Sie bestellen oder Ihr Besteck nehmen.“