willhaben.at? Täter wollte nur das Geld. 19-Jähriger stellte Mobiltelefone auf Plattform und kassierte Anzahlungen. Geliefert hat er nie: „Es war eine Dummheit von mir.“

Von Alex Erber. Erstellt am 26. November 2019 (04:08)
Symbolbild
APA

„Nicht aktiv arbeitssuchend“, so beschreibt die Jugendgerichtshilfe einen 19-Jährigen mit Migrationshintergrund, der derzeit von 600 Euro Arbeitslosengeld lebt. Sehr aktiv war der junge Mann jedoch im Vorjahr, als er beschloss, fremde Menschen um ihr Geld zu bringen.

Von Anfang Juni bis Ende Juli stellte er Mobiltelefone, eine Ladestation und Kopfhörer auf die Internet-Plattform willhaben.at, kassierte von acht Personen Anzahlungen im Gesamtausmaß von rund 2.000 Euro, lieferte jedoch nie, weil er diese Geräte gar nicht besaß.

„War Ihnen nicht klar, dass das Ganze über kurz oder lang auffliegen wird?“ Richter Andreas Grünberger wundert sich über die offenkundige Naivität desAngeklagten.

„War Ihnen nicht klar, dass das Ganze über kurz oder lang auffliegen wird? Warum haben Sie es trotzdem gemacht?“, fragt der Richter. „Es war eine Dummheit“, verantwortet sich der Herzogenburger, der den Schaden mittlerweile wieder gut gemacht hat. Lediglich einem Opfer, einer Oberösterreicherin, ist der Angeklagte noch 35 Euro schuldig. Im Gerichtssaal überreicht er der Zeugin 50 Euro, die ihm seine Mutter fünf Minuten vor Prozessbeginn zugesteckt hat, womit auch die letzte Geldschuld beglichen ist.

Geständnis, Schadenswiedergutmachung, da könnte man meinen, diese „Dummheit“ wird milde bestraft. Doch dem Richter ist der Mann nicht unbekannt. Im Jahr 2015 überfiel er gemeinsam mit einem Komplizen zwei Passantinnen auf offener Straße, bedrohte sie mit einem Messer, um an ihre Handtaschen zu gelangen. Die Frauen flüchteten, weshalb es beim versuchten schweren Raub und einer Bewährungsstrafe im Ausmaß von zehn Minuten blieb.

Bewährung gibt es auch diesmal im doppelten Sinn. Ein Jahr bedingte Haftstrafe mit dreijähriger Bewährungszeit, zusätzlich wird dem Stiftsstädter ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Überdies kassiert er 960 Euro unbedingte Geldstrafe und muss die Kosten des Verfahrens ersetzen. „Befolgen Sie die Anweisungen des Bewährungshelfers, ich will Sie hier nicht wiedersehen, weil das nächste Mal landen Sie im Gefängnis“, verabschiedet der Richter den Mann, der mit dem - nicht rechtskräftigen - Urteil einverstanden ist.