Hotel in Herzogenburg: Anrainer-Proteste. Der Gemeinderat machte trotz einiger Gegenstimmen den Weg zur Änderung der Bebauungshöhe frei. Jetzt kann Projektant Thomas Höhrhan um Baugenehmigung ansuchen.

Von Hans Kopitz und Alex Erber. Erstellt am 18. Mai 2015 (14:16)
NOEN, Hans Kopitz
Bis jetzt hat Josef Lindner noch Aussicht – wenn auch etwas beschränkt – von seiner Wohnung nach Süden. " Sollte hier die Bauklasse III zum Einsatz kommen, dann würde die Gebäudemauer nahe der Grundgrenze jede Sicht verhindern und es würde keine Sonneneinstrahlung mehr in die Räume der Familie kommen" , befürchtet der Tischlermeister.

 Nicht weniger als 26 von 30 Anrainern haben ihre Unterschrift gegen die Änderung des Teilbebauungsplanes „Stadtkern Nord“ deponiert. Tischlermeister Josef Lindner ist einer der Gegner: „Wir wissen, dass es keinen Rechtsanspruch gibt. Wahrscheinlich wird auch politisch keine Rücksicht genommen“, befürchtete er. Sein Gefühl hat ihn nicht getäuscht: Die Änderung – aufgrund von Vorgesprächen mit den Anrainern Lindner und Lechner mit wesentlichen Abänderungen gegenüber der Auflage – ist in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates beschlossen worden.

Durch diesen Beschluss kann Hotel-Projektant Thomas Höhrhan um Baugenehmigung ansuchen. Wird sie erteilt, woran kein Zweifel besteht, wird das Bauverfahren eröffnet.

Im Teilbebauungsplan werden die Bebauung und die Bebauungshöhe innerhalb folgender Zone geregelt: südliche Kaisergasse - Kirchenplatz - nördlicher Teil Herrengasse - östlicher Teil der Kremser Straße vor der Kreuzung Herrengasse bis Kaisergasse.

Anrainern sehr weit entgegengekommen

SP-Bürgermeister Franz Zwicker betonte bei der Gemeinderatssitzung, dass man bei diversen Besprechungen im Vorfeld den Anrainern sehr weit entgegengekommen sei. Auch Thomas Höhrhan habe Abstriche machen müssen: „Der vorliegende Plan ist für beide Seiten ein Kompromiss“, ergänzte SP-Vizebürgermeister Christoph Artner.

Und so sieht der Kompromiss aus: Im nördlichen Teilbereich (an der Kaisergasse bis zum Ende des Hauses Lindner) wird eine maximale Höhe von zehn Metern festgelegt. An der Kremser Straße sind auf einer Tiefe von 14 beziehungsweise 19 Metern die Bauklassen II und III möglich, wobei allerdings die dahinterliegenden Flächen (Hofbereiche hinter den Straßen) nicht mehr als Bauklasse III berücksichtigt sind. Diese Flächen sollen auf das auch ohne Bebauungsplan gültige Maß einer maximalen Bauhöhe von acht Metern abgesenkt werden.
 


Diese Höhe wird zusätzlich noch gedeckelt, das heißt, dass diese Höhe nur noch mit untergeordneten Elementen wie Liftüberfahrten oder Schornsteinen, aber keinen Dachgeschoßen überschritten werden kann. Am südlichen Teil des Grundstücks 126 (Liegenschaft Lechner) wird die Tiefe des definierten Bereichs der Bauklassen II, III mit 16 Metern parallel zur Straßenfluchtlinie festgelegt.

Diesen Kompromiss anerkannten auch die Vertreter der Opposition, allerdings gab es ein Ärgernis: Der Plan, der im Gemeinderat präsentiert worden ist, wies eine Unfeinheit auf. Er entsprach nicht jenem Plan, den man eine Woche zuvor mit den Anrainern besprochen hatte: „Möglicherweise ein Fehler des Zeichners“, mutmaßte der Stadtchef. Er drängte dennoch auf den Beschluss: „Sonst reden wir in der Weihnachtssitzung noch immer darüber.“

Von der VP gab es keine Pro-Stimme

„Ich verstehe nicht, dass man sich nicht an das halten kann, was ausgemacht ist. Und man muss auch an die Anrainer denken“, begründete VP-Gemeinderätin Sophie Moser ihre Ablehnung. Ihre VP-Kollegen Peter Schwed, Manfred Gutmann und FP-Gemeinderat Manfred Schauer schlossen sich an. Ihrer Stimmen enthielten sich die VP-Stadträte Josef Ziegler und Erich Hauptmann, FP-Stadtrat Wolfgang Schatzl sowie die Gemeinderäte Irene Schatzl (FP) und Hermann Feiwickl (Liste „Blüh“).

Für die Mehrheit von 20:9 Stimmen zeichneten die SP (14 Mandatare; ohne Stadtrat Gottfried Eder, als Anrainer befangen), die Grünen (3) sowie die FP (3) verantwortlich.