Traismaurer Krippenspiel nun in bester UNESCO-Gesellschaft

Das Traismaurer Krippenspiel ist in das Verzeichnis des immateriellen UNESCO-Kulturerbes aufgenommen worden.

Erstellt am 12. November 2021 | 05:33
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Das Traismaurer Krippenspiel, ein Stabpuppentheater mit über 200-jähriger Tradition, wurde in das Verzeichnis des immateriellen UNESCO-Kulturerbes aufgenommen. Seine Heimat hat die Urversion im Krippenspielmuseum im Schloss. Im Bild: „Krippenspiel“- Verantwortlicher Gotthard Klaus, Bürgermeister Herbert Pfeffer und Stadtrat Rudolf Hofmann.
Foto: Günther Schwab

Nach Einreichung der Bewerbungsunterlagen mit zwei voneinander unabhängigen Gutachten und einer halbjährlichen Begutachtung durch die UNESCO ist es soweit: Das Traismaurer Krippenspiel wurde in das Verzeichnis des immateriellen UNESCO-Kulturerbes aufgenommen.

„Wir, der Gesangverein Traismauer (1862), sind sehr stolz über die Aufnahme in dieses erlesene Verzeichnis. Ein wesentlicher Grund für die Aufnahme war, dass das Traismaurer Krippenspiel noch heute regelmäßig in Traismauer und an anderen Orten im Rahmen von Gastspielen aufgeführt wird“, so der Gesangsvereinsobmann und „Leiter der Traismaurer Krippenspielschar“ Gotthard Klaus.

Weitere Gründe: Das Stabpuppenspiel ist im kulturellen Geschehen der Stadt fest verankert. Generationenübergreifend stiftet es Identität. Zudem geben die Mitglieder des Gesangvereins das Spiel sowie die Gestaltung einzelner Rollen vor allem mündlich weiter.

Endgültige Fassung wohl um das Jahr 1810

Zur Geschichte des Krippenspiels: 1771 erwarb der Handschuhmacher Leopold Scheibl das Bürgerrecht in Traismauer. Sein Sohn Ferdinand, ebenfalls Handschuhmacher, soll der „Vater“ des Krippenspiels gewesen sein. Das gilt sowohl für Texte und Lieder als auch für Bühne und Figuren. Die endgültige Fassung des Krippenspiels dürfte um 1810 erfolgt sein, einzelne Teile weisen ins 18. Jahrhundert zurück.

Scheibl verwendete für das Krippenspiel biblische und apokryphe Vorlagen und Volkslieder. Lieder und Texte wurden mündlich tradiert. Beispielhaft für den Bezug zu Traismauer ist die letzte Szene: Handwerker und Gewerbetreibende aus der Zeit um 1810 tragen am Hauptplatz ihre Lieder vor, so zum Beispiel ein Schneider, ein Bandlkramer und ein Rauchfangkehrer.

Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs war das Krippenspiel im Familienbesitz. Der Volksliedforscher Raimund Zoder zeichnete das Krippenspiel im Jahr 1920 auf. Dies war letztlich eine wichtige Grundlage für die weiteren Aufführungen in den Folgejahren.

Seit 1957 macht sich der Gesangverein Traismauer (1862) um das Betreiben des Krippenspiels verdient.