Bei Polizei Herzogenburg wird alles neu. Kommandant und seine Stellvertreter sind weg, die Nachfolger stehen noch nicht fest.

Von Alex Erber und Hans Kopitz. Erstellt am 30. September 2020 (04:28)
Nach fünfeinhalb Jahren verlässt Bezirksinspektor Günter Thalhofer die Polizeiinspektion Herzogenburg. Er wird Kommandant-Stellvertreter in GroßSiegharts.
Hans Kopitz

Bei der Polizeiinspektion Herzogenburg bleibt personell kein Stein auf dem anderen: Sowohl die Funktion des Kommandanten als auch jene der beiden Stellvertreter sind zur Neubesetzung ausgeschrieben.

Kommandant war bisher Hartmut Schmid. Als Karl Groß, der langjährige Kriminaldienstreferent am Bezirkspolizeikommando, in den Ruhestand ging, bewarb sich Schmid erfolgreich um die freigewordene Planstelle. Er fungiert als Referent für Verkehr und Einsatzplanung, jedoch nur am Papier. „Bezirkspolizeikommandant Gerhard Pichler wird keine rechte Freude haben“, mutmaßt Schmid.

Warum das? Der Polizist mit Leib und Seele ist landesweit oberster Personalvertreter der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG) und daher gänzlich vom Dienst freigestellt.

Interimistische Leitung der Polizeiinspektion

Der Bezirkspolizeikommandant muss diesen Umstand zur Kenntnis nehmen, zumal es sich um keinen Einzelfall handelt: „Ein Kollege aus Rabenstein befindet sich seit etwa zwei Jahren beim Bundeskriminalamt, ein Kollege aus Ober-Grafendorf ist nun schon seit 14 Jahren dienstzugeteilt bei der Kriminalabteilung“, weiß Gerhard Pichler. Dieselbe Situation gab es in der Stiftsstadt, als Schmid als Kommandant fungierte. Mit der interimistischen Leitung der Inspektion wurde daher der zweite Kommandant-Stellvertreter, Bezirksinspektor Günter Thalhofer, betraut. Er erwarb sich innerhalb von kurzer Zeit hohes Ansehen bei Kollegen, bei Ansprechpartnern in den Gemeinden und bei der Bevölkerung.

Und nun der schmerzliche Aderlass: Der 43-Jährige wohnt in Unserfrau bei Weitra, also im tiefsten Waldviertel. Daher war es allzu logisch und letztlich nur eine Frage der Zeit, bis er sich um einen Posten in seiner engeren Heimat bewarb. Nun steht fest: Ab 1. Oktober wird Thalhofer Kommandant-Stellvertreter in Groß-Siegharts.

„Diese Leistungen sind ohne gutes Team nicht möglich. Dieses Team hatte ich in Herzogenburg.“ Günter Thalhofer, Bezirksinspektor

„Er ist ein g‘rader Michl und kann mit den Kollegen gut reden. Schade, dass er geht“, sagt auch Bezirkspolizeikommandant Gerhard Pichler.

„Ich durfte in den vergangenen fünfeinhalb Jahren auf der Polizeiinspektion Herzogenburg viele unvergessliche, skurrile und auch schöne Amtshandlungen führen“, zieht Günter Thalhofer eine positive Bilanz.

2015 während der damaligen Flüchtlingskrise war er zuständig für die Flüchtlingsunterkünfte und deren Bewohner im Rayon: „Dies war eine enorme Herausforderung, da wir mit integrationswilligen bis hin zu aggressiven, stark traumatisierten geflüchteten Manschen gearbeitet und wir meist auch erfolgreich versucht haben, den Geflüchteten unsere Werte sowie einen Verhaltenskodex näher zu bringen.“

Ein wildernder Hund ist von einem Jagdaufseher erlegt worden: „Da war mein Hauptaugenmerk auf die Besänftigung der Gemüter gerichtet.“

Bei einem Brand im Schloss Thalheim fungierte Günter Thalhofer als Einsatzleiter.

Als der Polizist in der Früh den Dienst antrat, berichtete ihm von einer nächtlichen Suchaktion nach einer Abgängigen, die nach einer Trennung Selbstmord angekündigt hatte. Thalhofer übernahm die Einsatzleitung. Florianis, Hundebrigade und Hubschrauber suchten nach der Frau.

Letztendlich mit Erfolg: Mit nur noch schwachen Vitalfunktionen konnte sie nahe Herzogenburg gefunden werden. „Das war eine sehr positive Amtshandlung für mich, weil für mich immer der Mensch im Mittelpunkt stand und steht.“

An seinem Abschiedstag beim Bezirkspolizeikommando St. Pölten Land erhielt er ein Belobigungszeugnis der Landespolizeidirektion für die Mitarbeit bei der Aufklärung eines Firmeneinbruchsdiebstahls, wo in Folge elf Einbruchsdiebstähle in Betriebe geklärt wurden. Die Gesamtschadenssumme beläuft sich auf 470.000 Euro.

Eines möchte Günter Thalhofer hervorheben: „Diese Leistungen sind ohne gutes Team unmöglich. Dieses Team hatte ich in Herzogenburg, darum erfolgt der Schritt ins Waldviertel auch mit sehr viel Wehmut. Auf der Polizeiinspektion Herzogenburg ist einer für den anderen da und dadurch kann jede Herausforderung gemeistert werden.“

Und abschließend: „Mein Dank gilt dem Bezirkspolizeikommando, allen Dienststellen des Bezirks, der Staatsanwaltschaft St. Pölten, der Bezirkshauptmannschaft, den Gemeinden, dem Roten Kreuz Herzogenburg, den Freiwilligen Feuerwehren und der Jägerschaft für die Unterstützung, die Kameradschaft, die Kollegialität und die Freundschaft, die tolle Unterstützung und somit die reibungslose, unkomplizierte, menschliche und lösungsorientierte Zusammenarbeit.“

"Auf der Polizeiinspektion Herzogenburg ist einer für den anderen da und dadurch kann jede Herausforderung gemeistert werden.“

Und weil sich auch der erste Kommandant-Stellvertreter Karl Jilch auf dem Weg in die (Früh-) Pension befindet, sind plötzlich drei Planstellen in Herzogenburg frei.

Mögliche Nachfolger gibt es zur Genüge, es haben sich mehrere Personen beworben. Die Entscheidung, wer die Jobs bekommt, fällt vermutlich in der dritten Oktober-Woche, die Neubesetzungen sollten dann mit 1. November offiziell sein.