Urteil: Frau war renitent, aber nicht ihr Mann. Widerstand gegen die Staatsgewalt? Inzersdorfer wurde im Zweifel freigesprochen.

Von Alex Erber. Erstellt am 17. Oktober 2019 (11:15)
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Symbolbild

Wegen des Vergehens des Widerstandes gegen die Staatsgewalt hat sich ein Mann in einem Prozess am Landesgericht St. Pölten verantworten müssen. Der 46-Jährige wurde von der Polizei in den Gerichtssaal gebracht, weil er den ursprünglichen Verhandlungstermin ignoriert hatte.

Gerichtsvollzieher rückte mit Polizei an

Im Mai des Vorjahres war der Gerichtsvollzieher Gast an der Adresse des Hauses in Inzersdorf. Weil das dort lebende Ehepaar amtsbekannt ist, rückte er mit drei Polizisten als Verstärkung an.

Die anwesende Frau öffnete nicht, sondern verständigte ihren Gatten, der mit seinem Moped sofort herbeieilte. Gerichtsvollzieher und Exekutivbeamte kamen allerdings nur in den Vorraum. Als eine weitere Tür geöffnet werden sollte, wurde sie zugedrückt, auch als ein Polizist und der Gerichtsvollzieher sprichwörtlich einen Fuß in die Tür setzten. Die Wucht des Zudrückens war derart massiv, dass das Türglas barst.

Der Prozess endete mit einem Freispruch für den Mann, weil nicht zweifelsfrei erwiesen war, wer nun zugedrückt habe; der Angeklagte gab an, dass es seine Gattin gewesen sei.

Die 37-Jährige sollte sich übrigens auch vor Gericht verantworten, weil sie Sachbearbeiter der Bezirkshauptmannschaft St. Pölten mit Gewalt an einer Amtshandlung gehindert haben soll; ferner wird ihr zur Last gelegt, dass sie einen handschriftlichen Brief verfasst hat, dass Mitarbeiter der Jugendhilfe bei einem etwaigen Hausbesuch nicht mehr lebend herauskommen würden.

„Einmal oben und einmal unten“

Allerdings: Das Verfahren gegen sie musste eingestellt werden, da sie zum Zeitpunkt der gegen sie erhobenen Vorwürfe an einer schweren psychischen Erkrankung laborierte. „Wie geht es ihr denn?“, fragte der Richter den Mann. Antwort: „Einmal oben und einmal unten.“