Traismaurer half in Mosambik. Wolfgang Pramendorfer versorgte Menschen nach verheerenden Zyklonen.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 07. Mai 2019 (04:03)
Johanniter
Wolfgang Pramendorfer bei der Behandlung einer jungen Patientin. Viele Menschen waren von Malaria, Durchfalls- und Atemwegserkrankungenbetroffen.

In einem Gebiet, etwa so groß wie Salzburg und Oberösterreich zusammen, steht das Wasser zwei bis drei Meter hoch. Menschen flüchten sich auf Bäume oder Dächer. Viele können sich nicht mehr halten und stürzen in die Fluten.

So beschreibt Wolfgang Pramendorfer die erschreckenden Szenen in Mosambik. Der Arzt flog mit einem Team der Johanniter in das südostafrikanische Land, um den Menschen zu helfen, die mit den schweren Folgen der Zyklone „Idai“ und „Kenneth“ zu kämpfen haben.

NOEN
Der Traismaurer Wolfgang Pramendorfer ist seit 20 Jahren als Notarzt bei Auslandseinsätzen tätig.

„Wir haben in Grudja, westlich der Stadt Beira, eine Gesundheitsstation aufgebaut“, erzählt der Traismaurer, der gerade wieder nach Hause zurückgekehrt ist. In dem Ort kümmerte sich der 72-Jährige vor allem um die basismedizinische Versorgung. Außerdem versorgte er Menschen, die an Malaria und Cholera erkrankt waren. „Malaria war besonders häufig, etwa 30 bis 40 Fälle pro Tag“, erzählt Pramendorfer. Durch die Zyklone seien auch die Schutznetze für die die Tropenkrankheit-übertragende Anophelesmücke weggerissen worden.

„Eine Mutter hat sich zum Beispiel mit ihren vier Kindern auf einen Baum geflüchtet. Sie sind nach der Reihe in die Fluten gestürzt.“ ,Wolfgang Pramendorfer über die Situation in Mosambik

Dass, wie es von der Regierung heiße, „nur“ neun Menschen durch die schweren Regenfälle ums Leben kamen, glaubt Pramendorfer nicht: „Es waren einige tausend“, berichtet der Traismaurer Arzt.

Was ihm wohl am stärksten in Erinnerung bleiben wird, ist das Schicksal einer fünfköpfigen Familie: „Eine Mutter hat sich mit ihren vier Kindern auf einen Baum geflüchtet, alle Kinder sind nach der Reihe hinuntergestürzt. Die Mutter musste zusehen, sie hatte nicht mehr die Kraft, sie zu halten“, erzählt Pramendorfer betroffen.

Bei der Frage, wie er mit solchen Geschichten selbst fertig werde, zögert der Arzt kurz, erklärt dann aber: „Ich habe viel Erfahrung in der Katastrophenmedizin und bin seit 35 Jahren Notarzt, da kann einem so schnell nichts mehr etwas anhaben.“ Die diversen Schicksale seien ihm immer nah gegangen, aber er habe es immer gut ausgehalten, meint der Römerstädter.

Der Hilfseinsatz dauerte etwas über zwei Wochen. Die Einwohner Mosambiks sollen aber noch länger etwas davon haben: „Wir haben zum Beispiel Wasserreinigungsstationen aufgebaut und gezeigt, wie man sie verwendet“, erzählt Pramendorfer. Die Menschen seien mit Kübeln oft vier bis fünf Kilometer gegangen, um frisches Wasser zu bekommen.

Hilfseinsätze geben Pramendorfer auch Kraft

Obwohl der Arzt viel Leid in Mosambik sah, fühlt er sich nach dem Einsatz gut: „Es geht mir besser als vorher. Ich habe das Gefühl, dass ich ein wenig helfen oder zumindest irgendetwas tun konnte. Es ist nur

ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber immerhin etwas“, meint Pramendorfer. Auch von den Menschen vor Ort bekomme man viel zurück: „Sie sind am Anfang oft skeptisch, viele Menschen haben noch nie einen Weißen gesehen“, erzählt der 72-Jährige. Dann seien aber alle dankbar für die Hilfe.

Das ist auch einer der Gründe, warum Pramendorfer sich noch lange nicht endgültig zur Ruhe setzen möchte: „Ich habe schon viele Hilfseinsätze gemacht und es werden weitere kommen. Ich höre noch lange nicht auf“, schmunzelt er. Die Ordination in der Jubiläumsstraße hat der Arzt mittlerweile an seine Tochter übergeben. „Wenn Not am Mann ist, helfe ich aber auch dort noch aus.“