Einbrecherduo war von Graz bis Gunnersdorf unterwegs. Rumäne brach in Wohnhaus ein, nun wurde geklärt, welche Rolle Komplize spielte.

Von Alex Erber. Erstellt am 02. April 2021 (03:15)
Ausgerechnet Gunnersdorf, wo etwa 30 Häuser stehen, suchten die beiden Einbrecher heim. Sie waren aus Graz oder Wien angereist.
Peter Nussbaumer, Peter Nussbaumer

Es war vielleicht die interessanteste Frage bei einem Prozess am Landesgericht St. Pölten, die der Richter trotz großer Anstrengung nicht klären konnte: Was verschlägt ein rumänisches Einbrecherduo unmittelbar nach seiner Einreise nach Österreich ausgerechnet in die Perschlinger Katastralgemeinde Gunnersdorf? Die beiden Männer, kein einziges Wort Deutsch sprechend, konnten oder wollten darüber nicht Auskunft geben. Sie wussten nicht einmal mehr, woher sie nach Gunnersdorf fuhren. Der bereits abgeurteilte Haupttäter ist der Meinung, man sei von Wien aus aufgebrochen, der nun angeklagte Komplize denkt, dass er seinen Landsmann von Graz aus ins Perschlingtal chauffiert hat.

Zur steirischen Landeshauptstadt hat jedenfalls der Haupttäter einen gewissen Bezug, denn dort wurde er vorerst zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt, die das Oberlandesgericht Graz später auf drei Jahre korrigierte. 14 Einbrüche, zu denen er sich schuldig bekannte, hat der 24-Jährige auf dem Kerbholz. Er sitzt sie in der Justizanstalt Hirtenberg ab, in Handschellen bringen ihn Justizwachebeamte in Gerichtssaal. Er muss als Zeuge aussagen.

Damenarmbanduhr und Golddukaten

Den Coup in Gunnersdorf, es war der letzte Beutezug vor der Festnahme, die in Wien-Favoriten erfolgte, hat der Rumäne ja bereits gestanden. An der Fakten- und Beweislage gab es nichts zu rütteln. Am Vormittag verschaffte sich der Mann über die Terrasse Zutritt zu einem Haus, durchwühlte dort fast alle Räumlichkeiten. Ihm fiel ein 45 Kilogramm schwerer Tresor in die Hände, in dem sich nicht nur eine Pistole älteren Baujahrs befand. Darin aufbewahrt waren Schmuckstücke, denen ein hohes Maß an individuellem Wert innewohnte; etwa eine Damenarmbanduhr der Marke Cartier im seinerzeitigen Neuwert von rund 2.700 Euro, ein Geschenk zum 35. Geburtstag der Hausbesitzerin; oder ein Golddukaten, den die Tochter zur Taufe bekommen hat. Ebenso wie ihr künftiger Ehemann, ein hochrangiger Polizist, bezifferte die Hausbesitzerin den Schaden mit 6.000 bis 7.000 Euro; der Sachschaden, den der Einbrecher angerichtet hat, ist hier nicht einkalkuliert. Zur Hochzeit gratulierte der Richter jedenfalls schon jetzt sehr herzlich.

Welche Rolle spielte nun der Angeklagte, der nur der Arbeitssuche wegen nach Österreich gekommen sein will? Der 22-Jährige versicherte glaubhaft, zum ersten Mal mit seinem älteren Landsmann unterwegs gewesen zu sein. Er habe nur dessen Anweisungen befolgt, nicht gewusst, was er plane: „Ich habe im Auto geschlafen, als er mich aufweckte und die Beute zeigte, die er im Rucksack versteckt hat“, erklärte der Angeklagte.

Ohne Worte sei man weitergefahren, lediglich als er die Pistole sah, die man später im Verbandskasten versteckt entdeckte, habe er zu zittern begonnen. Der Haupttäter wiederum hat angegeben, dass ihm sein Komplize beim Verladen des Tresors in den Kofferraum des Autos sehr wohl geholfen habe. Der Tresor ist (samt Inhalt) übrigens bis heute nicht aufgetaucht.

Der Angeklagte (22), in Italien wegen Raubes und Diebstahls vorbestraft, wird in St. Pölten zu 14 Monaten Haft, davon drei Monate unbedingt, verurteilt. Der Richter sah die Teilnahme am Coup als erwiesen an: „Ihre Handlung ist überschaubar, aber es besteht Mittäterschaft. Die Erklärung, dass Sie wie die Jungfrau zum Kind gekommen sind, ist völlig lebensfremd.“ Der Rumäne nahm das Urteil an, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab - nicht rechtskräftig.