Innovation aus Herzogenburg: High-Tech rettet Blut. Herzogenburger Start-Up-Firma entwickelte Sensor, der Temperatur von Konserven bei Transport und Lagerung aufzeichnet.

Von Hans Kopitz. Erstellt am 21. Oktober 2020 (04:07)
Stolz auf Start-Up: Bürgermeister Christoph Artner, Dominik Neuhold und Herbert Heigl (hinten) mit den beiden Technikern, Herbert Weitensfelder und Roman Windl (vorne, jeweils von links).
Hans Kopitz

Besuch hat kürzlich das Start-up „Suessco Sensors“ in der Wienerstraße erhalten: Bürgermeister Christoph Artner und Dominik Neuhold vom Stadtamt wollten sich persönlich von den neuesten Entwicklungen in der Sensoren-Technologie überzeugen.

Vor drei Jahren gründeten die Universitätsprofessor Dieter Süss, Bauunternehmer Herbert Heigl und Manager Ernst Windhör „Suessco Sensors“. Das Start-Up will neueste Erkenntnisse der universitären Grundlagenforschung heranziehen und daraus innovative Sensoren-Lösungen für praktische Anwendungsfelder entwickeln.

Bereits in mehreren Spitälern im Einsatz

In einem ersten Projekt widmete man sich der Temperaturüberwachung von Blutkonserven sowie Laborproben. Blut als empfindliches Gut darf sich nur in einem exakt bestimmten Temperaturbereich erwärmen oder abkühlen, um die Sicherheit für Patienten zu gewährleisten. Es ist eine sehr wertvolle und knappe Ressource, dennoch werden 15 bis 30 Prozent der jährlichen Blutspenden wegen Fehlplanungen und mangelnder Temperaturüberwachung ungenutzt weggeworfen.

„Das Suessco-Sensor-System ermöglicht eine Aufzeichnung der Temperatur während des Transports und der Lagerung“, erklärt Dieter Süss.

Mittels eines Ampelsystems auf einem Auslesegerät kann sofort eindeutig eine Über- oder Unterschreitung der festgelegten Temperaturschranken erkannt werden. Für Dokumentationszwecke werden die Daten in einer Datenbank gespeichert. Dieses patentierte System ist seit einem Jahr in mehreren Krankenhäusern in Österreich erfolgreich im Einsatz und hilft dort bereits, den Großteil des Verwurfes von Blutkonserven zu verhindern.

„Als weiteres Betätigungsfeld wurden zwei Probleme der Bauwirtschaft gelöst“, berichtet Herbert Heigl. Um den richtigen Ausschalzeitpunkt beim Betonieren sowie einen normgemäßen Temperaturverlauf beim Abbinden von Beton zu überwachen, ist es notwendig, im Inneren des Baukörpers die Temperatur zu kontrollieren. Die Beton-Temperatursensoren von Suessco sind komplett im Baukörper mitbetoniert und können kabellos durch den Beton mittels Lesegerät nicht nur während der Bauphase, sondern auch noch Jahre danach ausgelesen werden. Eingesetzt wurde diese Lösung schon im Koralmtunnel in Kärnten sowie bei Baustellen in Wien und derzeit für Hallenfundamente in OÖ.

Flaggschiff ist Positionssensor

Der Brückeneinsturz in Genua hat einen weiteren Ansatzpunkt offenbart. So ist das derzeitige Flaggschiff der Entwicklungen von Suessco Sensors ein sechs-dimensionaler Positionssensor, der gerade in der EU und den USA patentiert wird. Dieser sehr kompakte Sensor soll zukünftig veraltete Rissmonitore beziehungsweise kostspielige und aufwendige Schwingseiten-Sensoren bei der Strukturüberwachung von Gebäuden ablösen. Eingesetzt wird er bereits in der Kirche Gföhl zur Rissüberwachung sowie auf der Donaubrücke Stein-Mautern zur Überwachung der Brückenlager.

Derzeit wird der Personalstand bei den Technikern in der Wiener Straße aufgestockt, um neue Projekte voranzutreiben.