Gesiebte Luft für vier Dealer. Drogen im Wert von 170.000 Euro schmuggelte ein Quartett im Wohnmobil nach Österreich und ging bei Übergabe in Ossarn einem verdeckten Ermittler auf den Leim.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 28. Februar 2017 (05:53)
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45 Kilogramm Marihuana im Wert von 170.000 Euro schmuggelten ein Mazedonier, ein Italiener und zwei Albaner aus Italien über die Grenze, das Suchtmittel wollten sie in Ossarn im September des Vorjahres an einen Mittelsmann verkaufen. Der entpuppte sich aber als verdeckter Ermittler, für das Quartett klickten die Handschellen. Das Verbrechen des Suchtgifthandels wird nun vorgeworfen im Prozess am Landesgericht St. Pölten.

Für den Schmuggel heuerte der Mazedonier (41) den 39-jährigen Albaner an. „Ich selbst wurde dazu gezwungen“, sagt der Mazedonier vorm Richter. Und er erklärt: „Ich hatte mir 10.000 Euro für den Hausbau ausgeliehen. Da sind schnell hohe Zinsen dazugekommen. Ich musste gleich 50.000 zurückzahlen. Das ist bei uns so.“

„Mich hat nur das Geld interessiert, das ich bekommen sollte.“ Drogenschmuggler im Prozess in St. Pölten

Nicht lange überreden ließ sich dann der Gebrauchtwagenhändler aus Albanien. „Im Urlaub hat mich ein Fremder angerufen und gefragt, ob ich beim Transport von Marihuana helfen könnte. 4.000 Euro hat er mir dafür geboten“, sagt der 39-Jährige.

Feuer und Flamme ob des lukrativen Angebots war auch dessen Freund, ein Mechaniker aus Italien. „Mit dem Vorschlag, Drogen nach Österreich zu bringen, war ich sofort einverstanden“, gibt der 29-Jährige unumwunden zu. „2.500 Euro sollte ich dafür bekommen. Selber hatte ich ja gar kein Geld, die Miete für meine Werkstatt war ich schon monatelang schuldig“, erklärt er.

Wohnmobil als Schmuggel-Fahrzeug

Ein Wohnmobil organisierte der Italiener dann, fuhr damit nach Perugia. Dort wurde das Suchtmittel aus einem Lastwagen in das Wohnmobil verladen, das Versteck - ein Hohlraum in der Bodenplatte - mit Silikon abgedichtet, „damit man das Marihuana nicht riecht“, so der 29-Jährige.

So machte sich das Quartett auf die Reise. „Es sollte alles aussehen wie eine Urlaubsfahrt“, erklärte der Italiener weiters.

Der Vierte im Bunde, ein 38-jähriger Albaner, habe erst am Brenner vom Schmuggel erfahren, sagt er und gibt er sich völlig ahnungslos.

Für alle Angeklagten setzt es Gefängnis. Dreieinhalb Jahre muss der Mazedonier absitzen, 34 Monate gesiebte Luft kassiert der Italiener, zwei und zweieinhalb Jahre die Albaner. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.