Ramsch & Rosen: "Sollte sich immer wieder neu erfinden". Der Herzogenburger SIMON ZÖCHBAUER und JULIA LACHERSTORFER betreiben neben ihren größeren Formationen FEDERSPIEL und ALMA das Duo-Projekt RAMSCH & ROSEN. Auf ihrer neuen gemeinsamen CD interpretieren die beiden traditionelle Volksmusikstücke von Österreich bis Skandinavien, außerdem spielen sie Eigenkompositionen und Bela Bartók. Im Gespräch mit Jürgen Plank erzählen RAMSCH & ROSEN wie sie traditionelle Stücke aufspüren und warum es auf der CD „Bergen“ auch einen Bezug zu Indien gibt.

Erstellt am 22. Februar 2017 (11:46)
Viktoria Hofmarcher

Wie erleben Sie die Bandzusammenarbeit im Duo Ramsch & Rosen?
Simon Zöchbauer:
 Mit Julia Musik zu machen, ist sehr intim, ich habe das Gefühl, dass wir beim Musikmachen ganz oft auf eine gemeinsame Schwingung kommen. Wir schwingen uns miteinander ein und das geht gerade im Duo sehr schnell. Das haben wir ganz stark, wenn wir gemeinsam singen.

Wie läuft Ihre Zusammenarbeit bei neuen Stücken?
Simon Zöchbauer:
 Das ist eine Mischung, entweder bringt jemand ein arrangiertes Stück, also entweder Julia arrangiert ein Stück oder ich arrangiere ein Stück. Einer bereitet etwas vor und wir bearbeiten es dann gemeinsam. Oder wir nehmen ein Stück her und schauen ohne Vorbereitung, was dabei herauskommt.

Wie sehen Sie die Bandarbeit?
Julia Lacherstorfer:
 Mit Simon zu arbeiten ist super, weil wir beide sehr hohe Ansprüche haben. Wir sind uns stilistisch einig und Simon ist jemand, der sehr fokussiert und konzentriert arbeitet und das mag ich auch gerne. Wenn ich etwas mitbringe, was ich arrangiert habe, dann gibt es immer eine Mitsprache für den anderen und der Feinschliff eines Stückes kann nur gemeinsam entstehen. Ich weiß auch, dass ich mich auf ihn beim Konzert verlassen kann und das ist ein gutes Gefühl.

Sie haben gesagt, dass Sie beide hohe Ansprüche haben. Worauf achten Sie genau?
Julia Lacherstorfer:
 In der Live-Situation geht es natürlich um die Intonation und um den Klang. Dass die einzelnen Instrumente gut zusammen klingen und dass es insgesamt viele Details und große Dynamikunterschiede gibt. Gerade weil wir nur zu zweit sind, legen wir ganz viel Wert auf Feinheiten, die wir für uns auch immer wieder neu aufwärmen. Routine ist natürlich gut, weil sie eine gewisse Qualität bringt, aber man sollte sich nicht darauf ausruhen, dass man ein Stück eh schon kann, sondern: Man sollte sich immer wieder neu erfinden.

Der Großteil der Lieder auf der CD „Bergen“ sind Traditionals. Wie haben Sie diese Stücke gefunden?
Julia Lacherstorfer:
 Das ist ganz unterschiedlich. Oft habe ich das Gefühl, ich zapfe einfach meinen inneren Fundus an, das sind dann Stücke, die ich in der Kindheit mit meinem Opa gesungen habe. Oder es sind Stücke, die ich irgendwo aufgeschnappt habe und ich weiß einfach: Wenn wir beide diese Stücke machen, klingt das so, dass ich das Gefühl habe, es ist nicht das Aufwärmen von einem alten Gulasch, sondern eine neue Speise. Manchmal geht Simon ins Archiv und holt etwas. Und es gibt auch ein Stück aus einer anderen Volksmusiktradition, aus Schweden.

Wenn es sich um ein Stück handelt, dass Ihr Großvater gesungen hat: Ist das dann ein Lied, das innerhalb der Familie weiter gegeben wird oder ist das nicht so speziell?
Julia Lacherstorfer:
 Mein Opa hat schon eher die Stücke gesungen, die eigentlich Standards sind. Wir haben zuhause das große rote Liederbuch von Gerlinde Haid gehabt und das haben wir mit ihm von vorne bis hinten durch gesungen. Der Opa war kein Spezialist für vergessenes Liedgut, sondern er war auch Wirt und hat ganz oft in der Gaststube gespielt und Lieder angestimmt, bei denen alle mitsingen können.

„Unser Ziel ist nicht, dass wir indisch klingen oder die österreichische Tradition mit anderen Kulturen einfärben“

Die CD „Bergen“ beinhaltet das Stück „Die lustige Bäuerin“ und es klingt für mich als hätten Sie sich dabei musikalisch in Richtung Indien geöffnet. Stimmt das?
Simon Zöchbauer:
 Das ist vielleicht so, weil wir beim Stück „Die lustige Bäuerin“ eine Shrutibox verwenden. Das ist ein indisches Begleit- oder Übungsinstrument. Wahrscheinlich erinnert der Klang ein wenig an Indien. Für uns ist das ein Zusatzinstrument, das eine Bordun-Funktion erfüllt, die wir sonst schwer umsetzen könnten. Natürlich geht das mit der Geige auch, aber die ist gerade anders beschäftigt. Unser Ziel ist nicht, dass wir indisch klingen oder die österreichische Tradition mit anderen Kulturen einfärben. sondern wir schauen eher darauf: Was sind die Gemeinsamkeiten? Was gibt es bei uns und was gibt es dort? Und wenn ein Instrument für uns Sinn macht, kommt es rein.

Warum ist auch Skandinavien ein Bezugspunkt für die neue CD?
Julia Lacherstorfer:
 Das hat die einfache Erklärung, dass es dort Musik gibt, die uns anzieht. Und dort gibt es schon lange eine frische und dynamische Szene und es gibt ganz viele, die an der Schnittstelle zwischen zeitgenössischer Musik und Volksmusik oder auch Jazz und Volksmusik stehen. Das ist auch eine Inspirationsquelle für den Umgang mit unseren traditionellen Stücken. Ich habe das Gefühl, dass das in der nordischen Szene gut gelingt. Auch das Erzeugen von sphärischen Klängen sagt uns sehr zu und das nimmt ein wenig von der Rauheit, die in unserer Volksmusik auch drinnen liegt.

Bela Bartók hat für seine Kompositionen immer wieder traditionelle Volksmusik als Referenz verwendet. Wie und warum haben Sie Bartók in die CD „Bergen“ integriert?
Simon Zöchbauer: Bartók ist eben jemand, der ganz viele Ideen aus Traditionen schöpft und von dieser Basis aus entwickelt er Traditionen weiter oder bleibt sehr nahe an der Tradition. Das fließt bei seinen Kompositionen immer ein. Er ist auch einer der ersten Volksmusikforscher und allein wegen seines Zuganges war es für uns naheliegend, ihn zu interpretieren. Bei Bartók ist sehr schön zu sehen, was in der Verarbeitung von Volksmusiktraditionen möglich ist

Das heißt, dass Sie auch in dieser Reihe stehen?
Simon Zöchbauer:
 Ich glaube, der Zugang ist sehr ähnlich, aber wir sind – in dem Stadium, in dem wir uns jetzt befinden – mehr Ausführende als KomponistInnen. Bartók war in erster Linie Komponist für symphonische Werke und kleinere Besetzungen. Wir sind jetzt in erster Linie MusikerInnen und aus dem heraus ergibt sich, dass wir komponieren.

„Wenn sich Leute dafür bedanken, dass wir existieren, ist das ein total schönes Kompliment“

Was wäre denn ein Erfolg für das neue Album?
Julia Lacherstorfer:
 Ich hätte mir die Bestenliste „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ gewünscht, aber ich glaube wir waren zu spät dran und haben die CD gar nicht eingereicht. Darum gibt es die Bestenliste für uns nicht. Eine Auszeichnung ist schön, aber in Wirklichkeit macht es uns genauso viel Freude, wenn wir merken, dass wir viele CD-Bestellungen bekommen und viele Rückmeldungen. Die Leute schreiben uns ganz oft, dass die Musik sie glücklich macht und dass die Kinder die Musik lieben und das ist genauso schön. Wenn sich Leute dafür bedanken, dass wir existieren, ist das ein total schönes Kompliment.

Kommt es vor, dass Sie bei einem Spaziergang durch den Wald – wie am Cover der CD abgebildet – einfach mal jodeln oder miteinander singen?
Simon Zöchbauer:
 Ja, manchmal singen wir schon. Etwa vor kurzem, da waren wir an einem Bach spazieren. Früher haben wir bei jeder Gelegenheit gejodelt. Jetzt, wo wir das beruflich machen, haben wir das Jodeln ins Konzert ausgelagert. Aber es ist schon etwas, was neben der Arbeit oder bei einem Spaziergang passiert – ja, das kommt schon vor.

In Kooperation mit mica – music austria

Ramsch und Rosen live
11.03. Konzerthaus, Wien
12.03. Zum Gutmann, Eichstätt (D)
23.03. Haus der Regionen, Krems

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Lotus Records